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aus Heft 34/2012 Mann und Frau 1 Kommentar

»Manchmal bemitleiden wir unsere Männer«

Extremsportler suchen das Abenteuer und lieben die Lebensgefahr. Aber wie geht es dabei denen, die zu Hause bleiben? Wir haben uns mit ihren Frauen unterhalten.

Von Tobias Haberl und Robert Iwanetz (Interview)  Fotos: Daniel Delang




SZ-Magazin: Frau Valérien-Glowacz, Frau Fasching, wie ist es, mit einem Menschen verheiratet zu sein, der Felswände im Himalaya besteigt, mit dem Fahrrad quer durch Australien fährt und regelmäßig in Lebensgefahr schwebt?
Tanja Valérien-Glowacz: Immer anders, weil es keinen Alltag gibt, zumindest nicht in der Zweisamkeit. Mein Mann ist sieben bis acht Monate im Jahr nicht zu Hause.
Doris Fasching: Wir haben letztes Jahr mal nachgezählt. Wolfgang war 27 Wochen unterwegs. Gerade plant er wieder eine Tour: die sieben höchsten Gipfel der Alpen in zwölf Tagen, die Strecken zwischen den Bergen will er mit dem Rad zurücklegen.

Gemeinsames Frühstück, Grillen mit den Nachbarn – wie schwer fällt es Ihnen, auf ein klassisches Familienleben zu verzichten?
Valérien-Glowacz: Sie meinen, ob ich mir einen spießigen Mann wünsche? Selten, sehr selten.

Aber manchmal schon.
Valérien-Glowacz: Ja. Wenn wir zum zehnten Mal bei Freunden eingeladen sind und ich zum zehnten Mal sagen muss: Tut mir leid, aber Stefan kommt nicht mit. Meine Freundinnen nennen ihn schon den Phantommann, dabei sind wir schon sieben Jahre verheiratet.
Fasching: Ich könnte mich nie in einen normalen Mann verlieben.

Was ist denn ein normaler Mann?
Fasching:
Zum Beispiel der Briefträger, der bei uns jeden Morgen um neun die Post bringt und um 16 Uhr nach Hause kommt. Ich finde es langweilig, wenn jeder Tag gleich abläuft.
Valérien-Glowacz:
Frauen wollen Männer doch immer ein wenig zähmen. Aber unsere Typen, das sind knochenharte Brocken, die lassen sich nicht so einfach verbiegen, und das reizt uns.
Fasching: Aber manchmal ist es auch anstrengend. Mein Mann ordnet alles, was wir unternehmen, seinem Training unter. Wenn wir Freunde in Innsbruck besuchen, nehmen wir das Rad im Kofferraum mit, damit er zurückradeln kann. Wenn wir in einem Hotel sind, holt er am Morgen die Laufschuhe raus. Wirklich entspannt ist er nur nach großen Expeditionen.
Valérien-Glowacz: Also wenn ich Stefan nach drei Monaten Patagonien am Flughafen abhole, schwärmt er mir schon im Auto von der nächsten Wand in Britisch-Guyana vor. Weiße Flecken im Terminkalender mag er gar nicht.

Sie haben ja sogar während eines Radrennens geheiratet, Frau Fasching.
Fasching: Ja, zwischen der sechsten und siebten Etappe der »Crocodile Trophy«, das ist ein zehntägiges Rennen quer durchs australische Hinterland. Wir haben uns einen kleinen Leuchtturm ausgesucht, keine Freunde, keine Gäste, nur Sekt im Plastikbecher. Für die Hochzeitsnacht sind wir ausnahmsweise in ein Hotel.

Wie viel kriegen Sie eigentlich mit von den Abenteuern Ihrer Männer am Ende der Welt?
Fasching: Als Wolfgang noch an diesen Extremradrennen teilgenommen hat, bin ich im Wohnmobil mitgefahren. Ich habe die Routen zusammengestellt und stündlich sein Facebook-Profil für Sponsoren und Journalisten aktualisiert. Inzwischen geht er vor allem in die Berge, da habe ich nichts verloren, ich kann ja schlecht im Basislager auf ihn warten. Trotzdem unterstütze ich ihn, beschrifte die Bergkarten, besorge die Ausrüstung, Steigeisen, Pickel, Seile, einfach alles. Es klingt komisch, aber ich weiß oft mehr über den Berg als er.
Valérien-Glowacz: Bei uns ist das anders. Diese Klettertouren sind allein Stefans Welt, in die er regelmäßig abtaucht. Ich darf höchstens das Sponsorenzeichen auf seine Jacke bügeln.
Fasching: Das mache ich auch.
Valérien-Glowacz: Ich glaube, er fürchtet, dass ich ihn durch meine Angst limitieren könnte, sodass er nicht mehr aufbrechen kann. Aber er muss aufbrechen, weil es Teil seiner Natur ist. Es war nicht leicht, aber ich habe gelernt, dass ich diese Erlebnisse nicht mit ihm teilen kann. Abgesehen davon will ich da auch gar nicht mit, das ist nicht meine Welt.
Fasching: Hat er Sie trotzdem mal mitgenommen?
Valérien-Glowacz: Nur in die Kletterhalle nach München-Thalkirchen. Ich hing oben an der Wand und er stand unten, um mich zu sichern, als ich durch die ganze Halle schrie, ob er sicher sei, dass er die Knoten auch richtig gemacht hat. Alle haben gelacht. Ich glaube, es war ihm ziemlich peinlich. Für die Leute dort ist er ja so eine Art Star.
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Kommentare

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  • Ralf Ziegler (0) Das Bild von Wolfgang Fasching ist falsch. Es zeigt Stefan Glowacz! - Ansonsten ein gutes Interview!