Anzeige

aus Heft 45/2012 Kino/Film/Theater Noch keine Kommentare

Emma mit der Ruhe

Seite 2: Independent-Filme statt Blockbuster

Von Ariel Leve 




Als Teenager Sam verdreht Emma Watson in Vielleicht lieber morgen diesem Jungen den Kopf.

Vielleicht lieber morgen, die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Stephen Chbosky, der in Deutschland dieser Tage anlief, erzählt vom Erwachsenwerden an einer typisch amerikanischen Highschool in Pittsburgh. Watson spielt darin ein rebellisches Mädchen, das extrovertiert, kompliziert und verwundet ist und wenig Hemmungen hat, sich in die üblichen Teenager-Dummheiten zu stürzen.

Hat sie keine Angst davor, dass die Menschen sie nicht mehr so mögen könnten wie als Hermine? »Es ist mir nicht wichtig. Diesen Film zu drehen, war eine der wichtigsten Entscheidungen, die ich getroffen habe. Dieses eine Mal geht es mir nicht darum, wie andere mich finden, kommt es mir nicht auf die Bestätigung von außen an.«

Sie hat sich dafür entschieden, die Art von Ruhm, die mit den Harry-Potter-Filmen verbunden war, zu meiden und sich Rollen in Independent-Filmen statt in Blockbustern auszusuchen. Sie hatte einen kleinen Auftritt in My Week with Marilyn, und neben Vielleicht lieber morgen drehte sie The End of the World mit Seth Rogen und The Bling Ring, bei dem Sofia Coppola Regie führt.

Sie hofft, dass mit solchen Filmen eine andere, für sie verträglichere Form des Erfolgs verbunden ist: »Als Kind musste ich mir über meine Entscheidungen ja nicht den Kopf zerbrechen. Deswegen muss ich mich jetzt immer wieder daran erinnern, dass ich als Erwachsene Freiheiten habe. Ich empfand es fast wie eine Offenbarung, als mir klar wurde, dass ich in Interviews Fragen nicht beantworten muss, wenn ich nicht will. Als wohlerzogenes englisches Mädchen neige ich zwar dazu, mich über die Maßen zu entschuldigen, wenn so etwas vorkommt, aber ich merke, dass ich über mein Leben selbst bestimmen kann.«

Manchmal stürzt sie das in Schwierigkeiten, vor allem, seit sie an der renommierten Brown University auf Rhode Island studiert. Einerseits will sie nichts anderes als eine Studentin sein, und zwar eine besonders fleißige, damit bloß niemand auf die Idee kommt, dass sie durch etwas anderes als durch ihre eigenen Leistungen vorankommt. Andererseits lässt es sich nicht vermeiden, dass ihr Studium immer wieder mit ihrem Beruf kollidiert. Während ihres ersten Jahrs an der Uni waren die Harry-Potter-Dreharbeiten immer noch nicht beendet.

»Ich wollte neu anfangen, aber so entschieden, wie ich mir das vorgestellt habe, funktionierte das nicht. Ich kann ja nicht gut die Seite aus mir schneiden, die eine Schauspielerin und eine öffentliche Person ist. Ich muss akzeptieren, dass beides zu mir gehört.«

Dann wäre da noch ihr Reichtum. Ihr persönliches Vermögen wird auf über 30 Millionen Euro geschätzt, doch als dieses Thema zur Sprache kommt, macht Watson dicht. »Die Menschen scheinen zu glauben, dass mein Geld das Interessanteste an mir ist. Als ich 13 oder 14 war, hat mich ein Journalist gefragt, ob mein Erfolg bedeute, dass ich nie wieder in meinem Leben für Geld arbeiten müsse, und natürlich habe ich das bejaht. Aber was davon blieb, war der Satz ›Ich muss nie wieder etwas für Geld tun‹. Seitdem glauben viele, dass ich nicht dankbar genug für das Glück bin, das ich habe. Wenn ich sage, dass Geld keine besondere Rolle in meinem Leben spielt, kommt das manchen hochmütig vor.«

Anzeige

Kommentare

Name:
Kommentar: