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Wirtschaft/Finanzen 16. Juni 2016

Paranoia als Erfolgsgarant

Von Lorenz Wagner  Foto: dpa

Er leitet einen der größten Medienkonzerne Europas: Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Springer, hält Verfolgungswahn für eine gute Triebfeder. Im Interview spricht er auch über zuletzt gescheiterte Projekte und seine Freundschaft zu Friede Springer.

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Mathias Döpfner, einer der mächtigsten Medienfiguren in Europa, wurde als Jugendlicher gehänselt. »Ich empfand meine Größe als Anomalie und fragte mich: Warum bin ich nicht so wie alle anderen«, sagte Döpfner im Gespräch mit dem Süddeutsche Zeitung Magazin. Es traf ihn, dass er im Sport immer als Letzter gewählt wurde. Diese Erfahrung habe auch eine Rolle dabei gespielt, dass er heute Verlagschef sei. »Ein Hollywood-Drehbuchschreiber, ich glaube Ben Hecht, hat mal gesagt, unser beruflicher Erfolg ist die Konsequenz der Zurückweisung, die wir als Kind erfahren haben. So gesehen mag es einen Zusammenhang gegeben haben.«

Als er mit 39 Jahren Vorstandsvorsitzender wurde, haben ihn viele belächelt. »Die Leute klopften mir reihenweise auf die Schulter und sagten: Ist ja toll, dass Sie jetzt die Nummer eins sind, aber lange wird das nicht gehen.« Nach wenigen Wochen verschaffte er sich Respekt, als er sich mit dem Springer-Aktionär Leo Kirch anlegte und dessen Untergang einläutete. Beim finalen Telefonat sagte Kirch zu Döpfner: »Das hätte ich dir nicht zugetraut.« Der Satz hätte eine Ambivalenz gehabt, sagt Döpfner. »Sein Vorwurf lautete: Ich hätte nicht gedacht, dass du so hart und skrupellos bist und mich damit in so ein tiefes Elend stürzt. Die zweite Komponente war unterschwellige Anerkennung: Des is a Hund!«

Gemessen an den Gewinnen ist Döpfner der erfolgreichste Chef des Verlages seit dem Tode Axel Springers. Sein unternehmerisches Credo ist: »Only the paranoid survive« – nur Menschen, die unter Verfolgungswahn leiden, überleben. Kein Verständnis dagegen hat er für wahnhaft geizige Unternehmer. Auf die legendäre Sparsamkeit von Bertelsmann-Chef Reinhard Mohn angesprochen, sagte er: »Wenn sich ein Milliardär damit brüstet, seine Kleidung beim Discounter zu kaufen, finde ich das wenig beeindruckend. Das ist dann nicht mehr sparsam, sondern nur noch kleinkariert.«

Zuletzt musste Döpfner hinnehmen, dass Projekte scheiterten, etwa der Kauf der »Financial Times«, die wichtig gewesen wäre, um Springer zu einem Verlag von Weltruf zu machen. »Ich gestehe mir ein, wie sauweh es tut«, sagt Döpfner. Er leide dabei still. Entschieden widerspricht er Berichten, er und Hauptaktionärin Friede Springer hätten sich entfremdet: Sie habe ihm früh vertraut und »ich habe es in 15 Jahren glücklicherweise geschafft, das Vertrauen nicht zu enttäuschen.« Sie tauschten sich regelmäßig aus. »Daneben gibt es unsere schöne persönliche Freundschaft, die wir sauber vom Beruflichen trennen.«

Lesen Sie das gesamte Interview mit SZplus:



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