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aus Heft 47/2012 Liebe & Partnerschaft 9 Kommentare

Wenn Gefühle einfach fehlen

Sie ist eine Frau, 35, gut aussehend, freundlich. Eine Frau, an der schon viele Männer Interesse hatten. Aber sie war noch nie verliebt. In ihrem ganzen Leben nicht. Bis jetzt.

Von Gabriela Herpell  Foto: Gianni Occhipinti





Alle denken, dass jeder Liebe erlebt hat. Mich nervt die Selbstverständlichkeit, mit der die Leute davon ausgehen, dass man ständig Beziehungen hat, oder eine Beziehung. Immer geht es um Liebe, überall, in Liedern und Filmen und Büchern. Man kommt, als jemand, der noch nie eine Beziehung hatte, nicht vor auf dieser Welt. Man steht daneben und denkt: Bin ich vielleicht kein normaler Mensch? Dann sucht man nach Gründen: Warum kriegen alle das auf die Reihe, nur ich nicht?

So erzählt es Katharina Engel*, sie ist 35 Jahre alt und hat etwas Schneewittchenhaftes, weil sie schmal ist und ein kleines, blasses Gesicht hat, umrahmt von dunklen Locken. Ihr Lächeln ist verhalten, beinahe schüchtern, und in ihren Augen glaubt man Wehmut zu erkennen.

Ehrlich: Das Treffen mit Katharina Engel birgt eine Überraschung. Natürlich muss eine Frau, die noch nie eine Liebesbeziehung hatte, nicht aussehen wie ein Pfannkuchen. Aber dass sie so hübsch sein würde, hätte man nicht gedacht.

Zu unserer Begegnung kam es so: Katharina Engel hatte eine wütende Mail ans SZ-Magazin geschrieben, weil in einer Ausgabe, die nur von der Liebe handelte, niemand vorkam, der noch nie verliebt war. Ob uns eigentlich klar sei, schrieb sie, dass es Leute gebe, »Mitte dreißig, nicht dumm, nicht hässlich, nicht sozial inkompetent, die nicht mitreden können, wenn alle Welt ganz selbstverständlich von der Liebe spricht?« Und dass es ihnen vielleicht helfen würde zu erfahren, dass sie nicht ganz allein dastehen mit ihrem Problem.

Denn es ist ein Problem, noch nie verliebt gewesen zu sein, und das wird größer, je mehr Zeit vergeht. Man entwickelt sich immer weiter weg von dem, was als normal angesehen wird. Irgendwann ist man so verspannt, dass gar nichts mehr geht. Wer die Worte »noch nie verliebt« im Internet eingibt, stößt auf Sätze wie: »Ist das unnormal? Ich bin zwölf und war noch nie verliebt.« 18-Jährige verzweifeln darüber, noch Jungfrau zu sein. Oder Zwanzigjährige darüber, immer nur kurze Beziehungen gehabt zu haben.

Heute ist jeder selbst verantwortlich für sein Unglück. Oder verpflichtet zum Glück. »Wenn früher jemand keinen Partner gefunden hat, war das Schicksal, so sah man es selbst und die Umwelt auch«, sagt der Paartherapeut Michael Mary. »Heute versagt man im Lebens- oder Liebesmanagement.«

Dabei fing bei Katharina alles genauso an, wie es meistens beginnt: Als Teenager verknallte sie sich ein paar Mal, war aber zu schüchtern, den ersten Schritt zu tun. Also merkte niemand etwas, geschah nichts, litt sie still vor sich hin.

Dann gab es einen Jungen, der wurde so etwas wie ihr Freund, vier oder sechs Wochen lang, genau kann sie das nicht sagen, es gab keine richtige Beziehung und somit auch kein richtiges Beziehungsende. Darum findet Katharina, »das zählt nicht«. Auch wenn die Art von undefinierter Beziehung eigentlich normal ist unter 16-Jährigen.

Sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte in dieser Phase, mit diesem Jungen. Sie war unsicher. Die Angst, etwas falsch zu machen, blockierte sie. Bald war der Junge mit einem anderen Mädchen zusammen. Sie blieb zurück, noch verschüchterter. Die Schuld für dieses erste Scheitern suchte sie bei sich und trägt sie seitdem mit sich herum. Dann passierte nichts mehr. Sie verließ die süddeutsche Kleinstadt, aus der sie stammt, machte eine Ausbildung zur Buchhändlerin, lebte in München und lebte in Hamburg, sie sang im Chor und ging in Sportclubs, paddelte zu zweit im Kajak und spielte Volleyball, fuhr Fahrrad in einer Gruppe. Sie lernte viele Leute kennen, auch später bei der Arbeit im Buchverlag, und es verliebten sich Männer in sie. Aber sie, sie verliebte sich nicht.

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Kommentare

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Kommentar:

  • Michael Menzner (0) Das Gefühl des "verliebt seins" ist doch nicht mal bei Personen, die sich schon öfter verliebt haben, jedesmal gleich. Ich denke, Katherina erwartet sich vielleicht zuviel Emotionen oder Veränderungen in ihrem Leben durch das "verliebt sein". Natürlich gibt es auch Störungen, durch die Gefühle eben nicht wirklich voll erlebt werden können. Aber ich denke man kann sich auch sanft verlieben, ohne gleich Hormonelle Schwankungen oder Herzarythmie zu erleben.
  • Sanja Brandner (0) @Georg Schmidt: Ich finde es anmaßend, wie Sie über die Frau reden, ohne sie auch nur im Entferntesten zu kennen....
    Diese Frau erweckt in keinster Weise den Eindruck, Aufmerksamkeit zu benötigen. Mir scheint viel eher, dass Sie ein Problem mit Frauen haben, das sie hier abladen müssen.

    Ich kann diese Frau sehr gut verstehen. Zwar bin ich 10 Jahre jünger als sie, jedoch war ich auch noch nie wirklich verliebt. Mir fehlt einfach dieses Gefühl, zu wissen, wie es ist, wenn man jemandem so richtig nah sein will, dem anderen bedingungslos vertraut und bei ihm das Gefühl hat: "Jetzt bin ich angekommen". So stelle ich mir das zumindest vor, wenn man verliebt ist bzw. liebt.
    Ich bin ganz bestimmt auch nicht dumm, hässlich, asozial oder stehe sonst irgendwie am Rande der Gesellschaft, aber ich verliebe mich einfach nicht. Die Männer verlieben sich in mich und das bisher regelmäßig, aber ich konnte diese Gefühle leider nie wirklich erwiedern, was mich unendlich traurig macht, denn ich sehen mich sehr nach Nähe, Geborgenheit, Vertrauen, Zärtlichkeiten und Zweisamkeit..
    Und neun, asexuell bin ich sicher nicht. Es liegt bei mir auch nicht daran, dass der Funke nicht überspringen kann, weil man ihm keine Gelegenheit dazu gibt. Ich kann flirten, was das zeug hält ;), aber bei mir stellen sich dadurch leider keine Gefühle ein. Sexuelle Spannung ja, Gefühle nein.

    Diese Frau spricht mir wirklich aus der Seele, wenn sie sich unverstanden vorkommt und kritisiert, dass eine Beziehung tendenziell als Selbstverständlichkeit angesehen wird und dass man fast schon anfangen "muss", sich zu rechtfertigen, wenn man diese nicht hat bzw. noch nie wirklich hatte.
  • Georg Schmidt (0) ich habe selber so nen Fll in der Familie-gefühlskalt-menschliche Wärme nihct vorhanden-sozialer Kontkt bei NULL, sie brachte es fertig ihren Freund am hl Abend vor die Tür zusetzen-als ihre Mutter starb, war sie 5min am Sterbebett, dann ging sie, die Tochter, mit der Bemerkung: da tu ich mir nicht an!
    PS die Mutter hat sich für sie den A...aufgerissen-es gibt halt solche Menschen-aber es sind natürlich immer die andern schuld !
  • Georg Schmidt (0) manchmal denke ich, Frauen meinen, dass sie besondere Wesen sind, da war vor einiger Zeit im TV eine Diskussion , ungefähr 15 Frauen, alleinstehend, geschieden usw und ein Mann. während die Frauen nur jammerten-ach mir fällt am zweiten Tag allein zu hause die Decke auf den Kopp und ähnliche bekannte Sprüche, sass der Mann ruhig und entspannt dabei-er käme ohne Menschen aus, ja ok, in der Arbeit keine Probleme, aber privat bräuchte er niemand, er lebt allein und zufrieden, pflegt keine Freundschaften-die Frauen konnten das kaum begreifen-nein das gibts nicht, wie soll das funktionieren-so kommt mir die Geschichte hier auch vor- eine Frau, die scheinbar nicht genug Aufmerksam erfährt , empört sich, einem Mann wäre es nie eingefallen, sone Mail an die Redaktion zu schreiben-ach, diese Frauen!
  • Christopher Repky (1) @Luk: Du meinst sowas liegt also nur an der Asexualität, dass solche Leute enorme Schwierigkeiten bei der Partnersuche haben? Es geht hier um das generelle Problem, nämlich dass es bei manchen Menschen extrem kompliziert ist, überhaupt jmd zu finden. Mit Asexualität sind vielleicht nur manche Fälle begründet.
    Eine ihrer Begründung, es läge an dem gehemmten Elternhaus ist da schon recht plausibel. Auch keine Universalantwort, aber trifft des schonmal ganz gut.
    Auch find ich es super, wie sie meint, dass die Leute sowas als selbstverständlich ansehen, einen Partner zu haben. n bisschen Selbstreflexion und Demut wär da angebracht!
  • Luk Lukas (0) Ich habe nicht den Eindruck, dass der Katharina die Sexualität fehlt, davon hat sie nichts erwähnt - vielleicht ist sie asexuell. Dann wird wohl auch der Funke nicht überspringen...
    Die sexuelle Spannung erleichtert zwar am Anfang den Flirt, ist aber nicht zwingend erforderlich für eine Partnersuche. Bei AVEN (Forum für Asexuelle) gibt es viele Menschen, die sich nach einer Partnerschaft mit Liebe, Geborgenheit und Zärtlichkeit sehnen, aber nicht nach Sex.
  • Christopher Repky (1) @Jürgen: Was meinst denn mit dem "zündeln" genau?
    is weng arg metaphorisch ausgedrückt.

    @Oliver: sowas is gschmarri. Wieso knapp 300? für son Seminar hinblättern, wenn man des auch so rausfinden kann?
  • Oliver Schmid (0) Es ist immer ein wenig von beidem: Vieles habe ich beim Flirten selbst in der Hand. Auf der anderen Seite ist wichtig, wie im Artikel erwähnt, Liebesglück einfach als Schicksal zu akzeptieren. Das nimmt den Druck.

    Ein lieber Kollege von mir hat ein wunderbares Selbsterfahrungs-Seminar zu genau dem Thema im Angebot. Das darf ich hier vermutlich nicht verlinken, aber ich versuch's: http://www.einsichartig.de/lockstoff.htm...
  • Jürgen Liebenstein (0) Das grundlegende Problem ist, dass heute viele verlenrt (oder nie gelrnt) haben, wie man flirtet und sexuelle Spannung zwischen beiden aufbaut. UNd so kommt man viel zu fot aus Begegnungen/Dates heraus und muss feststellen: "Der Funke ist nicht übergesprungen." Damit dieser Funke überspringt muss man aber eben zündeln und das fehlt oft. Und so muss man auf den Zufall warten und der läßt dann oft sehr lange auf sich warten.