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aus Heft 48/2012 Essen & Trinken 1 Kommentar

Das beste Brot der Welt

Seite 2: »Noma«-Brot

Illustrationen: Bella Foster






Schwarzbrot

Eckart Witzigmann, Koch

Ich habe von klein auf den Duft frischen Brotes inhaliert und das Handwerk des Backens von der Pike auf mitbekommen. Mein Großvater, Onkel und Cousin sind Bäcker und haben mich gelehrt, großen Respekt vor Brot zu haben, der Brotlaib durfte deshalb nie mit der Unterseite nach oben liegen, das würde man mit einer Pizza ja auch nicht machen. Meine Kindheit verbinde ich stark mit dem knusprigen Schweizer Laiberl, einer einfachen Semmel. Aber natürlich kommt es immer darauf an, wozu und womit ich das Brot esse. In Frankreich gibt es nichts Besseres als ein knuspriges Baguette oder ein Flûte. Das beste Brot in München gibt es bei der Liesl am Viktualienmarkt. Ihr Schwarzbrot hat eine doppelt gebackene Kruste und ist ganz saftig. Das liebste Stück von einem Laib ist mir – wie man in Bayern sagt – das Scherzl, der Anschnitt eines Brotes.

Bäcker-Liesl
Elisabeth Forstner
Viktualienmarkt 1
80331 München



Pagnotta-Brot

Anna Sgroi, Köchin

Das beste Brot ist für mich das Pagnotta-Brot. Es ist so knusprig, denn eigentlich besteht es fast nur aus Kruste. Man macht es hauptsächlich aus Hartweizen. Auf Sizilien wurde in Zeiten meiner Kindheit das Pagnotta morgens ofenwarm nach Hause geliefert. Ich erinnere mich noch, wie ich oft sehnsüchtig darauf gewartet habe. Pagnotta gibt es in ganz Süditalien. Wie in meiner Kindheit würde ich auch heute dieses Brot am liebsten zum Frühstück nur mit Sardellenfilets und Olivenöl essen.

Feinkost Farnetani
Peter-Anders-Straße 9
81245 München




Pane Maggiore

Vincent Klink, Koch

Mein Dauerlutscher ist das Pane Maggiore, das selbst, wenn es nahezu hart ist, also über zehn Tage in meinem Brotkasten war, fast besser schmeckt als ganz frisch. Das Brot bekommen wir zweimal wöchentlich zugeschickt, hier in Stuttgart gibt es so etwas Gutes nicht. Das Brot wird nach altüberliefertem Tessiner Rezept aus original Schweizer Ruchmehl zubereitet. Das ist ein Weizenmehl, das mehr Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine aus der Randschicht des Korns enthält. Das Brot ist innen sehr saftig und hat diesen deftigen, unverwechselbaren Geschmack. Weil mir das Brot so schmeckt, darf der Bäcker auch mit mir werben, kriegt er gratis. Dieses Brot zum Frühstück und dann dick bretonische Rohmilchbutter und Meersalz drauf. Basta.

Bäckerei Schmid
Raiffeisenstraße 1
72810 Gomaringen





»Noma«-Brot

Hans Gerlach, Koch

Mit ein paar Freunden wollten wir uns im derzeit hippsten Restaurant der Welt, dem »Noma« in Kopenhagen, verabreden. Mit viel Glück bekamen wir den einzig freien Tisch an einem Dienstag und Flüge. Zu Beginn servierten die Köche des Chefkochs René Redzepi im Sekundentakt unglaubliche Dinge, schneller, als wir Aromen, Düfte und Konsis-tenzen überhaupt richtig wahrnehmen konnten. Vermutlich wollten sie unsere Sinne durcheinanderwirbeln, unser Bewusstsein erweitern, damit wir das eigentliche Menü dann wach genießen können. Zwischen Wirbel und Menü kam ein Brot: Es sah normal, rund, nicht groß aus. Die dünne Kruste knisterte, die Krume duftete, war locker und sehr saftig. Dieses Brot schmeckte wirklich wunderbar. Die japanische Köchin, die das Brot brachte, erklärte stolz das Geheimnis der Zubereitung: viel Wasser. Genauer steht es übrigens im »Noma«-Kochbuch. Doch hier und heute würde das Brot nicht so schmecken wie an diesem Abend als Ruhepunkt der »Noma«Performance.

Noma
Strandgade 93
1401 Kopenhagen
Tel. 0045/32 96/32 97


Fotos: Chad Robertson, Janice Leung, Verena Kathrein; Protokolle: Réka Maria Probst
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Kommentare

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  • Sabine Risse (0) brot als religion.
    Auf die Knie!
    Lassat uns beten:..........unser tägliches Brot gib uns heute...
    und wenn es geht,um die Ecke,und keine Spinnereien.
    In einigen hier aufgeführten Schwärmereien stehen ja wohl Bäckereien dahinter,die diese Kaufstätten beliefern,weil die backen nicht selbst.