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Nackte Zahlen: Sexkolumne 11. Januar 2016

Komm mal runter

Von Alena Schröder  Illustration: Sammy Slabbinck

Selbstbefriedigung ist der gesündeste Massensport unserer Zeit. Warum nur scheut sich die Fitness-Industrie, damit Geld zu verdienen? Unsere Autorin weiß, wie man es machen müsste.

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Kenner haben es schon länger vermutet, aber auch Wissenschaftler sind zu dieser Erkenntnis gelangt: Selbstbefriedigung ist unglaublich gesund. Bei Männern reduziert tägliches Handanlegen das Prostatakrebs-Risiko um mehr als 20 Prozent, bei Frauen das Risiko von Unterleibsinfektionen. Masturbation stärkt den Beckenbogen, stabilisiert den Blutdruck, reduziert Stressgefühle, hilft gegen Schlaflosigkeit, verbrennt Kalorien, kann allein, zu zweit und in größere Gruppen ausgeübt werden. Und da Selbstbefriedigung von rund 90 Prozent der Bevölkerung betrieben wird, kann man gefahrlos sagen: Selbstbefriedigung liegt im Trend.

Normalerweise wird ja alles, was gesund ist und im Trend liegt, irgendwann von der Fitness-, Wellness- und Eventindustrie vereinnahmt. Ein Wunder, dass das bei der Selbstbefriedigung noch nicht der Fall ist! Hier ganz exklusiv ein paar Ideen für vielversprechende Angebote rund um das Thema Masturbation:

Wichswandern
Eine sechstägige geführte Hüttentour durch die Berge, perfekt für alle, denen beim Fastenwandern das Essen fehlt und die trotzdem dieses erhabene Gefühl von innerer Reinigung erleben wollen. Gemeinsames Masturbieren vor malerischer Bergkulisse macht den Kopf frei, entspannt Körper und Geist und lässt uns eins werden mit der Natur.

Fun-Fasten
Für alle, die am Fastenwandern das viele Herumgelatsche stört: Beim Fun-Fasten werden Körper und Geist umfassend entschlackt, entgiftet und energetisiert. Gemeinsames Abführen gleich zu Beginn enthemmt ausreichend, um aufkommende Hungergefühle durch gemeinsames Masturbieren bekämpfen zu können.

After-Baby-Love
Vorbei die Zeit, als übermüdete Muttis im Angesicht ihrer schreienden Blagen freudlose Rückbildungsgymnastik absolvieren mussten, um wieder einigermaßen in Form zu kommen. Hier trifft man sich in ungezwungener Atmosphäre und bringt den Beckenboden durch beherztes Handanlegen wieder in Schwung. Ganz nebenbei können die Frischentbunden Sex haben, ohne sich dabei um irgendeinen Penis kümmern zu müssen.

Mütze-Glatze-Safari

Bei einer Tour durch den Etoshi National Park in Namibia studieren interessierte Teilnehmer - angeleitet von professionellen Guides - die Sex- und Selbstbefriedigungspraktiken diverser Affenarten. In der malerischen Lodge direkt am Rande eines Wasserlochs kann das Gelernte direkt am eigenen Leib ausprobiert werden.

Burnout-Retreat in der Südsee
Einfach mal runter kommen, die Seele und Testikel baumeln lassen - wie ginge das schöner, als sich unter Palmen einen von der Palme zu wedeln? Selbstbefriedigung hilft garantiert gegen Stress, depressive Stimmungen und Schlaflosigkeit. Professionelle Coaches unterstützen ausgebrannte Führungspersönlichkeiten beim Spannungsabbau.

Masturboxing
Ähnlich dem beliebten Schachboxen treten hier zwei Kontrahenten jeweils rundenweise im Boxen und im Masturbieren gegeneinander an. Gefragt sind sowohl Steher- als auch Nehmerqualitäten.

Bitte, gern geschehen, liebe Fitness-Industrie. Kleine Warnung zum Schluss: Jeder Trend produziert irgendwann einen Gegentrend. Ist der Markt in ein paar Jahren übersättigt mit immer dolleren Masturbationsevents, wird in urbanen Hipstermilieus unter den Schlachtrufen »Do it yourself« und »Back to the roots« ursprüngliches, rohes, unverstelltes Masturbieren nach alter Väter und Mütter Sitte wieder angesagt sein: allein unter der Dusche, im Bett, vor dem Rechner. Wahrscheinlich wird man es »Manufucktum« nennen – vielleicht lassen Sie sich den Begriff schon mal schützen.

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Alena Schröder

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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