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aus Heft 45/2012 Kino/Film/Theater Noch keine Kommentare

Emma mit der Ruhe

Seite 3: Prominenz macht alles kompliziert

Von Ariel Leve 






In den Harry-Potter-Filmen (oben Teil 1) spielt Emma Watson die stets strebsame Hermine.

»So wie ich gerade lebe, brauche ich nicht viel. Das Haus, in dem ich wohne, habe ich gemietet. Wenn ich reise, wird das von den Filmfirmen bezahlt. Ich habe ein einziges Auto, und zwar ein billiges, weil ich eine fürchterliche Fahrerin bin und deswegen nichts Teures zu Schrott fahren will. Im Wesentlichen gebe ich also mein Geld für mein Telefon und meinen Laptop aus. Es ist nicht so, dass ich es für eine Selbstverständlichkeit halte, Geld zu haben, aber ich brauche gerade wirklich nicht viel. Das wird sich sicher ändern, wenn ich eine Familie gründe und mir ein Haus kaufe und darüber nachdenken muss, welche Ausbildung meine Kinder bekommen sollen.«

Hin und wieder, erzählt Watson, lässt sie sich von einer Freundin begleiten, damit sie mitbekommt, was sie alles durchmacht. »Ich nahm eine Freundin aus England zu einer dieser Filmpreis-Verleihungen mit. Sie ging zusammen mit mir über den roten Teppich, und als wir es endlich ins Gebäude geschafft hatten, zitterten ihre Hände vor Aufregung. Freundinnen erinnern mich daran, wie verrückt das Leben oft ist, das ich führe.«

Ihr Terminplan ist voll. Ende nächsten Jahres beginnt sie mit den Dreharbeiten zu Die Schöne und das Biest, und sie berät sich mit dem Regisseur Guillermo del Toro. Sie selbst hat sich del Toro als Regisseur ausgesucht – ein Zeichen nicht nur für ihren Geschmack, sondern auch dafür, wie mächtig sie inzwischen in der Branche ist.

Ist es je vorgekommen, dass ihr etwas in ihrer märchenhaft scheinenden Karriere nicht gelungen ist, frage ich sie. Nicht beruflich, sagt sie. Aber es gab doch sicher Enttäuschungen? »Ja«, sagt sie mit weicher Stimme, »es gab sie. Lange Pause. »Es gab diesen einen Moment, in dem ich gemerkt habe, wie zerbrechlich und menschlich ich bin.« Noch eine Pause. »Als ich mir an der Uni eine Auszeit nahm. Ich war so fertig, dass ich wie ein Gespenst aussah. Da habe ich endlich begriffen: Nein, Emma, du kannst nicht zwei Filme drehen, an deinem Abschluss arbeiten, durch die Welt fliegen, um Werbung zu machen. Ich will das nicht zu sehr vertiefen, aber ich bin bei einer alleinerziehenden berufstätigen Mutter aufgewachsen. Und auch mein Vater, bei dem mein Bruder und ich viel Zeit verbrachten, hatte einen sehr anstrengenden Vollzeitjob. Ich glaube, das alles hat mich stark gemacht.«

Watson wurde 1990 in Paris geboren und zog erst 1995, nach der Trennung ihrer Eltern, nach England. Sie und ihr jüngerer Bruder Alex lebten bei ihrer Mutter in Oxford, aber besuchten häufig ihren Vater in London. Durch die Wiederverheiratung ihrer Eltern bekamen die beiden gleich fünf neue Geschwister.

Jetzt kommt eine Frau an den Tisch, um Watson daran zu erinnern, dass gleich das Vorgespräch für die Letterman-Show stattfinden soll, die am Nachmittag aufgezeichnet wird.

Sie ist schon einige Male in der Show gewesen und immer noch nervös, weil Letterman keine Rücksicht auf Absprachen nimmt, sondern fröhlich jede Frage stellt, die ihm gerade durch den Kopf geht. »Das letzte Mal, als ich da war, hatte kurz zuvor Daniel Radcliffe (der Harry-Potter-Schauspieler) eingestanden, dass er alkoholabhängig gewesen war, und ich hatte gebeten, nicht dazu befragt zu werden. Natürlich machte sich Letterman einen Spaß daraus, es dennoch zu tun.« Und natürlich wird er sie auch an diesem Nachmittag zu ihrem Liebesleben aushorchen wollen, ein Thema, das in Interviews mit Watson sonst tabu ist. Sie selbst hat darüber immer nur spärlich Auskunft gegeben, etwa, wie schwer es für sie immer war, sich mit jemandem zu verabreden.

Als ich sie darauf anspreche, muss sie lachen. »Das habe ich gesagt, als ich zwölf war, und seitdem wird das ständig wiedergekäut. Wer hat denn bitte mit zwölf nicht Schwierigkeiten mit Verabredungen?« Sie wurde mit einem Kommilitonen in Oxford fotografiert, aber sagt nicht, was sie mit ihm verbindet.

»Ich weiß einfach, dass Prominenz alles kompliziert macht. Man kann sich nicht wirklich aussuchen, in wen man sich verliebt, aber bisher habe ich es immer geschafft, mich für Männer zu interessieren, die ich an der Uni oder jedenfalls nicht in der Filmwelt kennengelernt habe.

Als unsere Interview-Zeit zu Ende geht, sagt sie noch: »Ich weiß, wann ich meine Rüstung anlegen muss, und normalerweise bin ich ziemlich gut darin. Aber der Mensch unter dieser Rüstung hat keine besonderen Fähigkeiten, bloß weil er berühmt ist oder eine Menge Geld verdient hat. Ich bin wie jeder andere. Ich versuche herauszufinden, wie das geht – das Leben.«

Emma Watson
Klar, sie ist weltberühmt als Engländerin, die in den acht erfolgreichsten englischen Filmen der letzten Jahre spielte, deren Vorlagen die derzeit berühmteste englische Schrifstellerin lieferte. Und doch, dass Watson in Paris geboren wurde und dort fünf Jahre lebte, merkt man, wenn man ihren Namen genauer betrachtet: Emma Charlotte Duerre Watson. Und so begann ihre Weltkarriere: Sie spielte Schultheater, gewann mit sieben den ersten Preis beim Gedicht-Vorlesewettbewerb, ihr Theaterlehrer meldete sie beim Casting zu Harry Potter an, wo sie sich gegen 4000 Bewerberinnen durchsetzte. Ihre Gagen stiegen enorm, allein zwischen 2007 und 2008 verdiente sie 5,5 Millionen US-Dollar. Seit 1. November läuft Vielleicht lieber morgen in den Kinos.

Fotos: dpa, dapd, Reuters
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