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aus Heft 05/2014 Technik

All inklusiv

Seite 2: »Es ist eben ein Kindheitstraum.«

Till Krause  Fotos: Thomas Rusch, Michael Najjar

 
7. DEZEMBER 2012, SWJOSDNY GRODOK, RUSSLAND

Hobby-Astronauten, die es ernst meinen, landen alle an einem Ort - Swjosdny Gorodok, auf deutsch: Sternenstädtchen, ein Trainingslager für Kosmonauten in Zentralrussland. Am Eingang grüßt eine Statue von Juri Gagarin, der hier trainiert hat und 1961 der erste Mensch im Weltraum war. Najjar hat sich für einige Tage einquartiert, um ein paar Fragen zu klären: Wie verkraftet man die vierfache Erdanziehungskraft, die einen beim Start in den Sitz des Raumschiffs drückt? Und: Wie fotogra-fiert man in der Schwerelosigkeit? Die erste Lektion: »Man muss über alles diskutieren«, sagt Najjar, denn er hat ausgefallene Wünsche. Er will im Raumanzug in einem zwölf Meter tiefen Becken tauchen, in dem eine Nachbildung eines Teils der Raumfähre ISS versenkt ist. Najjar übt das Ein- und Aussteigen, auch wenn er das für seinen Flug gar nicht braucht. Aber es entstehen Fotos, die aussehen, als würde Najjar schweben.

12. DEZEMBER 2012, NISCHNI NOWGOROD, RUSSLAND

Najjar mag die Russen, sie sind pragmatisch. Er hat einen Flug in einem Kampfjet gebucht, »sie lassen einen problemlos mitfliegen, wenn man fit ist und zahlt«. Eine Kamera filmt ihn auf dem Copilotensitz, seinen dreifachen Looping, den Moment, als er bei 1300 km/h die Schallmauer durchbricht. Sein Kommentar: »Die krasseste körperliche Belastung meines Lebens - aber irre faszinierend.«

AUGUST 2013, KÖLN

Einen besseren Probanden als Najjar finden sie im Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin selten. Er nimmt an einer Studie teil, die die Blutgerinnung bei erhöhter Schwerkraft untersucht, um bei künftigen Amateur-Astronauten Thrombosen zu verhindern. Auch hier geht man davon aus, dass der Weltraum-Tourismus ein großes Geschäft wird, an dem Forscher und Ärzte mitverdienen wollen. Najjar ist nach Köln gekommen, um sich in einer Zentrifuge herumschleudern zu lassen, dabei nehmen Ärzte Blut ab, um es für ihre Studie zu analysieren. Er wird mit jeder Drehung bleicher, lacht aber, wie einer, der eine Dauerkarte für die Achterbahn gewonnen hat. Mittags isst er einen großen Teller Pommes.

OKTOBER 2013, GAGARIN-TRAININGSCENTER, RUSSLAND

Das Flugzeug, in dem Najjar für die Schwerelosigkeit trainiert, hat den Spitznamen »Vomit Comet«, Kotzkomet. Es fliegt in Wellen; sobald es aufsteigt, beginnt an Bord eine etwa dreißigsekündige Phase von Schwerelosigkeit. Najjar versucht zu fotografieren, aber es dreht ihn um die eigene Achse. Was er gelernt hat: »Bei der Kamera das Objektiv zu wechseln ist in der Schwerelosigkeit fast unmöglich.«

DEZEMBER 2013, MÜNCHEN

Najjar ist bester Laune, als er von seinem letzten Treffen mit Richard Branson erzählt: Die Raumschiffe seien fast fertig, im Sommer will Branson den Jungfernflug bestreiten, zusammen mit seinen Kindern. Die Technik macht noch ein paar kleine Probleme, aber mehr Sorgen bereiten die Genehmigungen. Weltraumtourismus ist bürokratisches Neuland. Die Raumschiffe gelten offiziell als Raketen und werden langwierig vom US-Verteidigungsministerium geprüft, sagt Najjar. Zum Abschied die wichtigste Frage: Warum tut er sich das alles an? Die Warterei, das Training, die Bürokratie? Najjar überlegt, grinst, und sagt: »Es ist eben ein Kindheitstraum.« Dann holt er ein Foto vom Zimmer seines kleinen Sohnes hervor. An die Wand hat Najjar ein drei Meter großes Bild gemalt. Es zeigt einen Astronauten.

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Till Krause hat viel Zeit mit Michael Najjar verbracht - und sich vom Weltraum-Fieber anstecken lassen. Unser Redakteur würde auch sehr gern ins All fliegen - aber leider hat er bisher niemanden gefunden, der ihm die Reise bezahlt.

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