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Neue Fotografie 29. August 2012 Noch keine Kommentare

Des Kaisers neue Kleider

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Léo Caillard zeigt antike Statuen mit der Straßenmode von Heute.

Von Thomas von Eichhorn (Interview)  Fotos: Léo Caillard; Retuschierung: Alexis Persani



Name: Léo Caillard
Geboren:
1985 in Paris, Frankreich
Ausbildung:
2008 Fotografenschule »Les Gobelins« in Paris abgeschlossen
Homepage:
www.leocaillard.com

SZ-Magazin: Herr Caillard, wie zieht man einer Statur ein Hemd an?
Léo Caillard: Das geht natürlich nicht, die Statuen können ja nicht mal eben die Hände heben. Die Bilder sind also retuschiert.

Sie leben in Paris, einer Kulturhauptstadt, hatten Sie die Idee bei einem Museumsbesuch?
Léo Caillard:
Richtig, im Louvre. Ich mag diesen Ort. Ein guter Ort, um moderne Elemente reinzumischen und damit etwas über unsere Gesellschaft auszusagen. Ich mag es, in meinen Serien verschiedene Epochen zu vermischen.

Sind die Statuen auch aus dem Louvre?
Ja. Ich habe jede Statue fotografiert und dann überlegt, welche Kleidung welcher Statue gut passen würde. Mit Kleidung schauen Ikonenstatuen viel natürlicher aus, fast als würden sie für Fotos posieren. Ich habe im Studio ein Model fotografiert, das ähnliche Körpermaße wie die meisten Statuen hatte. Das Licht und die Körperstellung müssen gleich sein, dann kann man die Bilder von Statue und Model im Photoshop übereinanderlegen. Natürlich ist nicht alles gleich perfekt. Jeder Bildteil muss aufwändig angepasst werden, damit die Bilder perfekt zusammenpassen.

Mit den Sonnenbrillen, Jeans und kurzen Hosen sehen die Statuen ziemlich  lässig aus. Wollen Sie die Leute nur zum Lachen bringen oder wollen Sie mit Ihren Fotos noch eine andere Botschaft vermitteln?
Ich mag Humor, aber bei jeder Serie achte ich auf die Botschaft dahinter. Humor ist ein gutes Mittel, um die Aufmerksamkeit auf ein Bild zu lenken. Die Leute fangen dann an, über das nachzudenken, was sie sehen. Wie sich ein Mensch kleidet, sagt viel über ihn aus. Wenn man eine Ikonenstatue aus vergangenen Zeiten modern anzieht, kann man viel über die Macht der Kleidung aussagen. Die Distanz zwischen den Ikonen und uns geht verloren, wodurch sie letztendlich menschlicher wirken.

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