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aus Heft 07/2013 Gesundheit 28 Kommentare

Klinik unter Palmen

Seite 3: Bis es irgendwann nicht mehr ging

Von Lara Fritzsche  Fotos: Ed Kashi





In Elisabeths Zimmer hängt ein Bogen roter Bastelkarton an der Wand, der aussieht wie das Ergebnis einer Projektarbeit in der Grundschule. »Elisabeth« steht oben drüber. Neben Fotos von ihr und ihren Kindern, Schwiegersöhnen und Enkelkindern kleben gelbe Vierecke mit knappen Informationen. »Hochzeit von Sarah und BJ« steht da. Oder »Mein Garten«. Oder »Drei Töchter«. So kann sie ihre eigene Biografie lernen wie Vokabeln. Elisabeth weiß nur, was auf den gelben Vierecken steht. Bei einer Frage, die darüber hinausgeht, zuckt sie bloß die Schultern und lächelt verlegen. Dann widmet sie sich wieder ihrem Kreuzworträtsel.

Sybil Wiedmer-Rohner konnte nicht mit ansehen, wie ihre Mutter sich vergaß, diese beherrschte, stolze Frau. Aufgewachsen in Deutschland, war Elisabeth nach dem Zweiten Weltkrieg mit ihrem Mann nach Indien und Pakistan gezogen, hatte dort drei Töchter zur Welt gebracht und schon in den Fünfzigerjahren alleine Reisen nach Malaysia und Thailand unternommen. Und plötzlich wusste diese eigenständige Frau nicht mehr, ob sie beim Bäcker gewesen war oder nicht, wenn sie vom Einkaufen zurückkam. Helfen durfte man ihr auch nicht. »Sie wurde schnell sauer, wenn man sie korrigiert hat«, sagt die älteste Tochter. Sie war es, die das immer abkriegte. Sie wohnte im selben kleinen Ort, sie war schon in Rente, also häufig zu Hause, und so wurde sie die erste und einzige Ansprechpartnerin der kranken Mutter. Bis es irgendwann nicht mehr ging.

Wer das selbst erlebt hat, sagt Woodtli, der verurteilt andere Leute nicht mehr für die Wahl ihrer Betreuungsmethode. Das sei nämlich alles nicht so einfach. Als Woodtli damals seine Mutter mit nach Thailand und ins Ungewisse nahm, wurde natürlich heftig getratscht in seinem Schweizer Heimatort Münsingen. Er habe wohl keine Lust, sich selbst zu kümmern, hieß es. Als er allerdings zuvor nach dem Freitod des Vaters bei der Mutter eingezogen war, hatten sie auch getratscht: Komischer Typ sei er, keine Frau, obwohl schon 40, und jetzt pflege er selbst seine Mutter, als Mann. Wie solle das denn gehen? Aber so etwas irritiert Woodtli nicht. Er sei ein pragmatischer Mensch, sagt er, der sich in dieser Situation einfach ein paar pragmatische Fragen gestellt habe. Hat seine Mutter ihre Heimat geliebt? Ja. Sollte man jemanden, der sowieso gerade all seine Gewissheiten verliert, auch noch aus seiner vertrauten Umgebung reißen? Vielleicht nicht. Aber wäre seine Mutter in einem Schweizer Altenheim, womöglich vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln, glücklich geworden? Nein. Hätte er sie alleine pflegen können und wollen? Nein. Na also.

Öffentlich redet kaum jemand darüber, was für eine Belastung die Pflege eines dementen Menschen ist. Niemand will als Rabenkind dastehen, das keinen Bock mehr auf die eigenen Eltern hat. Nur wenige sprechen aus, was die Journalistin Martina Rosenberg in ihrem kürzlich erschienenen Buch Mutter, wann stirbst du endlich? beschreibt: die Unerträglichkeit, mit einer dauernden Überforderung zu leben, in Rosenbergs Fall durch die Alzheimer-Erkrankung ihrer Mutter und die Depressionen ihres Vaters. Das klingt zunächst nicht nach einer sympathischen Erzählerin, am Ende jedoch versteht man ihre Verzweiflung. Und beginnt sich vielleicht selbst ein paar Fragen zu stellen: Was würde man selbst machen in so einer Situation? Den Job kündigen, um mehr Zeit für die Eltern zu haben? Das Kind vernachlässigen über den Pflegepflichten? Auf Abende mit dem Partner verzichten? Freunde vertrösten, und zwar dauernd? Martina Rosenberg, die mit ihren kranken Eltern unter einem Dach lebte, hat schließlich ein eigenes Haus gebaut, nur um einen Grund zu haben, endlich räumliche Distanz zu schaffen. Sie hat den Pflegerinnen verboten, ständig bei ihr mit Gesundheits-Updates anzurufen. Sie hat den Kontakt reduziert. Dann wurde es besser.

Auch Sybil Wiedmer-Rohner und ihre zwei Schwestern haben die für sie beste Lösung gefunden. Jede von ihnen ist einmal im Jahr bei der Mutter in Thailand. Ein, zwei Wochen bleiben sie dann meistens, übernachten in einem Hotel in der Nähe und kommen jeden Morgen in das Haus, in dem ihre Mutter jetzt lebt. Und jeden Morgen freut sich Elisabeth aufs Neue über den überraschenden Besuch. Dass der schon tags zuvor da war, weiß sie nicht mehr. Wenn man sie fragt, wie oft ihre Töchter in Thailand sind, sagt sie voller Überzeugung: »Ständig.«
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Kommentare

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  • Hans-Jörg Jäger (0) Da zeigt es sich auch ganz klar, dass es halt doch eine gewisse Anpassung braucht im Ausland, und mit eine wenig Toleranz kommt man immer weiter.
  • Hans-Jörg Jäger (0) Ach ich könnte noch viel schreiben, aber einen Hinweis gebe ich Ihnen noch, der Film wurde fortgesetzt und wird gegenwärtig überall ausgestrahlt, er heisst Oma bleibt in Thailand.
  • Hans-Jörg Jäger (0) Wissen Sie auch warum? Der Staat will das Geld selber verdienen, den letzten Euro rauspressen, und dann ist gut! Wir wissen alle, dass die Gemeindewerke nicht Freude haben an unserem tun hier in Thailand, denn diese Geld, geht alles am Staate vorbei, und ich weiss, zum Wohle des Einzelnen. Die Gäste haben es gut hier in Thailand, und was zählt den am Schluss oder gegen den Schluss mehr als Zuneigung, Freundlichkeit das Wissen das man umsorgt ist? Im Gegensatz zur kalten Atmosphäre eines Altersheimes in Europa, wo Niemand mehr Zeit hat? Ein Gast bei uns, kein Pflegefall! Sagt ganz klar, hier in Thailand sehe Sie Ihre Verwandten mehr, als vorher wo Sie nur 20 km von Ihnen weg gewohnt habe, denn hier kommen diese Sie besuchen, und zwar nicht nur eine Viertelstunde sondern Tage!
  • Hans-Jörg Jäger (0) Mit einem Lächeln habe ich die Zeilen von Herrn Schmidt gelesen. Neid, Missgunst, eigenes Scheitern im Leben, so sehe ich die Kommentare von Ihnen Herr Schmidt! Ist schade, dass man das Leben nur mit dieser Brille sieht. Sitzen Sie doch mal auf die andere Seite des Tisches, auf die der Betroffenen! Da sieht dass alles ganz anders aus! Auch wir begleiten eine Demenzkranke hier bei uns. Ihr Mann hatte Sie gepflegt, bis kurz vor Seinem Zusammenbruch, hätte Er nicht eine Lösung angestrebt, wäre auch Er über kurz oder lang zum Pflegefall geworden! Denn in Deutschland hat hm Niemand geholfen! Seine Frau ist hier bei uns sehr gut aufgehoben, wie die Gäste auch in Chiang Mai bei Herrn Woodtli bestens aufgehoben sind! Nun bitte ich Sie Herr Schmidt, mal auf die Stirnseite des Tisches zu sitzen, als Betreiber einer solchen Institution. Haben Sie das Gefühl, wir hätten das nicht auch liebend gerne in Europa gemacht, was wir hier machen, wir mit unserer Seniorenresidenz, Herr Woodtli und andere mit Demenzstätten? Doch der Staat macht solche Vorschriften, dass es ja gar nicht mehr möglich ist, sowas in Europa auf die Beine zu stellen!
  • Georg Schmidt (0) schade, dass man dieses Thema nicht mehr weiter verfolgt!
  • Georg Schmidt (0) gerade läuft im HR3 : Oma will nach Thailand-einfach erschreckend-!
  • Georg Schmidt (0) 2.700? im Monat ist in Thailand schon ein Vermögen, in einem Land, wo deutsche Rentner mit unter 500e bequem leben können, mit Putzfrau und Freundin ( deutsch) bei 12 Personen sind das im Moant über 30.000? , ich würde gern mal das Haushaltsbuch sehen-natrürlcih bezahlen nicht die Verwandten , sondern die Patienten selber, die beziehen ja eine Rente und sicher den einen oder anderen Cent gespart, vielleicht auch ein Häuschen in D oder so, naja!
  • Georg Schmidt (0) PS zu 90% dort gearbeitet, 10% Privat ! die Höhe meiner Kosten, die ich verursache ist nicht relevant, meine Krebserkrankung dürfte sich bis jetzt auf 100.000? belaufen und wird weiter steigen, alle Länder unterscheiden sich-naja-so toll ist das nicht, hab ich wenigstens so empfunden, vor allem dieses ewige Lächeln-was allerdings eh nur Makalatur ist und seien wir ehrlich-im Prinzip sind die Menschen alle gleich-es gibt Gute und nicht so Gute-Leute, die es ehrlcih meinen und andere, dies nicht so genau nehmen !
  • Georg Schmidt (0) Indonesien-Malaysia-Vietnam-Thailand-Phillippinen-China-Taiwan !
  • Rudolf Aigner (0) Hallo Herr Schmidt, Ihre Annahme, dass es nix kostet nur weil es die KK zahlt ist sehr naiv. Sie erfahren nur leider nicht die Hoehe der Rechnungen die sie verursachten. Das gilt auch fuer Ihren Hinweis zu den 10 Euro Kosten fuer das Krankenhaus. Sind sie wirklich so naiv?

    Warum reden Sie von Indonesien, wenn es um Thailand geht? Bestimmt wuerden Sie Deutschland nicht mit z.Bsp. Rumaenien vergleichen, oder ganz Europa ueber einen Kamm scheren, also bitte nicht Aepfel mit Birnen in einen Korb werfen. Asien teilt sich in viele Laender auf, die sich alle unterscheiden.

    Sie meinen wahrscheinlich das Dengue Fieber?

    Schade, dass Sie so einen negativen Blick in Richtung Asien haben. Waren Sie ueberhaupt schon mal in Thailand?
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