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aus Heft 42/2012 Mode Noch keine Kommentare

Das Sonder-Modell

Was hat Kate Moss, was andere nicht haben? Zum 25-jährigen Dienstjubiläum haben wir mit ihrer Entdeckerin Sarah Doukas gesprochen.

Von Silke Wichert (Interview)  Fotos: Reuters



Supermodel Kate Moss

SZ-Magazin: Frau Doukas, Sie haben als junger Modelscout Kate Moss entdeckt. Jetzt ist sie 38 und ist nächstes Jahr seit 25 Jahren im Geschäft, während andere sich höchstens ein paar Saisons halten. Wo haben Sie sie zum ersten Mal gesehen?

Sarah Doukas: Am Flughafen JFK in New York. Ich stand mit meinem Bruder am Gate, um mit der Pan Am nach London zurückzufliegen. Kate saß auch dort, mit ihrem Vater und ihrem Bruder.

Wie haben Sie sie angesprochen?
Später im Flugzeug. Ob sie schon einmal daran gedacht hätte zu modeln. Sie sagte: absolut nicht, und ich antwortete, komm doch mal vorbei, ich habe gerade mit Richard Branson eine Agentur gegründet. Die kannte sie natürlich nicht, sie war ja erst 14, aber ich hatte Glück, weil sie eine TV-Show über Mode gesehen hatte, in der ich vorkam. Ein paar Tage später stand sie mit ihrer Mutter vor der Tür.

Warum ist sie Ihnen aufgefallen?

Wenn ich ein Mädchen anspreche, dann weil es mich fasziniert. Und zwar nicht nur das Gesicht, sondern die Art, wie sie sich bewegt, sich gibt. Das lässt sich viel besser beobachten, wenn derjenige gar nicht weiß, dass er beobachtet wird. Die Mädchen, die zu uns in die Agentur kommen, sind immer sehr nervös, die Situation ist total gestellt, du bekommst kaum etwas von ihrer Persönlichkeit mit. Kate damals konnte ich in Ruhe beobachten und auch, wenn ich noch nicht wusste, dass sie der Star werden würde, der sie heute ist, dachte ich schon damals, dass dieses Mädchen ziemlich besonders ist.

Was haben Sie in ihr gesehen? Sie war doch nichts von dem, wie Models Ende der Achtziger aussahen – sie war zu klein, zu dünn, zu blass.
Wenn Sie tun, was ich tue, dann wissen Sie, ob jemand fotogen ist, und ich wusste, sie würde unglaublich fotogen sein. Außerdem hatte sie ein sehr einnehmendes Wesen. Ich sah also, okay, sie ist keine 1,80 Meter, sondern nur 1,70 Meter, aber da ist mehr als ein paar fehlende Zentimeter. Zu allererst: Sie hat eine fantastische Knochenstruktur.

Was bitte ist eine tolle Knochenstruktur?

Das Gesicht muss wie eine Leinwand funktionieren. Das Wichtigste ist: hohe Wangenknochen. Oder zumindest äußerst definierte Wangenknochen. Eine gute Kieferkontur, die mit den Wangenknochen korrespondiert. Deshalb muss man ein Mädchen auch im Profil ansehen, ob da alles zusammenpasst. Dann darf sie keinen breiten Nasenrücken haben. Es geht nicht darum, wie lang die Nase an sich ist, es gibt ja auch in unserer Welt genug Beispiele von markanten Nasen, und ich liebe Nasen, sie geben dem Gesicht Charakter. Aber ein Model muss einen schmalen Nasenrücken haben. Die Augen müssen weit genug auseinanderstehen, sind sie zu nah beieinander, nun ja, das sieht man eben. Wie gesagt, es geht um die richtige Leinwand, mit der der Make-up-Artist und der Fotograf dann arbeiten können.
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Noch etwas?
Natürlich. Ein langer Hals, eine gute Lücke zwischen Oberlippe und Nase – ich komme mir schon wie ein Experte für Proportionen vor, aber das wird man automatisch in diesem Job. Mit John Cleese von Monty Python zusammen habe ich einmal eine Fernsehsendung namens The Human Face gemacht. Er hat dafür mit allen möglichen Wissenschaftlern gesprochen, und es kam heraus, dass alle Models, die wir in der Agentur vertreten, tatsächlich einer Art wissenschaftlichen Schönheit entsprechen. Sie hatten exakt die Dimensionen, die man – wissenschaftlich gesehen – haben sollte. Klingt irgendwie beängstigend, ist aber so.

Also könnte man Modelbewerberinnen durch ein Computerraster laufen lassen.
So einfach ist es dann doch wieder nicht: Wir hatten schon Zwillinge in der Agentur, vollkommen identisch, doch am Ende war eine auf dem Foto besser als die andere. Irgendeine klitzekleine Sache, die Sie nicht sehen können, vielleicht ist ein Auge einen Millimeter weiter rechts, oder die Nase ein winziges Stück höher. Am Ende macht es die eine fotogener als die andere.

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