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aus Heft 43/2012 Reise 2 Kommentare

Endlich aussteigen

Schon der Name! Altmühltal. Klingt wie ein fast vergessenes Stückchen Erde. Unsere Autorin fährt seit Jahren mit dem Auto daran vorbei und wusste immer: Einmal im Leben muss ich hier rechts rausfahren und die Reise auf dem Wasser fortsetzen.

Von Gabriela Herpell  Fotos: Julian Baumann; Illustration: Daniel Egnéus



Erstens: Irgendwann machte in meiner Heimatstadt jeder Teenager eine romantische Bootstour zu zweit auf dem See im Stadtwald. Bei mir tat das Boot, was es wollte, drehte sich ständig um sich selbst und schlingerte im Zickzack über den See.

Ich bin dann nicht mehr rudern gewesen. Es war mir zu peinlich, mich so blöd anzustellen. Und es war mir zu blöd, mich auf die Jungs zu verlassen. Aber schade fand ichs schon, mich auf dem Wasser kaum bewegen zu können.

Zweitens: Ich weiß nicht, wie oft ich in den letzten 15 Jahren auf der Autobahn von München nach Norden gefahren bin. Ich weiß aber, dass ich fast jedes Mal gedacht habe: »Das Altmühltal soll ja so schön sein.«

Das Altmühltal also, nach dem Flüsschen benannt, das sich mittendurch schlängelt, liegt näher an Ingolstadt als an Nürnberg, es ist einfach zu nah an München, um dort Pause zu machen. Oder gar Urlaub. Ich bin nie da gewesen. Aber schade fand ichs immer.

Jetzt war ich endlich dort. Denn auf der Altmühl, heißt es, kann man sehr schön eine Bootsreise machen. Also rudern lernen, ein für alle Mal, dachte ich. In einem Zwei-Tage-Crash-Kurs, nur autodidaktisch, etwas mehr als 30 Kilometer in zwei Tagen: von Treuchtlingen über Solnhofen bis nach Dollnstein.

Wobei mir erst einmal beigebracht werden musste: Man rudert nicht auf der Altmühl. Man paddelt. Der Unterschied zwischen Rudern und Paddeln: Gerudert wird rückwärts und gepaddelt vorwärts. Gerudert wird in Booten, gepaddelt wird in Kanus und Kajaks, und ich hatte Kanus vorbestellt, eines für mich, eines für den Fotografen.

Sven, der uns die Boote morgens nach Treuchtlingen brachte, von wo wir aufbrechen wollten, merkte natürlich schnell, wie ahnungslos ich war. Ich hatte mir nämlich auch vorgestellt, dass wir jeder ein Kanu fahren würden. Sven, belustigt: »Wie geübt seid ihr denn?« Kopfschütteln. »Wenn ich euch eins empfehlen darf: Nehmt nur ein Boot. Es ist ziemlich anstrengend, ein Kanu allein zu fahren. Man muss mit dem Paddel ja ständig die Seiten wechseln.«

Wir nehmen ein Boot. Gleichzeitig mit einer Horde Abiturienten 2012, die sich und mehrere Kästen Bier auf ein paar Kanus verteilen und einander ständig rammen, als wären sie im Autoscooter, sausen wir los, jeder mit einem Paddel, man taucht es immer abwechselnd ein. Bald schon entwickeln wir sportlichen Ehrgeiz, überholen vier Kanus, fühlen uns super, paddeln ist ja viel leichter als rudern. Hundert Meter weiter setzt das Kanu zum ersten Mal auf. Wir stochern hilflos mit den Paddeln herum, hoffentlich sieht uns keiner. Irgendwann kommen wir weiter und haben gelernt: Da, wo sich das Wasser an der Oberfläche kräuselt, fließt die Altmühl nicht plötzlich schneller, auch wenn es so aussieht. Da ist sie nur ganz besonders flach.

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  • Günther Part (0) www.zumverkauftengrossvater.de
  • Günther Part (0) Die Adresse des Hotels Adler in Solnhofen wurde leider nur unvollständig angegeben. Richtig ist Hotel Adler Gasthof Zum Verkauften Grossvater. Herzlichst Grüßt der Grossvater mit seiner Sonja!