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Theater 23. Juni 2016

Eine typische Wien-Wien-Situation

Von Susanne Schneider  Foto: Robert Fischer

Vor zwei Jahren wurde Matthias Hartmann als Intendant des Wiener Burgtheaters gefeuert. Seine schmachvolle Vergangenheit lässt ihm keine Ruhe – aber er ihr auch nicht.



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Er war ganz oben – und er flog ganz tief. Und prallte so hart auf, dass die Wunden bis heute nicht geheilt sind. Er heißt Matthias Hartmann, er war von 2009 bis 2014 Intendant des Wiener Burgtheaters, ein König im Himmelreich der Kunst. Dann wurde er entlassen – er soll während seiner Zeit als Intendant Millionenschulden des Theaters verschleiert haben. Er bestreitet das, er kämpft mit Furor jeden einzelnen Tag seit seinem Rausschmiss dagegen an, das Burgtheater, sein Traum und seine Hölle, lassen ihm keine Ruhe. Tagsüber nicht, nachts erst recht nicht. Nie. Seine Rehabilitation, das ist sein Lebensthema geworden.

Was – unabhängig von der Frage, wer für das Millionendesaster verantwortlich ist – ganz sicher stimmt: Nicht nur als Deutscher in Österreich kann man viel falsch machen, als deutscher Intendant am Wiener Burgtheater liegen die Fallstricke auf jedem Quadratmeter des Theaters bereit: Man muss begreifen, dass ein Burgschauspieler in der Wichtigkeit gleich hinter Kaiser Franz-Joseph angesiedelt ist, dass der Sarg eines Ehrenmitglieds des Burgtheaters am Tag der Beerdigung einmal um das Burgtheater getragen wird, und dass der Intendant hinter diesem Sarg schreitet, nicht »läuft«, wie Hartmann sagte. Ein kleiner Skandal. Laufen heißt in Österreich rennen.

Wie lebt so einer heute? Das ist ja die eine, die große, die immer faszinierende Frage bei jedem, der mal Teil der Spitze war und dessen Fall dann hinter seinem Rücken beschloss wurde, egal ob Fußballer, Selfmade-Milliardär, Popstar – oder eben Intendant. Welche Strategien hat einer entwickelt, um seinen Alltag zu überstehen, mit welchen Dämonen kämpft er? Lügt er sich in die Tasche, oder lügen andere ihm dort hinein? Es brauchte 18 Monate und etwa 15 Mails, bis Matthias Hartmann zusagte, sich über viele Monate begleiten zu lassen. Zu Proben nach Dresden, zum Flughafen nach München, zu Bühnenbildbesprechungen nach Genf, zu Servus TV, seinem neuen Arbeitsplatz in Salzburg, zu ihm nach Hause ins Salzkammergut. Was immer schade ist: Fast 80 Prozent dessen, was man in diesen Monaten notiert, gesehen, erlebt hat, kann man im Text nicht unterbringen – kein Platz. Soviel aber steht fest: Matthias Hartmann kann nicht vom Burgtheater lassen und das Burgtheater auch nicht von Matthias Hartmann. Zuviel steht auf dem Spiel, sollte sich herausstellen, dass andere als Hartmann Schuld an dem Millionendesaster des Burgtheaters haben. Anders gesagt: Es handelt sich um eine typische Wien-Wien- Situation.

Lesen Sie das Porträt hier mit SZPlus:


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