Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München
Anzeige
Anzeige

aus Heft 02/2008 Wirtschaft/Finanzen

Ein Land baut auf Sand

Aida Edemariam 

Der Ölsand von Kanada hat jahrelang niemanden interessiert, es war einfach zu teuer, das Öl zu isolieren. Aber seit die Benzinpreise explodieren, ist der Sand Milliarden wert. Das Städtchen Fort McMurray erlebt einen ungeahnten Goldrausch – und der bringt zugleich Reichtum und Elend.

Anzeige
Man muss nur einmal kurz die Hauptstraße runterlaufen, um zu sehen, was Fort McMurray ausmacht: Man kommt am »Boomtown Casino« vorbei, an Ladenzeilen und an einem Club namens »Cowboys«, der stolz mit der »Nacht der wilden Schulmädchen« wirbt. Dann die Polizeistation der Royal Canadian Mounted Police, die städti-schen Verwaltungsgebäude, das »Oil Sands Hotel« und die »Diggers Bar«, die »exotic dancers« im Angebot hat. Unzählige Geländewagen rauschen vorbei – einer aufgemotzter als der andere, viele mit getrocknetem Schlamm bedeckt, fast alle mit Allradantrieb. Mit denen kann man über das unwegsame Gelände rasen, das von der Hauptstraße aus zu sehen ist. Und wenn der Wind aus Nordwesten weht, kann man das Öl riechen: ein schwerer, säuerlicher Geruch, unverwechselbar. Hier in der Gegend nennt man ihn den Duft des Geldes.

Nachdem die Lage im Nahen Osten immer unsicherer wird und der Irak im Chaos versinkt, werden Orte zu Zentren der Ölförderung, von denen man es nicht erwartet hätte. Fort McMurray, fünf Stunden Autofahrt nördlich von Edmonton in Alberta gelegen, war immer ein Ort der Pioniere. Schon bevor die ersten weißen Pelzjäger kamen, wussten die indianischen Ureinwohner, dass es hier Öl gibt; sie benutzten es, um ihre Kanus wasserdicht zu machen. Das Problem: Es handelt sich nicht um normales Rohöl, sondern um Teersand, auch als Ölsand bekannt, eine Mischung aus Sand, Wasser und schwerem Rohöl. Das macht die Gewinnung kompliziert und teuer: Ungefähr 26 kanadische Dollar (27 US-Dollar) kostet die Produktion pro Barrel (158,98 Liter). Als diese Summe noch etwa dem Ölpreis entsprach, hatte die Art der Förderung natürlich keinen Sinn. Doch jetzt, da der Preis bei rund hundert Dollar pro Barrel liegt, sieht die Sache ganz anders aus.
Anzeige
Jahrelang bearbeiteten nur zwei Firmen die Ölsandfelder von Athabasca, die sich über 141 000 Quadratkilometer erstrecken. Heute sind sieben Firmen ansässig, allein Shell plant, irgendwann 500 000 Barrel täglich zu fördern. Alle Unternehmen zusammengenommen sind es zurzeit insgesamt 1,2 Millionen Barrel am Tag. Es sollen 3,5 Millionen werden, sobald alle Anlagen laufen (vier der sieben Firmen stecken noch in den Vorbereitungen). In den nächsten 15 Jahren wollen die Unternehmen 100 Milliarden Dollar in die Gegend investieren.

(Lesen Sie auf der nächsten Seite: Durchschnittsalter: 31. Durchschnittseinkommen: 135 000 Dollar)
  • Wirtschaft/Finanzen

    Elender Haufen

    Deutschland ist Europas zweitgrößter Wassersünder. Schuld ist die Gülle. Weil viele Bauern nicht mehr wissen, wohin damit, hat sich ein regelrechtes Gülle-Business entwickelt - mit bösen Folgen.

    Von Fritz Zimmermann
  • Anzeige
    Wirtschaft/Finanzen

    Paranoia als Erfolgsgarant

    Er leitet einen der größten Medienkonzerne Europas: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, hält Verfolgungswahn für eine gute Triebfeder. Im Interview spricht er auch über zuletzt gescheiterte Projekte und seine Freundschaft zu Friede Springer.

    Von Lorenz Wagner
  • Wirtschaft/Finanzen

    Was habe ich nur falsch geyacht?

    Habe ich noch eine Chance, reich zu werden, fragt sich unsere Autorin anhand der Enthüllungen zu Briefkastenfirmen und Steueroasen. Doch leider fehlt ihr dafür eine genetische Voraussetzung.

    Von Nataly Bleuel