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aus Heft 01/2013 Kino/Film/Theater 1 Kommentar

»Naturgesetze machen jede Menge Ärger«

Wie lässt man Raumschiffe, Monster und Explosionen im Kino realistisch wirken? Regisseure holen sich Rat beim Wissenschaftsberater Sean Carroll.

Von Till Krause (Interview)  Illustration: Gluekit



Ob bei »Hulk«, »Thor« oder »Illuminati« mit Tom Hanks: Wenn es im Kino besonders eindrucksvoll kracht und scheppert, waren Wissenschaftler am Werk.

SZ-Magazin: Herr Carroll, Sie sind Astrophysiker. Was genau wollen Filmemacher von Ihnen wissen?
Sean Carroll
: Ganz unterschiedliche Dinge: Wie ein Raumschiff aussehen müsste, das mit Überlichtgeschwindigkeit fliegt. Wie groß ein Komet sein müsste, damit er die Erde zerstören könnte. Oder was mit jemandem passieren würde, der vom Rand eines scheibenförmigen Planeten ins Weltall geschubst wird.

Was würde denn passieren?
Das funktioniert gar nicht: Die Schwerkraft sorgt dafür, dass man einfach auf der anderen Seite der Scheibe landen würde. Aber schon die Scheibenform ist unlogisch: Es gibt ein Phänomen namens »Hydrostatisches Gleichgewicht«, das Planeten in eine runde Form zieht.

Wie reagiert ein Drehbuchautor, wenn Sie sagen: Nette Idee mit dem Scheibenplaneten – aber wissenschaftlich ist das Unsinn?
Ich bin diplomatischer – ich sage eher: Ich habe ein paar Vorschläge, die der Story nicht schaden, aber plausibler sind. Die Sache mit dem Scheibenplaneten kam im Film Thor vor, in einer frühen Fassung des Drehbuchs. Im fertigen Film ist der Planet dann rund.

Glauben Sie wirklich, solche Fehler fallen Zuschauern auf?
Es reicht schon, wenn einer den Clip auf Youtube stellt und erklären kann, was die Filmemacher falsch gemacht haben. Dann wird ein Film schnell zur Lachnummer. Das Publikum ist viel kritischer geworden.

Wenn Sie auf solche Fehler hinweisen – fühlen Sie sich manchmal als Spielverderber?
Nein. Ich will die Ideen ja nicht kaputtreden. Mich interessiert: Was wollen Drehbuchschreiber und Regisseure erzählen? Und dann achte ich darauf, dass es innerhalb dieser Fantasiewelt halbwegs realistisch zugeht. Superman kann fliegen? Kein Problem. Aber dann sollte seine Flugbahn stimmen.

Wie schwer fällt es Ihnen, sich auf solche Gedankenspiele einzulassen?
Als Wissenschaftler frage ich immer: Welche Phänomene der Natur gibt es wirklich? Hollywood funktioniert anders, da kommt jemand daher und sagt: Hey, lasst uns einfach selbst bestimmen, was geht und was nicht. Ich muss diese innere Stimme überwinden, die ständig sagt: Eine Figur wie »Thor« mit seinem fliegenden Hammer widerspricht den Gesetzen der Physik.

Aber kein Mensch geht doch ins Kino, um physikalisch korrekte Superhelden zu sehen.
Schon klar. Aber damit eine Geschichte funktioniert, braucht es irgendwelche Gesetze, sonst wird die Handlung langweilig. Sonst könnte der Held einfach mit den Fingern schnippen, und alle Gegner sind tot und die Welt ist gerettet. Am Ende lassen sich viele Geschichten auf eine einfache Formel reduzieren: Naturgesetze machen jede Menge Ärger. Da sind sich Wissenschaft und Filme gar nicht so unähnlich. Wir machen daraus Experimente. Hollywood macht daraus Blockbuster.

Für Illuminati mit Tom Hanks mussten Sie sich überlegen, wie eine Bombe aus Antimaterie funktionieren würde. Wie gehen Sie so eine Aufgabe an?

Normalerweise würde ich Experimente machen, Fachliteratur auswerten und mit Kollegen diskutieren. Ging in diesem Fall alles nicht, denn technisch gesehen ist eine Bombe aus Antimaterie reine Fiktion. Das Material ist so schwierig herzustellen, dass man bisher nur winzige Mengen produzieren kann. Und die wären so gefährlich wie ein Streichholz.

Also berechnen Sie, was bei so einer Explosion theoretisch passieren würde?
Genau. Ich will das so präzise wie möglich hinbekommen, aber alles, was ich weiß, ist: Es würde explodieren. Aber wie genau? Mit einer Flammenwolke? Oder als heller Blitz? Also habe ich versucht zu berechnen, wie sich die Antimaterie in der Luft ausbreiten würde und welche Energien dabei freigesetzt würden. Am Ende wird das kaum ein Zuschauer merken. Aber immerhin: Die Explosion sieht anders aus als alle andere Explosionen im Kino.

Über welchen Film haben Sie sich zuletzt geärgert?
Sosehr ich den Star Trek-Film von J. J. Abrams mochte: Er hatte ein paar ziemliche Patzer. Es gibt da eine Substanz, die sogenannte rote Materie, die Planeten zum Explodieren bringen kann. Im ganzen Film geht es darum, wie man diese Materie stoppen könnte, aber man erfährt nie, was genau das für ein Material ist. Also bleibt es völlig rätselhaft, wie sich die rote Materie besiegen lässt. Da fühle ich mich irgendwie für dumm verkauft. Schau, da ist dieses magische Zeug, wir müssen es aufhalten – dann eine Verfolgungsjagd, am Ende gewinnen die Guten, fertig.

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Kommentare

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Kommentar:

  • Georg Schmidt (0) SF sind moderne Märchen-die Zeitmaschinen oder der Abstieg zum MIttelpunkt der Erde-gute Unterhaltung, teilweise, schon diese Monster von Flugmaschine , on Enterprise oder bei Star trek usw, einerseits ist Enterprise 5 Jahre unterwegs zu anderen Galaxieb, wo man dan auch schnel mal Indianer und Cowboys trifft, wo die US Fahne in der Ecke steht, wo gebeamt, was sowieso ein Ding der Unmöglichkeit ist, witzig find ich immer, die Lebenwesen aus anderen Welten, wie die alle aussehen, blaurot-gescheckt. aber der Mensch ist der Einzige intelliegente, der alles beherrscht, ausser ein paat Geistern , die sich in Materie verwandelt haben und per Gedankenklick das Universum beherrschen !