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Neue Fotografie 24. Oktober 2012 Noch keine Kommentare

Ballett auf dem Spionageschiff

Wir stellen Ihnen jede Woche junge, talentierte Fotografen vor. Diesmal: Andreas Franke haucht einem Schiffswrack Leben ein.

Von Thomas von Eichhorn (Interview)  Fotos: Andreas Franke



Name:
Andreas Franke
Geboren: 1967 in Linz, Österreich
Ausbildung: Höhere Grafische Bundeslehranstalt in Wien
Homepages: www.staudinger-franke.com (Fotografie allgemein), www.thesinkingworld.com (Vandenberg-Projekt)

SZ-Magazin: In Ihrem Projekt »The Sinking World« wurden Alltagsszenen in Aufnahmen eines Schiffswracks montiert, das in 40 Metern Tiefe vor der Küste Floridas liegt.
Was macht ein Schiffswrack dort?
Vor allem in den USA ist es üblich, Schiffe als künstliche Riffe zu versenken. Korallen finden darin Halt und Fische einen neuen Lebensraum. Aber es wäre nicht Amerika ohne einen kommerziellen Hintergedanken: den Tauchtourismus. Unfassbar, wie viele Fische sich da tummeln. Das ist sehr interessant für Taucher.

War das Schiff ein Marineschiff?
Ja, die »Vandenberg« war ursprünglich ein Transportschiff im 2. Weltkrieg, später diente es als Spionageschiff gegen die Russen und zur Überwachung der Apollo-Missionen. Außerdem wurde es im Hollywood-Film »Virus« eingesetzt. Irgendwann war es zu alt und wurde 2009 mit großem Brimborium versenkt.

Fiel Ihnen das Fotografieren unter Wasser schwer?
Fotografieren unter Wasser ist mit der richtigen Ausrüstung nicht sehr schwierig, das ist für mich wie Architekturfotografie. Der größte Reiz daran ist die begrenzte Sichtweite. Der Vordergrund ist sehr scharf, dahinter verschwindet der Rest des Schiffes 
wie im Nebel. Das hat einen sehr lyrischen Touch.

Die Szenerien auf Ihren Fotos sehen sehr realistisch aus – und nach tausenden Stunden Photoshop-Gefrickel…
Das ist so. Aber das war einer meiner Mitarbeiter. Er hat die Fotos im Photoshop überlagert und geschaut, dass Winkel, Licht und Entfernungen stimmen. Ich als Fotograf hatte die Idee dahinter. Auf vier Tauchgängen habe ich mehr als 1000 Bilder gemacht, bin retour nach Wien geflogen und habe mir die ausgesucht, die am interessantesten ausschauen und wo sich ein passender Hintergrund für die Szenerie findet. Dann habe ich die Leute im Studio fotografiert.

Kampfsportler, Kinobesucher, Balletttänzerinnen, spielende Kinder, und alles sieht aus wie in einem alten Film: Was haben die Motive miteinander zu tun?
Gar nicht so viel. Sie spielen halt nicht in der Jetztzeit, sondern damals, als das Schiff aktiv war. Es sind frei gewählte Szenen, die zum Hintergrund passen – eben eine Geschichte von Leben unter Wasser.

Ihre Fotos haben Sie auf demselben Schiff ausgestellt, auf dem sie gemacht wurden. Schräge Idee, oder?
Ich dachte: Wie wäre es, die Fotos an den Ort des Geschehens zurückzubringen? Es hat mehrere Monate gedauert, bis ich denjenigen an der Strippe hatte, der die Schiffe versenkt, und ihm klargemacht hatte, was ich will. Wir haben die Bilder dann mit sehr starken Magneten am Wrack angebracht – mit der Angst, dass die Bilder auf Korallen oder andere Taucher fallen. Er war erstaunt, wie es hält, und dann fiel der Spruch »german engineering – american steel« (deutsche Technik – amerikanischer Stahl).

Ihre »Galerie« ist ja nicht unbedingt für jeden zugänglich. Wie viele Besucher hat Ihre Ausstellung?
Das darf man nicht unterschätzen. Am Tag kommen locker 100 bis 200 Taucher vorbei. In normalen Galerien tut man sich schwer, das hinzubekommen. Nur Vernissage kann ich keine machen.
 
Sehen Sie das nicht mit einem weinenden Auge, dass die Bilder unter Wasser ausbleichen?
Das ist für mich fast das Tollste. Diese ganzen Korallen und Flechten, die sich auf dem Bild festsetzen, und das Wasser, das in die Bilder reinsickert. Das ist wie ein Veredelungsprozess und macht jedes Bild zum Unikat.
 
Was soll neben der beeindruckenden Ästhetik noch von Ihrem Projekt hängen bleiben?
Dass man einen Raum wie das Meer, der für Menschen eigentlich kaum zugänglich ist, auch als Kunstausstellungsraum nutzen kann. Die Ausstellung ist allein in Nordamerika extrem gut angekommen. Mehr als 340 Fernsehsender haben darüber berichtet, weil es etwas ist, das es noch nicht gab. Es soll mindestens noch ein Projekt dieser Art entstehen. Auf Barbados, den Cayman Islands und noch mal in Florida habe ich weitere Schiffe fotografiert. Da kommt noch was nach.

Die Werke werden voraussichtlich im Januar in der Galerie »The Key West Studios« in Key West zu sehen sein.


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