Anzeige

aus Heft 07/2013 Stars Noch keine Kommentare

»Wage etwas, aber geh nicht zu weit«

Die Kleider, die Prominente bei den Oscars tragen, werden berühmt - genau wie ihre Designer. Hier erklärt das Münchner Duo Johnny Talbot und Adrian Runhof, wie man überhaupt bis zu den Stars vordringt.

Von Tanja Rest (Interview)  Fotos: Robert Fischer



Leute machen Kleider: Große Roben zu entwerfen ist nur ein Teil des Jobs von Johnny Talbot (rechts) und Adrian Runhof. Mindestens so wichtig ist es, sie an die richtige Frau zu bringen.

SZ-Magazin: Kristen Stewart trat im Vorfeld der Oscars in einem schwarzen Abendkleid mit silberner Spitze auf. Das Foto ging im Internet um die Welt, genauso der Name des Labels: Talbot Runhof. Haben Sie eine Flasche Champagner aufgemacht?
Johnny Talbot: Normalerweise weiß man ein paar Tage vorher, dass man Chancen hat. In diesem Fall hatte ich keine Ahnung, dass sie ein Kleid aus unserer Kollektion tragen würde. Wir waren alle einfach baff.

Wie kommt man als Designer mit einem Star in Kontakt? Verschicken Sie parfümierte Briefchen?
Adrian Runhof:
Wir sollten es tun, kommen aber kaum dazu. Wir bezirzen ja auch nicht die Celebritys, sondern ihre Stylisten. Im November haben wir unsere neue Kollektion in einer Suite des »Sunset Tower Hotels« in Los Angeles vorgestellt und dazu die Stylistinnen einiger Stars eingeladen. Eine nach der anderen kam vorbei und hat sich eine Auswahl zusammengesucht. Die Stylistin von Kristen Stewart war auch da.
Talbot:
Es ist natürlich typisch L. A., du hörst tausendmal »Oh that’s so beautiful . . . amazing!« Das muss nichts bedeuten, aber diesmal waren wir zuversichtlich.

Haben Sie schon mal dafür bezahlt, dass ein Star in Talbot Runhof aufläuft?
Runhof: Nein. Bei Schmuck ist es offenbar an der Tagesordnung, bei Kleidern zum Glück noch nicht. Wobei: Wenn die Dame das Abendkleid tatsächlich anhatte, schicken viele Häuser am nächsten Tag Geschenke, also ein nettes Kostüm oder so.

Es soll nicht unüblich in der Branche sein, den Stylisten ein bisschen zu bestechen. Designer sollen schon Schönheitsoperationen versprochen haben, wenn der Star das Kleid anzieht.
Runhof
: Wir können das nicht bestätigen, aber natürlich zeigt man sich erkenntlich.

Wie denn?
Runhof: Wir schicken zum Beispiel einen tollen Blumenstrauß, eine handgeschriebene Karte. Ich habe mitgekriegt, dass Tara Swennen, die Stylistin von Kristen Stewart, Wellness-Massagen mag. Also haben wir ihr 'ne schöne Massage spendiert. Und das wird geschätzt.

An den Stylisten führt also tatsächlich kein Weg mehr vorbei?
Runhof: Wenn eine Schauspielerin einen großen Film vermarkten muss, geht sie auf 30 bis 40 Events, dafür braucht sie 30 bis 40 Kleider. Das Studio heuert einen Stylisten an, der ihr diese Klamotten besorgt. Das ist auch richtig so, weil die Leute da gut beraten werden. Es gibt kaum einen Star, der sich bei einem Termin wie den Oscars noch selbst einkleidet.
Talbot: Aber vergiss Helen Mirren nicht.
Runhof: Stimmt. Helen Mirren hat eines Tages hier bei uns in München im Laden angerufen und wollte mal was anprobieren. Wir haben ihr dann etliche Sachen geschickt, und sie hat einiges gekauft.
Talbot: Ganz down to earth. Gloria Estefan kauft auch selbst ein, bei Saks in Miami. Neulich hat sie getwittert: »Ziehe heute Abend ein tolles Kleid von Talbot Runhof an.«

Da sparen Sie sich jedenfalls schon mal die Werbekampagne.
Runhof:
Ja, aber es kann auch ins Auge gehen. Wenn der Star nicht der richtige ist und auf dem roten Teppich nicht gut rüberkommt. Da muss man aufpassen. Wir hatten viel Ärger mit den Fans von Selena Gomez – kleine Mädchen, die in South Dakota vorm Computer sitzen und sofort in sozialen Netzwerken Alarm schlagen, wenn ihnen ein Kleid nicht gefällt. Da haben wir sogar Morddrohungen bekommen.

Was hatte Miss Gomez denn an?
Runhof:
Ein sexy Mini-Paillettenkleid. Sie sah aus wie eine glamouröse erwachsene Frau, aber die Fans lieben sie als den braven Teenager, den sie in den Highschool-Filmen von Disney immer spielt. In den Blogs stand: »I wanna kill these guys!« Nur, weil wir ihr nicht so einen züchtigen rosa Tülltraum angezogen hatten. Aber das ist egal. Nicht egal ist, was die Beletage denkt, Leute wie Anna Wintour und die Einkäufer der großen Department Stores.

Haben Sie eigentlich Einfluss auf die Accessoires – damit ein elegantes Abendkleid nicht mit ordinären Schuhen oder einer albernen Clutch kombiniert wird?
Talbot:
Nicht in Amerika. Aber in Deutschland. Die Leute hier haben keinen Stylisten und glauben, dass man mit schwarzen Pumps zur Robe auf der sicheren Seite ist.
Runhof: Und das kann alles ruinieren. Manche beherzigen aber unser Motto: Wage etwas, aber geh nicht zu weit.
Talbot: Wenn du dir ne Riesenfrisur machst, spare beim Schmuck. Wenn die Schuhe im Vordergrund stehen, halte das Kleid schlicht. In Deutschland bieten wir immer uns selbst als Stylisten an.

Anzeige

Kommentare

Name:
Kommentar: