Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 19°
Anzeige
Anzeige

aus Heft 40/2014 Wissen

Gute Mine, böses Spiel

Seite 3: »Einige Firmen rennen uns schon die Türen ein«

Till Krause  Illustration: Luca Schenardi

Ute Krämer betreibt in Deutschland eines der größten Experimente mit Pflanzen, die Schwermetalle aus dem Boden holen können. Die Professorin für Pflanzenphysiologie an der Universität Bochum interessiert sich dabei vor allem für Cadmium - einen Giftstoff, der in Deutschland besonders oft vorkommt.

Und, das ist den Forschern wichtig: Es könnte auch ein effektives Mittel gegen die Armut sein. Denn Phytomining klappt dort besonders gut, wo sonst kaum etwas wächst – und wo sich auch normale Minen nicht lohnen: In abgelegenen Gebieten, im Regenwald (der für Minen erst abgeholzt werden müsste) oder auf Böden, deren Metallgehalt für Schürfverfahren zu gering ist. »Bei den aktuellen Rohstoffpreisen ist Phytomining schon ab 0,1 Prozent Nickelkonzentration im Boden rentabel«, sagt Rufus Chaney. Bei traditionellen Verfahren braucht es zehnmal so viel.

Für Ute Krämer, die Professorin aus Bochum, geht es nicht um Geld. Alan Baker war einer der Betreuer ihrer Doktorarbeit, sie kennen sich ganz gut, aber im Gegensatz zu ihm interessiert sie sich einfach nicht fürs Geschäft. »Wir betreiben Grundlagenforschung, um die wirtschaftliche Anwendung müssen sich andere kümmern.« Bisher ist die Szene der Forscher, die sich mit Hyperakkumulatoren befassen, recht klein, vielleicht zwanzig Arbeitsgruppen weltweit, schätzt Krämer, die meisten unterfinanziert.

Und auch in Deutschland fehlt das Geld. Hier wird vor allem an der Staubsaugerfunktion der Pflanzen geforscht. Ein möglicher Einsatz: die in Deutschland besonders hohe Cadmiumbelastung der Böden. In ehemaligen Industriegebieten an der Ruhr und im Harzgebirge sind ganze Landstriche verseucht, landesweit sind rund drei Prozent der Nutzfläche unbrauchbar. Und auf zwanzig Prozent der Böden in Deutschland ist der Schwermetallanteil zu hoch für sicheren Anbau von Nahrungsmitteln, schätzt Krämer – ein Erbe der Industrie und des Düngens mit cadmiumhaltigem Phosphatdünger. Große Firmen in Deutschland haben bisher aber so gut wie kein Interesse, die Forschung an Hyperakkumulatoren zu fördern, sagt Krämer. »Deutschland hat kaum Gesetze, die den Verursacher von Umweltverschmutzung zum Saubermachen zwingen.« Deshalb gibt es hierzulande keinen Markt für Produkte, die große Ackerflächen von Bodengiften befreien – anders als in den USA. Wer dort eine Mine betreibt, muss sich auch um die zurückgelassenen Böden kümmern. Daher kann man dort mit Phytomining doppelt verdienen: mit dem Saubermachen der Böden – und dem Verkauf der dabei gewonnenen Erze.

Und jetzt, wo der Ablauf des Patents in greifbare Nähe rückt, interessieren sich auch Firmen wieder für Phytomining. Im Juli dieses Jahres fand in Brisbane, Australien, die bisher größte Konferenz zu diesem Thema statt. Auch Baker und Chaney waren dort, als gefeierte Veteranen des Fachs, und haben Vorträge über ihre dreißig Jahre lange Erfahrung gehalten. Das Ziel: einen neuen Sponsor zu finden. »Einige Firmen rennen uns schon die Türen ein«, sagt Baker. Diesmal wollen sie sich genauer anschauen, mit wem sie zusammenarbeiten. Und neue Patente geben sie nicht mehr aus der Hand.
Anzeige



Seite 1 2 3

Till Krause hat die Forscher gefragt, ob sich per Phytomining auch Edelmetalle aus dem Boden holen lassen. Und tatsächlich: Gold kann so gewonnen werden - wenn auch mit viel Aufwand und in kaum rentablen Mengen. Ein neuseeländischer Wissenschaftler hat herausgefunden, dass das mit der Senfpflanze am besten klappen würde.

  • Wissen

    Kleiner Star

    Der Fadenwurm fristete ein Dasein im Verborgenen. Dann entdeckte ihn die Wissenschaft – und lernte an ihm das Leben zu ergründen. Inzwischen hat das Tierchen drei Nobelpreise errungen.

    Von Roland Schulz
  • Anzeige
    Wissen

    Wird dieses Faultier die Menschheit retten?

    Antibiotika-Resistenzen sind die große medizinische Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Weil sich Bakterienkiller kaum im Labor züchten lassen, suchen Forscher an den ungewöhnlichsten Orten nach ihnen: in Faultier-Fellen – und in den Bärten urbaner Hipster.

    Von Oliver Beckhoff
  • Wissen

    Die Gene sagen alles

    Ein deutscher Professor hat die DNS-Analyse so entwickelt, dass Täter schneller entdeckt und Unschuldige entlastet werden. In Deutschland ist die Methode bislang verboten - denn wohin würde sie führen?

    Von Till Hein