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aus Heft 02/2008 Grüne Themen/Ökologie

Es ist alles meine Schuld!

Seite 3

Johannes Waechter 

Bis zum U-Bahnhof sind es 3,3 Kilometer. Pro Kilometer bläst mein Wagen 175 Gramm CO2 aus dem Auspuff. Doch das ist ein Durchschnittswert. Auf den ersten Kilometern, wenn der Motor noch kalt ist, liegen Treibstoffverbrauch und damit auch Schadstoffausstoß höher. Radio und Heckscheibenheizung tragen ebenfalls dazu bei, dass die Bilanz der kurzen Fahrt bei einem Kilo CO2 oder mehr liegen dürfte. Anders die U-Bahn: Der Zug der neuen, sparsamen C-Reihe ist voll besetzt, pro Person werden nur 4,2 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen. So gelange ich mit Emissionen von gut zwanzig Gramm zum Marienplatz.

Im Büro schalte ich den Computer an und starte den Browser. Wie viel Strom verbraucht eigentlich das Internet? Man schätzt, dass 1,8 Prozent des weltweiten Strombedarfs dazu dient, die vielen tausend Rechenzentren zu betreiben und zu kühlen, auf denen Millionen von Webseiten zum Aufruf bereitstehen. Die Umweltbehörde der USA ermittelte, dass der Strombedarf der Webserver in den USA im Jahr 2006 bei 61 Milliarden Kilowattstunden lag. Gleichwohl ist es schwierig, den Stromverbrauch eines einzelnen Surfers herauszufinden. Wie viele Schadstoffe produziere ich mit einer Anfrage bei Google, wie viele mit dem Aufruf von www.sz-magazin.de? Sicher ist, dass alles, was ich im Netz tue, einen Klimaeffekt hat, und dass ich den Stromverbrauch meines Computers noch hinzuaddieren muss. Läuft dieser bei Volllast, so verbraucht er in zwei Stunden und zwölf Minuten eine Kilowattstunde Strom.
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Mittags hole ich mir eine Tasse Kaffee aus der Redaktionsküche. Auf der Packung steht, die Bohnen kämen »aus den besten Anbaugebieten der Welt«. Leider liegen
diese fern von Bayern. Für Transport und Verarbeitung ihrer Produkte wendet die Nahrungsindustrie enorme Mengen an Energie auf. In der CO2-Bilanz des Durchschnittsbürgers schlagen die beim Lebensmittelkauf indirekt verursachten Emissionen pro Jahr mit einer Tonne zu Buche. Besonders klimaschädlich sind mit dem Flugzeug angelieferte Waren sowie Tiefkühlkost. Der Kaffee gelangte jedoch per Schiff nach Europa. Rainer Grießhammer, Autor des Ratgebers Der Klima-Knigge, zieht ein überraschendes Fazit: »Zum Erwärmen des Wasser ist mehr Energie nötig als für Herstellung und Transport des Kaffees.«

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: "Mit einem Glas Bier – von einer bayerischen Brauerei aus heimischen Rohstoffen hergestellt – versuche ich meine Ökobilanz zu verbessern.")
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