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Außenpolitik 21. Mai 2016

Saubere Leistung

Von Xifan Yang  Foto: Reuters

Aleppo steht sinnbildlich für den Schrecken des Syrien-Kriegs, doch die berühmte Seife wird dort weiter hergestellt. SZ-Magazin Autorin Xifan Yang hatte über Monate Kontakt mit einem der letzten verbliebenen Händler.

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Kennt man den Krieg in Syrien nur aus den Nachrichten, ist das Bild unvorstellbar: Jemand steht auf, schmiert sich ein Brot, fährt in die Arbeit, setzt Seifenlauge auf, telefoniert mit Kunden und verhandelt mit der Spedition, während nebenan Raketen einschlagen und Menschen verbluten. Jemand wie Ghaleb Chite, 49 Jahre alt, Unternehmer in Aleppo, Seifenfabrikant in siebter Generation. »Seit Jahren habe ich nicht mehr gelacht«, sagte er zu Beginn unseres ersten Telefongesprächs. Aber noch immer macht er Seife. 

Am Anfang der Recherche stand die kurze Nachricht in einem britischen Magazin: Aleppos Seifenhersteller kämpfen um eine Zukunft. Vor 2000 Jahren wurde in Syrien das Seifenmachen erfunden, Aleppo-Seife ist eines der ältesten Naturprodukte in der Geschichte, Vorgängerin der weltbekannten Savon de Marseille. An die 200 Produzenten gab es vor dem Krieg, heute sind die meisten Hersteller geflüchtet oder tot. Übrig geblieben sind vielleicht zehn. Einer davon ist Ghaleb Chite.
 
Der Kontakt zu Chite kam durch einen syrischen Seifenhändler in Stuttgart zustande, der ein  kleines Geschäft sowie einen Internetshop betreibt. Seit der Krieg in seiner Heimat wütet, ist die Nachfrage nach seinen Seifen sogar gestiegen: »Kaum jemand hat sich früher für Syrien interessiert«, sagt er. »Jetzt kennen die Menschen immerhin den Namen Aleppo.« Als Produkt trifft Aleppo-Seife den Zeitgeist: 100% Natur, kein Palmöl, keine Tierfette. Die Kommentare, gibt man bei Google »Aleppo-Seife« ein, lesen sich angesichts der Lage in Syrien bizarr: »Toll gegen trockene Haut!«, schreiben begeisterte Kunden, oder: »Endlich ein Mittel gegen Schuppenflechte, eine wahre Wunderseife«. Auf einem Beauty-Blog findet sich das Quiz: »Welche Aleppo-Seife passt zu mir?« Für die Herkunft der Seife interessieren sich nur wenige.
 
Ghaleb Chite ist einer von drei Zulieferern des Stuttgarter Händlers. Von dem ersten hatte der Händler seit Monaten nichts mehr gehört, der zweite wollte ungern mit ausländischen Journalisten telefonieren. Ghite zeigte sich einem Gespräch gegenüber aufgeschlossen; zwei Monate lang riefen wir – die Autorin und die Übersetzerin Aida Mozahebi – ihn alle ein, zwei Wochen an und kommunizierten mit ihm und seiner Tochter über Whatsapp. Anfangs sprach er nur über seine Seife und das Geschäft, mit der Zeit erzählte er immer mehr aus dem Kriegsalltag, von seinen Nöten und Hoffnungen. Er schickte Fotos von sich und seiner Familie, von den zerbombten Straßen, von einem Raketenkopf, der im Nachbarhaus eingeschlug; einmal schickte er eine Audionachricht mit lauten Detonationen, aufgenommen an seiner Haustür.
 
Lesen Sie die gesamte Reportage mit SZplus:


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