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Probier doch mal 09. Januar 2016

Bitter-sweet Symphony

Von Hans Gerlach (Text + Foto) 

Die rote Blume des venezianischen Winters: Radicchio. Allen, denen er als Salat nicht schmeckt, sei er geschmort aus dem Ofen empfohlen. Unser Kolumnist empfiehlt ein fantastisches Rezept mit Hummus.

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Salat oder Gemüse? Roh haut er mich ehrlich gesagt nicht vom Hocker. Zu eindimensional ist das Aroma. Die Bitternoten sind sicher sehr gesund, wir sollten ja alle viel mehr Bitterstoffe essen, doch echte Liebe für Radicchiosalat spüre ich persönlich nicht.

Völlig anders jedoch schmeckt diese rote Blume des venezianischen Winters, wenn ich sie wie ein Schmorgemüse behandele. Dann ergänzen süße Nussaromen aus dem cremigen Strunk die zarten Bitterstoffe der Blätter. »Rote Blume« klingt ein wenig kitschig? Wäre Fiore rosso dell'inverno besser? So nennen die Bauern im Veneto nämlich ihre lukrativste Feldfrucht.

Die kräftige Farbe verursachen sogenannte Anthocyane – auch diese Pflanzenfarbstoffe sind supergesund, wir finden sie genauso in Rotwein, Waldbeeren oder Granatäpfeln. Dabei sind Radicchioblätter im Garten oder auf dem Feld zuerst einmal grün. Erst in der Dunkelheit werden sie rot, denn ohne Licht bildet sich kein Chlorophyll. So wird der violette Farbstoff in den Blättern sichtbar, der sonst im Grün verborgen bleibt.

Die länglich-schlanken Sorten aus der Gegend um Treviso gelten als besonders fein, zart und knackig – auf jeden Fall sind sie viel schöner als die kugeligen Sorten aus dem Supermarkt. Die frühe Sorte »precoce« ähnelt äußerlich dem Chicoree, sie wird schon auf dem Feld gebunden, so dass die äußeren Blätter die inneren vor der Sonne schützen. Nach der Ernte kommen die bitteren grünen Hüllblätter weg, übrig bleibt der rote Kern mit fest geschlossenen Blättern. Noch eleganter ist der »tardivo«, die späte Sorte. Dafür wird ab November die ganze Pflanze geerntet und treibt dann im Dunklen weiter. So bildet sie einen lockeren Kopf aus lauter sanft geschwungenen Blättern.

Neben den Klassikern von Risotto bis geschmortem Radicchio mit Portwein gefällt mir die einfachste Zubereitungsart am allerbesten: Ab in den Ofen damit! Die Schnittfläche soll auf dem Blech nach oben liegen. So hält sich etwas Öl in den Vertiefungen der Blätter, die dadurch von innen heraus knusprig braten. Gleichzeitig wird der Strunk ganz weich geschmort und zusammen passt beides hervorragend zu Hummus oder cremigem Kräuterquark.

Radicchio vom Blech

Zutaten für 4 Personen: 4 Thymianzweige
2 Knoblauchzehen
5 EL Olivenöl
4 St. Radicchio Trevisano
Salz, Pfeffer
1/2 Zitrone
Fladenbrot und Hummus (etwa 500 g, fertig kaufen oder siehe unten) Thymianblättchen abstreifen. Knoblauchzehen ungeschält quetschen, z.B. mit der Breitseite eines großen Messers. Zusammen mit Olivenöl begiessen, ziehen lassen. Den Backofen und darin ein Backblech auf der zweituntersten Schiene auf 200 Grad vorheizen (Umluft 180 Grad). Radicchio putzen, also waschen und welke Blätter entfernen. Dabei die Strünke schälen. Radicchio längs halbieren - am schönsten sieht es hinterher aus, wenn Sie nur den Strunk längs halbieren und dann die beiden Hälften jeweils vorsichtig auseinanderziehen. Radicchio mit der Schnittfläche nach oben auf das Blech legen, mit 3 EL Olivenöl beträufeln und mit Salz und Pfeffer würzen. 12 Minuten im Ofen braten. Wenden, mit restlichem Öl beträufeln und weitere 10 Minuten braten. Radicchio Trevisano mit Hummus, Zitronenschnitzen und geröstetem Fladenbrot servieren.
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Hummus
50 g weißer, geschälter Sesam (oder 3 EL Sesampaste)
1/2 Zitrone
1 Dose Kichererbsen (je 440 g)
1-2 TL gemahlener Kreuzkümmel o.ä.
100 ml Olivenöl
Salz, Chilipulver Sesam in einer Pfanne ohne Fett hellbraun rösten, dabei oft umrühren, auf einem Teller abkühlen lassen. Zitronensaft auspressen. Kichererbsen auf ein Sieb abgießen, abtropfen lassen, dabei die Flüssigkeit auffangen. Sesam, Kreuzkümmel und Olivenöl mit den Kichererbsen cremig pürieren, meist muss man dabei etwas von der Kichererbsenflüssigkeit zugeben damit die Paste schön cremig wird. Hummus mit Salz und Chilipulver abschmecken.  Noch mehr entdecken! Die besten Rezepte aus dem SZ-Magazin und der Süddeutschen Zeitung auf Das Rezept
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