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aus Heft 02/2008 Grüne Themen/Ökologie

Es ist alles meine Schuld!

Seite 2

Johannes Waechter 

Am Kleiderschrank fällt mir eine Studie der britischen Textilfirma Marks & Spencer ein, in deren Rahmen die CO2-Bilanz eines T-Shirts untersucht wurde. Zahlreiche Faktoren gilt es hier zu bedenken: Produktion der Baumwolle, Transport in die Fabrik, Herstellung des T-Shirts, Verschiffung nach Europa. Im Laden angekommen, hat ein T-Shirt bereits drei Kilogramm CO2 verursacht. Doch dann geht es erst richtig los: Erheblich mehr Energie als für Produktion und Transport wird darauf verwendet, das Kleidungsstück zu waschen und zu trocknen. Ich greife zu einem dunkelblauen T-Shirt, das ich vor zwölf Jahren geschenkt bekam und gern trage. Der aufgedruckte Schriftzug ist kaum noch zu entziffern, doch ansonsten ist das Hemd nach mindestens 250 Waschgängen erstaunlich gut erhalten. Analog zur Marks-&-Spencer-Studie überschlage ich den CO2-Effekt meines T-Shirts und komme auf Emissionen von deutlich über einem Zentner Kohlendioxid.

Das Brot, das ich zum Frühstück esse, stammt von der Hofpfisterei, einer Münchner Bäckerei, die engagiertes Umweltmanagement betreibt. 80 Prozent des Getreides wird bei bayerischen Öko-Bauern gekauft, und auf der Homepage kann eine Umweltbilanz heruntergeladen werden, in der die CO2-Emissionen je Kilo Brot zu finden sind. Meine beiden Scheiben »Öko-Sonne« (92 Gramm) waren demnach für 28 Gramm Kohlendioxid verantwortlich. Bei der Schadensanalyse des Käsebelags lasse ich außer Acht, dass mein alter Kühlschrank viel Strom verbraucht, denn der Käse ist schon problematisch genug. Weil Kühe viel fressen und beim Wiederkäuen Methangas abgeben, haben Rindfleisch und Milchprodukte ein hohes Treibhauspotenzial. 72 Gramm Käse – wie auf meinem Brot – sind durchschnittlich für 612 Gramm Treibhausgase verantwortlich, das 8,5-fache des Eigengewichts.
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Nach diesen morgendlichen Emissionen müsste ich eigentlich zu Fuß ins Büro gehen. Abgesehen davon, dass mir elf Kilometer zu weit sind, wäre so eine Wanderung nicht unbedingt klimafreundlich, wie der britische Autor Chris Goodall in seinem Buch How to live a low-carbon life betont. »Gehen ist keine CO2-neutrale Tätigkeit, da wir uns mittels Nahrung Energie zuführen müssen, um von einem Ort zum nächsten zu gelangen.« Stärkt man sich also nach einer Wanderung mit eingeflogenen Mangos und Papayas, kostet das mehr CO2, als durch die vermiedene Fahrt gespart wird. Ich beschließe, mit dem Auto zum Bahnhof und weiter mit der U-Bahn zu fahren. Unten werfe ich eine Tüte Biomüll in die Braune Tonne, deren Inhalt im Lauf der Woche zur Kompostierung ins rund zwanzig Kilometer entfernte Kirchstockach gefahren werden wird.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "So gelange ich mit Emissionen von gut zwanzig Gramm zum Marienplatz.")
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