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Neue Fotografie 04. Dezember 2014

Letzte Runde

Sina Pousset (Interview)  Fotos: Itje Kleinert alias Käthe deKoe

Noch einmal wird im Atomic Café Silvester gefeiert, dann schließt die Münchner Institution endgültig. Die junge Fotografin Käthe deKoe hat in zehn Jahren über hundert Konzerte besucht und mit der Kamera festgehalten - ein Blick hinter den Glitzervorhang.



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Name:
Itje Kleinert alias Käthe deKoe
Geboren: München, Deutschland
Ausbildung: Veranstaltungskauffrau
Webseite:
www.kaethedekoe.com/


SZ-Magazin: Frau Kleinert,  der Pachtvertrag des Atomic wurde gerade überraschend bis Ende des Jahres verlängert. Freuen Sie sich?
Itje Kleinert:
Dass das Atomic jetzt noch nicht schließt, ist sehr schön, aber auch sehr aufreibend. Wir haben alle schon angefangen, Abschied zu nehmen. Die letzte Woche war tränenreich. Aber die Zeit bis Neujahr werden wir natürlich besonders genießen. Ich freue mich vor allem darauf, im Atomic noch mal Weihnachten zu feiern - so wird es ein runder Abschied.  

Sie haben über 100 Konzerte im Atomic besucht und Künstler aus der ganzen Welt fotografiert. Welcher Abend ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Das erste Konzert von Mumford & Sons. Das war eine totale Überraschung. Sie waren damals noch völlig unbekannt. Als sie auf der Bühne standen und anfingen, zu spielen, hat uns das völlig umgehauen. So ist das bei einem guten Konzert: Man vergisst alles um sich herum.

Wie kamen Sie zur Konzertfotografie? Als ich vor zehn Jahren anfing, zu fotografieren, steckte ich in einer tiefen Krise. Die Fotografie war für mich ein Weg aus der Depression. Durch das Atomic ist die Idee entstanden: Da Musik meine Hauptleidenschaft ist und ich es schade fand, dass es von vielen Bands keine guten Fotos gibt, habe ich angefangen, die Konzerte zu fotografieren, auf die ich ging. Die Kamera gab mir dabei Sicherheit; hinter ihr konnte ich mich verstecken.

Was macht ein gutes Konzertfoto aus?
Mir geht es, anders als vielen Konzertfotografen, nicht um den Wiedererkennungswert, sondern darum, dass die Gefühle der Musiker und die Leidenschaft hinter der Musik zu sehen sind. Ein gutes Foto muss die Stimmung wiedergeben, von diesem einem Abend, an genau diesem Ort. Das Drumherum ist mir nicht so wichtig, ich will wissen, was auf der Bühne passiert.  

Wenn am 31. Dezember das Atomic schließt, geht für Sie eine Ära zu Ende. Werden Sie mit der Konzertfotografie weitermachen?
Das Atomic war wie ein zweites Wohnzimmer für mich, der Geschäftsführer Christian Heine ein großer Förderer. So wird es das natürlich nie wieder geben. Ich würde wahnsinnig gerne weiter machen, aber mittlerweile ist es ein großer Konkurrenzkampf geworden. Am liebsten würde ich mir als nächstes meinen größten Wunsch erfüllen – einmal mit einer Band gemeinsam auf Tour gehen.

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