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aus Heft 07/2016 Außenpolitik

Auf den Spuren der Menschenhändler

Foto: Matthias Ziegler

Tausende afrikanische Flüchtlinge sammeln sich in der sudanesischen Hauptstadt Khartoum zur Weiterfahrt nach Europa. Wie gefährlich ist diese Reise für sie und wie funktioniert das Geschäft der Schlepper genau? SZ-Magazin-Reporter haben vor Ort recherchiert.

Dieser Flüchtling hat schon viermal vergeblich versucht, nach Europa zu kommen. Bis auf weiteres ist er in Khartoum gestrandet.
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Der Schlepper ist ein durchtrainierter Mittvierziger mit Ray-Ban-Sonnenbrille und einem Klumpen Kautabak unter der Oberlippe. In einem Lieferwagen mit stoffverhängten Scheiben bringt er den Reporter Michael Obert und den Fotografen Matthias Ziegler zu einem einstöckigen Backsteingebäude im Osten der sudanesischen Hauptstadt Khartoum. Zerschlissene Matratzen liegen auf dem Boden, ein Erdloch wird als Toilette genutzt. Das Haus dient als Zwischenstation für Flüchtlinge, die vom Horn von Afrika nach Europa wollen. »Khartoum nach Tripolis, libysche Mittelmeerküste: 3000 Dollar«, sagt der Schlepper. Die Überfahrt nach Italien koste noch mal so viel.

Obert und Ziegler sind nach Khartoum gereist, um herauszufinden, wie der moderne Menschenhandel funktioniert und ob es wirklich möglich ist, durch Bekämpfung von Schlepperbanden, so wie es europäische Politiker vorhaben, die Migration von Afrikanern nach Europa einzudämmen. Die sudanesische Hauptstadt, ein Moloch mit sechs Millionen Einwohnern, ist eine große Drehscheibe des Schleppergewerbes. Hier enden zahlreiche Flüchtlingsrouten aus Eritrea, Somalia, Äthiopien, dem Kongo und Burundi, und es beginnen neue, die durch die libysche Wüste ans Mittelmeer führen. Für die Schlepper und ihre Hintermänner ist der Transport der Flüchtlinge hochprofitabel, die Flüchtlinge selbst erleben auf ihrer Reise hingegen oft brutale Gewalt, Entbehrungen, Folter und Lebensgefahr.

So wie Yonas aus Eritrea, den Obert und Ziegler in Khartoum treffen. Schlepper hatten ihn und neun Gefährten über die Grenze in den Sudan gebracht und dann einfach in der Wüste stehen gelassen. Sie wurden von Banditen entführt, aneinander gekettet und in ein Versteck gebracht, wo sie tagelang im Wüstensand knien mussten. Ein Becher Wasser, ein halbes Stück Brot, morgens und abends Peitschenhiebe mit Stromkabeln: »Für jeden von uns verlangten sie 15.000 Dollar Lösegeld«, berichtet Yonas. Er kam erst frei, als seine Familie zahlte. Die Narben dieser Tortur quälen ihn bis heute.

Bei ihrer Recherche geraten Obert und Ziegler immer wieder in gefährliche Situationen: Sie müssen Gespräche abbrechen oder nach wenigen Fotos die Flucht ergreifen, weil sie auf offener Straße bedroht werden. Dennoch gelingt es ihnen, nach und nach Einblick in das abgeschottete Treiben der »Samsara«, der Schlepper, zu bekommen. Sie erfahren, wie das Geschäft organisiert ist und was viele Flüchtlinge an den Schleppern trotz allem schätzen. Von verschiedenen Stellen erhalten sie sogar - erschreckende - Hinweise darauf, wer die Hintermänner der Schlepperbanden sein könnten.

Zutiefst problematisch erscheint im Licht ihrer Recherche aber die Abschottungspolitik Europas: So lange es keine legalen Einreisemöglichkeiten für afrikanische Flüchtlinge gibt, das wird in Khartoum klar, so lange werden die Schlepper weiterhin gute Geschäfte machen. Doch statt die legale Migration zu ermöglichen, will die EU die Flüchtlingszahlen begrenzen, indem sie afrikanische Regierungen beispielsweise bei der Polizistenausbildung unterstützt. Dass diese Kooperation weitreichender ist, als man bisher wusste, belegt ein geheimes Dokument, das Obert und Ziegler in Khartoum zugespielt wird.

Lesen Sie die komplette Reportage mit SZplus:


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