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aus Heft 04/2013 Gesundheit

Sparen oder helfen

Seite 2: Das griechische Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps

Alexandros Stefanidis  Fotos: Nikos Pilos


Das griechische Gesundheitssystem steht vor dem Kollaps. Und die Schuldenkrise beschleunigt den Zusammenbruch. Fast jedes Sparpaket, das in den vergangenen Jahren im griechischen Parlament beschlossen wurde, beschnitt die Ausgaben im Gesundheitsressort. Während die Gesundheitsausgaben im Jahr 2009 noch 14 Milliarden Euro betrugen, lagen sie im Jahr 2012 nur noch bei etwa 9,5 Milliarden. In diesem Jahr sollen sie auf Druck der Troika – bestehend aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds – noch mal gesenkt werden. In Brüssel, Frankfurt und Washington wird das als Erfolg der Sparbemühungen gefeiert. In Griechenland stürzt es die Bevölkerung in tiefe Not.

Die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung wurden in den letzten Jahren Stück für Stück zurückgeschraubt. Eine der Folgen: Selbst krebskranke Menschen, die auf teure Medikamente angewiesen sind, müssen diese in der Apotheke erst einmal selbst bezahlen. Der Staat verspricht zwar, bis zu 70 Prozent des Preises innerhalb von drei Monaten zu erstatten. Aber in der Realität warten die von ihrer Krankheit bereits Gezeichneten oft vergeblich auf die Einlösung dieses Versprechens. Meist handelt es sich um Rentner, deren Pension schon mehrmals gekürzt worden ist und die sich ihre Medi-kamente jetzt nicht mehr leisten können. Bilder bettelnder und flehender alter Menschen vor Apotheken in Athen, Thessaloniki oder Patras zeigt das griechische Fernsehen regelmäßig. Sie dienen als Warnbilder. Die Botschaft: Wenn du in diesem Land krank wirst, kannst du nur noch auf den lieben Gott hoffen.

Kiparisia Karatzidou, Oberärztin im Papageorgiou, resolut und erfahren im Umgang mit ihren Patienten, antwortet auf die Frage, ob irgendetwas gut läuft im griechischen Gesundheitssystem, zunächst mit zusammengekniffenen Augenbrauen. In etwa so, als hätte man ihr gerade einen schlechten Witz erzählt. »Nein, nichts«, sagt sie. »Ich erlebe immer mehr Patienten, die erst zu uns kommen, wenn sie keinen anderen Ausweg mehr sehen oder ihre Krankheit schon zu weit fortgeschritten ist. Etwa Asthma-, Zucker- oder Krebskranke. Ich erlebe immer mehr Patienten, vor allem Mütter mit ihren Kindern, die keine Krankenversicherung mehr haben und deshalb nur noch zu uns kommen können, weil wir in der Notaufnahme die Einzigen sind, die sie gratis behandeln. Wäre dieser Job nicht zu meiner täglichen Routine geworden, würde ich jetzt losheulen. Aber ich erspare Ihnen das.«

Von Alexandroupoli hoch im Norden Griechenlands bis hinunter zur Südspitze der Peloponnes – in den meisten griechischen Krankenhäusern geht ohne die Hilfe von außen nichts. Ärzte und Krankenschwestern bitten schon lange Verwandte und Freunde von Patienten, Verbandszeug, Tupfer oder gar Antibiotika in der Apotheke zu kaufen und dann ins Krankenhaus zu bringen, weil die Hospitäler selbst nichts mehr vorrätig haben. Ein Freund von mir, Dimitris Tsatsaris, hat sich in seinem Aluminium-Geschäft im November den Unterarm aufgerissen, die Wunde klaffte tief. Er wurde von einem Arbeitskollegen aus seinem Dorf Zacharo nach Pirgos ins mehr als 30 Kilometer entfernte Kreiskrankenhaus gefahren. Dort bat der Arzt den Kollegen, erst mal in die Apotheke zu gehen, um die Fäden zu kaufen, mit denen dann die Wunde genäht wurde.

Vasilis Pappas, der Vorstandsvorsitzende des halb staatlichen, halb privaten Papageorgiou-Krankenhauses, erklärt die Misere an einem anderen Beispiel: »Wir zahlen bis zu 40 Euro für einen Dialysefilter der deutschen Firma Fresenius, der die Kliniken in anderen europäischen Staaten, etwa in Deutschland, Frankreich oder Zypern, nur die Hälfte kostet. Warum? Weil die zuständigen griechischen Behörden die Preisvorgaben machen. Wir brauchen aber jeden Tag mindestens 90 bis 170 dieser Filter für unsere Dialysepatienten. Der höhere Preis verursacht im Jahr mehr als 700 000 Euro Mehrkosten. Ich habe mehrmals mit dem griechischen Gesundheitsministerium telefoniert, E-Mails und Briefe geschrieben. Auch an Fresenius mit dem Vorschlag, ihnen die Filter direkt abzukaufen, von mir aus auch für 20 Euro. Aber es hieß auf beiden Seiten nur, die Preise seien in Ordnung. Absurd, nicht wahr?« Pappas zieht die Schultern bis an die Ohren und breitet die Arme aus.

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Alexandros Stefandidis traf im Wartesaal auch auf Patienten, die mit Verwandten in Deutschland telefonierten – und anscheinend ihre Auswanderung planen. Zweimal hörte er die Frage: »Hast du endlich einen Job für mich gefunden?«

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