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aus Heft 46/2012 Das Beste aus aller Welt

Das Beste aus aller Welt

Axel Hacke  Illustration:Dirk Schmidt

Unser Autor ist beeindruckt von den magischen Momenten, mit denen das Tourismus-Land Australien für sich wirbt. Was hat Deutschland dem entgegenzusetzen?





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Kürzlich fiel mir aus der Zeitung ein Prospekt über Australien entgegen, in dem auf Seite fünf eine Waldlichtung zu sehen war. Auf dieser Waldlichtung lag ein Mensch von nicht erkennbarem Geschlecht nackt (indes teilweise von Handtüchern bedeckt) auf einer Liege und wurde von einer jungen Frau massiert.

Im Vordergrund streunte ein Wombat durchs Bild. Zum Wombat ist zu sagen, dass er auch auf den Namen Plumpbeutler hört und nur in Australien lebt, wo er der Familie der Beutelsäuger angehört. Insofern ist er sowohl mit dem Roten Riesenkänguruh als auch mit der Dickschwanzbeutelratte als auch der Flachkopf-Beutelmaus verwandt, die übrigens bisweilen nur fünf Gramm schwer ist und nicht länger als zehn Zentimeter wird, wohingegen ein ausgewachsener Wombat es durchaus auf 40 Kilogramm und mehr als einen Meter Länge bringt. Wie bei allen Beuteltieren werden auch bei den Wombats die Babys in embryonalem Zustand geboren und verbringen ihre ersten Lebenswochen im Beutel der Mutter; dieser ist bei den Wombats aber nach hinten geöffnet, denn der Wombat lebt in Höhlen, er muss graben, und wäre der Beutel nach vorne offen, würde das Jungtier permanent mit Erde zugeworfen – das hat die Evolution verhindert.

Außerdem sieht der Wombat dem Bären ähnlich. Im Gegensatz zu jenem hat er aber einen durch Knorpel, Knochen und sehr dicke Haut verstärkten Hintern. Fühlt er sich verfolgt oder bedroht, steckt er seinen Wombat-Po in die Öffnung seines Baus und verkorkt ihn so.

Es gibt Nacktnasenwombats und Haarnasenwombats, auch der Laie kann sie leicht an der Nasenbehaarung oder eben Nasennichtbehaarung unterscheiden. Die Haarnasenwombats werden wiederum in Nördliche Haarnasenwombats und Südliche Haarnasenwombats unterschieden, aber das ist hier nicht so wichtig.

Der Wombat auf dem Bild im Prospekt schien mir ein Nacktnasenwombat zu sein, aber nageln Sie mich nicht fest. Dieses Foto gehörte zu einem Text über »fünf magische Momente« in Australien: Felsen in der Dämmerung auf Kangaroo Island, der Uluru im Sonnenuntergang, solche Sachen. Und einer der magischen Momente war eben die Massage im Wald, »während ein Wombat vorbeihuscht«.

Gibt es einen Grund, warum ich noch kein Ticket nach Australien habe? Zu jeder anständigen Reise gehört ja heute ein Wellness-Angebot, aber was sind diese ganzen sterbenslangweiligen Verwöhnwochen und Shaolintage, die Aromasalzent-schlackungen und Honig-Hot-Stone-Packungen Europas gegen eine Waldlichtungs-Massage mit Wombatbegleitung?! Mit einem Plumpbeutler im Gegenlicht.

Was fällt der hiesigen Tourismus-Industrie ein, damit sie – im Kampf mit dem magischen Wellnesswombat – nicht eines Tages vor leeren Massagepritschen und Whirlpools steht, weil alle möglichen Kunden magische Wombatmomente in Australien genießen? Was sind die magischen Momente, die wir in Deutschland zu bieten haben? Eine Massage mit echt Kreuzberger Dönergewürzen auf einer einsamen Wiese im Berliner Tiergarten, während einer der seltenen heimischen Grillhammel vorbeistreunt? Ein Wellness-Zelt auf dem Oktoberfest, mit Eisbeutel-Detox-Behandlung, Aspirin-Lotion und Entspannung im Bismarck-Herings-Becken? Ein Outdoor-Spa im Thüringer Wald, bei dem die Gäste über glühende Holzkohlen laufen müssen, zur Aktivierung der Hautdurchblutung mit Rostbratwürsten gepeitscht und anschließend mit echt Thüringer Verwöhnsenf bestrichen werden?

Mein Gott, dieses Bild im Prospekt, ich kann’s nicht vergessen! Wie entsetzlich gestresst ist der Mensch, dass er bis ans Ende der Welt reisen möchte, auf der Suche nach einem magischen Moment, nach Entspannung, Ruhe und nach dem Blick auf ein Tier, dem dieser Mensch schnurzegal ist und das nichts von ihm will, ja, das überhaupt nichts vom Leben möchte und keinen Wunsch hat außer diesem einen: in Ruhe ein Nacktnasenwombat sein zu können.

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Axel Hacke wartet auf den Tag, wenn der Genuss eines Weißbiers im Biergarten als »magischer Wellness-Moment« durchgeht. Lange kann es nicht mehr dauern!

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