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aus Heft 47/2007 Gesellschaft/Leben Noch keine Kommentare

Was verändert sich im Alter überhaupt nicht?

Eine Einordnung. Von Rudolph Chimelli 



Ich wäre gern älter, viel älter, mehr noch, als es biologisch empfehlenswert ist. Denn dann hätte ich meine jungen Jahre vor dem Ersten Weltkrieg verbracht, in der Belle Époque, in der guten alten Zeit. Ich hätte Opern sehen können, wie deren Komponisten sie sich gedacht hatten, nicht so, wie Regisseure, die auf Originalität versessen sind, sie heute inszenieren. Im Theater hätte ich nicht erleben müssen, dass, wenn ich eigentlich den Reden Wilhelm Tells oder Hamlets lauschen wollte, der Herausgeber der Wochenzeitung Der Stürmer Julius Streicher auf der Bühne onaniert. Männer lösten damals Lebenskrisen, indem sie sich duellierten oder auf den Großen Krieg als Ausweg hofften, Frauen, indem sie dekorativ in Ohnmacht fielen. Es war eine heile Welt.
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Wer im Jahrzehnt nach ihrem Zusammenbruch geboren wurde, in Deutschland, in der Weimarer Republik, in München, für den waren die nostalgischen Reden der El-terngeneration über die noch nahe Vergangenheit ein prägendes Leitmotiv. Auf mich jedenfalls wirkte es dauerhaft. Vielleicht bin ich nie ganz und gar jung gewesen, wofür es auch andere Indizien gab: Ich spielte als Bub nicht Fußball und später nicht Tennis. Offenbar war ich von jeher fürs Altern prädestiniert. Alt zu sein schien mir sozusagen der Normalzustand des Menschen – und die Übergänge erwiesen sich als fließend. Schließlich wurde Hegel, dem ich mich sonst nicht gleichsetzen möchte, schon zu seinem 50. Geburtstag als »ehrwürdiger Greis« gefeiert. Lange merkte ich kaum, wie sich die Jahresringe ansetzten.
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