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Mode 31. Oktober 2016

Enfant terrible

Von Lorenz Wagner  Foto: Gettyimages / Nick Harvey

Warum Joe Corré, der Sohn der Punk-Legenden Vivienne Westwood und Malcolm McLaren, das wertvolle Kulturerbe seiner Eltern verbrennt.

Joe Corré mit seiner Mutter, der Modedesignerin und Punk-Ikone Vivienne Westwood, bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im März


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Am 26. November will er alles anzünden: Testpressungen, seltene Grafiken, Johnny Rottens alte Hose, Hunderte Originale von Vivienne Westwood – eine der wichtigsten Sammlungen des Punk. Den Wert beziffert er auf fünf Millionen Pfund. Und alle regen sich auf: »Warum verbrennt einer Kunst im Wert von fünf Millionen Pfund?«, fragt die BBC und Johnny Rotten, Sänger der Sex Pistols, sagt, er solle gefälligst alles verkaufen und das Geld spenden.

»Warum sollte ich?«, gibt Joe Corré trotzig zurück, Gründer der Dessousmarke Agent Provocateur und der Sohn wirkmächtiger Eltern: Vivienne Westwood und Malcolm McLaren, Designerin und Impresario der Sex Pistols, das Paar, das den Punk erfand. Es ist ihr Erbe, das er vernichten will, und zugleich ein Stück Kindheit.

Sein Vater lehnte ihn immer ab, wollte ihn abtreiben lassen. »Er sagte zu meiner Mutter: Wenn du ein Baby willst, ist es deine Sache. Wenn sie mal zu ihm sagte, ich muss arbeiten, kannst du auf das Baby aufpassen, antwortete er: Ja, gib, ich bringe es ins Kinderheim.« Die Abneigung zog sich durch das ganze Leben, bis ins Testament, wo der Vater ihn mit einem handgeschriebenen Zusatz demütigte. »Nach seinem Tod hat er mir wieder den Krieg erklärt.«

Die Zeit des Punk hat Corré am meisten geprägt: ein 10-Jähriger umgeben von Chaos und Gewalt. »Ich wurde von Erwachsenen angespuckt, und bei uns zu Hause warfen meine früheren Freunde uns nun die Scheiben ein. Ich habe erlebt, wie Menschen durch andere leiden. Sogar deine Familie kann sich gegen dich stellen. Meine Großeltern haben sich geschämt, wenn ich sie besucht habe. Ich sah eben aus wie ein Punk. Das war keine Kindheit, es war eine Lektion.«

Es sind diese Erfahrungen, die ihn nun alles verbrennen lassen – im Jahr des Punk, das England ausgerufen hat. Das Establishment, sagt Corré, Leute, die ihn und seine Eltern früher gejagt hätten. Punk sei nur noch Marketing. »Es hat jeden Wert verloren.« Die Idee verloren, nur noch Geld sei es wert.

Erstaunlich hoch erscheinen die 5 Millionen Pfund, über die sich alle aufregen. Wo kommen die denn her? »Ich habe es erfunden«, sagt Corré. »Wenn ich gesagt hätte, ich verbrenne diesen Scheiß, und er hat einen Wert von 1000 Pfund, hätte das keinen auch nur einen Dreck interessiert.«

Was Joe Corré weiter über den Krieg mit seinem Vater sagt, die Zeit beim Schneidern mit seiner Mutter, die verrückte Kindheit unter den Pistols und wie er nach Vorbild der Eltern Agent Provokateur gründete – all das im Gespräch mit dem SZ-Magazin.

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Lesen Sie das gesamte Interview mit SZ Plus:

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