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Neue Fotografie 19. Juni 2015

Abgefahren

Interview: Katrin Langhans  Fotos: Louis Porter

Für den Fotografen Louis Porter ist jede Stadt ein Krisengebiet. Ihn interessieren besonders die Opfer: kaputtgefahrene Verkehrsschilder. Dass ihn die Leute für verrückt halten, stört ihn nicht.



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Name: 
Louis Porter
Geburtsdatum: 18. August 1977
Ausbildung: Master of Fine Arts from Monash University in Melbourne
Wohnort: London und Australien
Website: louisporter.com 

Herr Porter, Sie interessieren sich für kaputte Schilder. Schon mal selbst in eins gefahren?
Louis Porter:
Ich bin nur einmal in meinem Leben am Steuer gesessen. Das war im Mango National Park in Australien. Obwohl es da eigentlich gar nichts gab, was man hätte umfahren können, bin ich auf eine Sanddüne aufgelaufen. Der Kombi ist in Zeitlupe umgekippt, bis wir auf dem Kopf standen. Wie im Film. Seitdem fahre ich kein Auto mehr. 
 
Fahrrad?
Auch nicht. Laufend bin ich das geringere Risiko. 
 
Die Missgeschicke der anderen fotografieren Sie.
Ich hatte schon immer Interesse an den kleinen Details der Stadt, an kaputten Dingen, die eine Geschichte erzählen. Ich war wirklich überrascht, wie viele Verkehrsschilder in Australien angefahren werden. Da ist so viel Platz. Und trotzdem fahren die Menschen Schilder um. Ich habe viel in Adelaide und Melbourne fotografiert.
 
Ihr erstes Motiv?
Ein Stoppschild. Das ist irgendwie auch das witzigste von allen, weil, naja, es ist einfach ein riesiges Stoppschild, nicht zu übersehen. Das Schild wurde so hart getroffen, dass es auf dem Boden lag.
 
Was war passiert?
Das weiß ich nicht. Es ist eben diese Ungewissheit, die mich fasziniert. Da sind Reifenspuren, manchmal auch Absperrband. Kleine Spuren, die einen nur vermuten lassen, was gewesen sein könnte.  
 
Ist das nicht makaber?
Ja schon irgendwie (lacht). Städte sind so. Wundervoll und makaber. Aber ich suche nicht aktiv nach großen Unfällen, sondern nach kleinen Konflikten. Für mich ist eine Stadt ein Gebilde aus vielen, vielen kleinen Konflikten. Andere gehen in Krisengebiete, ich laufe um Parkplätze und Einkaufscenter herum. 

Hat Sie dabei mal jemand komisch angeguckt?
Überraschend wenig. Ich dachte immer: Merkwürdig, dass mich kaum einer fragt, was ich da mache, bis meine Freundin mal mit war, als ich fotografiert habe. Später hat sie gesagt: Alle stoppen und starren dich an. Die sprechen nicht mit dir, weil sie glauben, du bist verrückt.
 
Sind Sie denn verrückt?
Nein (lacht). Ich bin eher ein Exzentriker, ein Sammler der Dinge, die um mich herum passieren. Ich mag es, die Stadt aus neuen Blickwinkeln zu entdecken. Ich glaube wir ignorieren oft vieles von dem, was um uns herum passiert, weil wir daran gewöhnt sind. 

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