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Neue Fotografie 30. September 2016

Marihuana-Schwestern wollen die Welt retten

Von Sabine Fischer  Fotos: Soraya Matos

Kiffen statt beten – wie selbst ernannte Nonnen in Kalifornien ihr Heil im Marihuana-Anbau suchen.


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Name:
Soraya Matos
Alter: geboren 1992 in New York City
Ausbildung: Abschluss vom Wheaton College in Norton, Massachusetts und von der School of International Training in Dakar, Senegal
Website: www.sorayamatos.com

SZ-Magazin: Die »Sisters of the Valley«, die Sie in Ihrer Fotoreportage begleitet haben, nennen sich auch »Weed Nuns«, also »Marihuana-Nonnen«. Warum?

Soraya Matos: Die »Sisters of the Valley« sind eine Gruppe progressiver Nonnen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, mithilfe von Marihuana die Welt zu heilen. Klingt erstmal skurril, aber dahinter steckt die Vision einer weltweiten Bewegung: Schwester Kate, die Gründerin, wünscht sich, dass in Zukunft Leute auf der ganzen Welt die »Sisters of the Valley« anhand ihrer violetten Tracht als Heilerinnen erkennen. Heute schon stellen sie Medikamente und Tinkturen auf Cannabis-Basis her und verkaufen sie online.

Die »Weed Nuns« sind also keine echte Nonnen?
Nicht im klassischen Sinn. Sie gehören keiner Religion oder Kirche an. Stattdessen folgen sie fünf Prinzipien: Sie leben zusammen, tragen die gleiche Kleidung, folgen dem Mondzyklus, bleiben keusch, aber leben nicht zölibatär, und leisten einen Schwur, bei der Herstellung ihrer Produkte immer ökologisch korrekt zu handeln. Die Mitglieder hatten zuvor ganz alltägliche Jobs und Lebensentwürfe. Schwester Kate, 55, gründete die Bewegung, nachdem sie ihren Neffen mithilfe von Cannabis von seiner Heroinsucht befreien konnte. Schwester Darcy arbeitete in einem Diner, bevor sie sich Kate anschloss und Schwester Sydney kam erst vor kurzem aus Oregon dazu.
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Wie sieht der Alltag aus, wenn man die Welt mit Cannabis heilen will?
Die Schwestern leben gemeinsam in einem »Kloster« in Kalifornien – eigentlich ein Haus mit drei Schlafzimmern in Merced, einem Vorort von Los Angeles. Im Garten liegt eine große Marihuana-Plantage, dort pflanzen sie Cannabis nach dem Mondzyklus an und verarbeiten es nach der Ernte zu verschiedenen Tinkturen. Ich fand es erstaunlich, wie viel Zeit sie dieser Aufgabe widmen – ein bisschen wie klassische Alchemisten. Sie stellen gemeinsam mit einigen Angestellten zum Beispiel Salben, Tinkturen oder Stärkungsmittel her, die heilende Wirkung haben sollen. Alle Produkte haben aber einen geringen THC-Anteil, sodass man davon nicht high wird.

Haben Sie die Produkte der »Weed Nuns« selbst ausprobiert?

Ja, habe ich. Mich haben sie tatsächlich von Kopf- und Magenschmerzen geheilt. Die Schwestern konsumieren das Marihuana auch selbst und haben meinen Blick auf die Pflanze und ihr Heilpotenzial verändert.

Aber ist der Anbau von so viel Cannabis nicht illegal?

Die Schwesternschaft hat eine Lizenz, um Marihuana aus medizinischen Gründen anzubauen. Die kalifornischen Behörden denken aber momentan über ein allgemeines Anbau-Verbot nach, was die Plantage illegal machen würde. Die Schwesternschaft wehrt sich natürlich.
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