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aus Heft 12/2015 Wirtschaft/Finanzen

Blühendes Geschäft

Von Patrick Bauer  Fotos: Daniel Delang

Die Geranie ist die deutscheste aller Blumen. Dabei hat sie einen abenteuerlichen Migrationshintergrund.



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VORGESCHICHTE


Als er sie das erste Mal sieht, am Fuße des Tafelbergs, ist sie eine von vielen. Aber sie fällt ihm gleich auf. Wir schreiben das Jahr 1672. So kam sie zu uns.
Paul Hermann ist in Eile. Nur zehn Tage dauert der Aufenthalt am Kap der Guten Hoffnung. Zehn Tage, um Vorräte zu beschaffen und die Kranken zu versorgen. Etliche Männer sind verendet auf der viermonatigen Überfahrt von der friesischen Insel Texel, er hatte ihnen nicht helfen können. Und als er dieses Schiff des Todes endlich verlassen kann, da findet er sie – das blühende Leben.

Es ist kein Zufall. Paul Hermann, 26 Jahre alt, geboren in Halle an der Saale, zu Hause an der Universität im niederländischen Leiden, hat sich auf diese verfluchte Reise gemacht, weil er nicht nur Doktor der Medizin ist, sondern auch Botaniker. Die Niederländische Ostindien-Kompanie hatte einen Arzt gesucht, der in Ceylon, heute Sri Lanka, verhindern sollte, dass die Mitarbeiter in der tropischen Hitze krepieren. Und Paul Hermann hatte nach einer Möglichkeit gesucht, die Pflanzenvielfalt unter der tropischen Sonne zu erkunden. Schon der Zwischenstopp am Südende Afrikas überwältigt ihn.

Der Tafelberg, bewuchert von grotesken Bäumen, erhebt sich aus einem Blütenmeer. Gladiolen, blaue Lobelien, die schlohweiße Zimmercalla. Bis das Schiff ablegt, hat Paul Hermann 800 bis dahin unbekannte Gewächse gefunden. In den zehn Tagen am Kap sammelt Hermann, was wir bis heute in Gärten und auf Balkonen pflanzen.

Sie ist etwas Besonderes inmitten des Besonderen. Bis zu zwei Meter hoch, ihre Blüten lassen die Hänge, durch die Paul Hermann schreitet, purpurn leuchten. Es gibt bis zu 280 Pelargonienarten, allein fünfzig davon um Kapstadt. Die Königin wird später Pelargonium cucullatum genannt, sie hat nicht viel gemein mit jenen Pflanzen, die wir heute Pelargonien nennen. Wir nennen sie ja nicht mal Pelargonien, wir nennen sie: Geranien. Geranien, das sind kurz geratene Hybride der Pelargonium peltatum, hängend, oder der Pelargonium zonale, aufrecht wachsend. Geranien, das sind: bayerische Balkone. Rot und weiß.

Kännchenkaffee. Alte Bundesrepublik. Älter noch. Schon 1852, als die Menschen wegen Pionieren wie Paul Hermann und der Kap-Pflanzen, die er nach Europa gebracht hatte, nicht mehr nur Gemüse in ihren Gärten anbauten, war die Geranie laut der Zeitschrift Gartenflora eine »Modepflanze«.

Bis heute kaufen die Deutschen keine Blume lieber, bis zu 140 Millionen Geranien im Jahr, das sind 25 Prozent des B&B-Gesamtmarkts, Beet und Balkon. Sie leuchtet längst nicht mehr nur rot und weiß, sondern wieder in fast allen Farben, wie damals am Tafelberg, heute ist sie überall zu haben, 1,70 Euro, 2,49 Euro, Pflanzencenterstandard. Aus dem Mitbringsel eines Abenteurers wurde das Symbol der Spießigkeit.

Paul Hermann schickte einige Gewächse vom Kap mit dem nächsten Schiff in Richtung Niederlande. Er konnte nicht wissen, welche Pflanzen die Reise überleben würden, die selbst gestandenen Männern zu viel war.
Sie war die zäheste.

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Patrick Bauer und Daniel Delang

wurden von den Kindern in Koka nicht nur »Forengi«, sondern auch »Chinamen« genannt. Auf die verwunderte Nachfrage erklärte ein Mann: Hier würden so viele Chinesen Geschäfte machen, dass die Kinder glaubten, jeder Fremde sei ein Chinese.

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