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aus Heft 51/2007 Familie Noch keine Kommentare

Entstehungsgeschichten

Seite 2

Von Bastian Obermayer (Protokolle) 




Meine Mutter sagte, dass niemand wisse, in welchem Alter man das einem Kind sagen sollte. Bisher hätte sie mich für zu jung gehalten. »Von wegen«, dachte ich, ich fand mich ja schon ganz schön alt, und: »Das muss ich meiner besten Freundin erzählen! Wer weiß es denn schon?« Meine Mutter sagte, sie hätten es nur ganz wenigen gesagt, ich dürfte es aber natürlich jedem erzählen, den ich wirklich gut kenne.
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Mit meinem Vater habe ich zwar über die Samenspende gesprochen, aber nie darüber, was das eigentlich für ihn bedeutete. Obwohl mich das sehr interessieren würde. Ich glaube, es fällt ihm schwer, darüber zu reden. Ich habe nie ausgesprochen, dass er mein Vater bleibt, das stand für mich nicht in Frage.

Aber mit der Zeit wurde mir auch immer klarer: Ich will wissen, wer Heinrich ist. Ich erhoffe mir keinen Ersatzvater, ich habe einen Vater. Trotzdem, da ist einfach eine Lücke, die ich schließen möchte. Im Mai dieses Jahres fuhr ich in die Klinik in Essen und sagte: »Hallo, ich bin vor 23 Jahren hier entstanden.« Die Ärzte waren so lange verständnisvoll, bis ich sagte, ich wolle wissen, wer mein Vater ist. Der Arzt, der meine Eltern damals behandelte, meinte, ich hätte ja einen sozialen Vater, es sei doch alles in Ordnung.

Ich verstehe, dass die Ärzte in einer blöden Situation sind. Von der einen Seite drängt die erste Generation von Spender-Kindern. Auf der anderen Seite stehen die Spender, denen Anonymität versprochen wurde. Aber die Zeiten haben sich geändert. Das Recht auf Kenntnis der Herkunft steht seit 1989 sogar im Gesetz.
Ich finde, die Ärzte könnten jetzt als Mittler auftreten. Und in Zukunft sollten sie mit den Spendern auch über Verantwortung sprechen und nicht nur hundert Euro hinlegen. Ich will nicht anklagen, ich will nur, dass die Bedürfnisse aller Betroffenen anerkannt werden. Es macht mich wütend und traurig, wenn ich merke, dass die verantwortlichen Ärzte meinen Wunsch nicht ernst nehmen. Ich möchte wissen, wer mein Erzeuger ist. Anne, 23 Jahre 

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: »Gott sei Dank habe ich von meinem Vater keine Gene, dachte ich mir.«)

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