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Fußball 08. Dezember 2016

»Rosamunde-Pilcher-Filme sind einfach nicht mein Ding«

Von Tobias Haberl  Foto: Andy Kania

Die beiden Vereinspatrone Clemens Tönnies und Dietmar Hopp im Gespräch über den RB Leipzig, Transfersummen und ihre Leidenschaft für den Sport.

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Der eine weiß eine Menge über Computer, der andere über Schweinefleisch, der eine hat 7,4 Milliarden auf dem Konto, der andere 2,1 Milliarden, der eine lebt für Hoffenheim, der andere für Schalke – Fußballnarren sind sie beide: Dietmar Hopp, 76, und Clemens Tönnies, 60.

Mehrere Monate hat es gedauert, die beiden gemeinsam an einen Tisch zu bringen, aber jetzt, am Rande einer Charity-Veranstaltung in Hopps Golfclub in St. Leon-Roth, ist es endlich so weit: Noch drei Stunden bis zum Gala-Dinner. Nicht genug, aber immerhin reichlich Zeit, um über Fußball und Geld zu sprechen und wie beides zusammenhängt: Was ist dran an der Stammtischthese, dass die Milliarden der Oligarchen, Scheichs und Investoren die Seele des Spiels (und der Spieler) zerstören? Dass der Kern des globalen Systems Fußball verfault, die Funktionäre und Verbände korrupt und kriminell sind? 

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung stand: „Hopp pumpt Millionen in eine von Selbstsucht, Habgier und Korruption getriebene Branche.“ Klingt skandalös, aber stimmt es auch? Und wenn ja, warum dann die ganze Leidenschaft, Wochenende für Wochenende, der Stress, die Tränen, die Aufregung? Wem also, wenn nicht den beiden Fußball-Magnaten Hopp und Tönnies sollte man diese Fragen stellen?

Hopp unterstützte die TSG Hoffenheim im Laufe der Jahre mit rund 240 Millionen Euro und führte den Verein von der Regional- in die Bundesliga. Tönnies versprach dem ehemaligen Vorsitzenden von Schalke 04 am Sterbebett, dass er sich um den Verein kümmern würde – der Vorsitzende war sein Bruder Bernd. Seitdem tut er alles, was in seiner Macht steht, um den Traditionsclub aus dem Pott wenigstens in die Nähe von Bayern und Dortmund zu führen. Die beiden kennen sich, duzen sich, sind seit Jahren befreundet. Die Stimmung ist angenehm, gelassen, nicht offiziös, es gibt Kaffee und Wasser.
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"Herr Hopp, Herr Tönnies", so geht es los, "gibt es so etwas wie einen Zirkel wohlhabender Fußballfans, eine Art Netz von Investoren, Mäzenen und Eigentümern, von dem die normalen Fans gar nichts mitbekommen?" Und Hopp: "Wenn es so ein Netzwerk gibt, bin ich nicht dabei." Aber, meint Tönnies, man kenne sich halt, klar, Martin Kind von Hannover, auch Roman Abramovic. Ein Name fällt ziemlich schnell: Dietrich Mateschitz, Milliardär und Mäzen von Red Bull Leipzig, also dieses merkwürdigen Vereins aus Ostdeutschland, den so viele nicht mögen, der aber im Moment die Tabelle anführt. „Ich habe noch nicht mitbekommen, dass Mateschitz Verwerfliches tut“, sagt Hopp, „ich kann daran nichts Schlimmes finden“. Und Tönnies: „Also ich schon. Es tut schon weh, wenn ein Konzern daherkommt, sich einen Fußballclub schnappt und die Statik der ganzen Liga verschiebt.“

Schnell wird klar, die beiden finden die Auswüchse, die exorbitanten Transfersummen, die Monopolisierung im Fußball nicht gut, wissen aber auch: Wer nicht mitmacht, der fällt zurück, der bleibt auf der Strecke. Und auf der Strecke bleiben, das ist keine Option, schon gar nicht für erfolgreiche Geschäftsleute. Im Gegenteil, man müsse sich jetzt schon wappnen für mögliche Szenarien: „Was passiert denn“, fragt Tönnies, „wenn ein Verein in China auf einmal fünfzig Millionen Fans hat? Das ist gar nicht so utopisch. Da würden riesige Mengen an Geld generiert, die das gesamte System auf den Kopf stellen.“ „Wir können uns nicht abschotten gegen die internationale Entwicklung“, sagt Hopp. „Wenn man keine Investoren im Fußball haben will, hätte man vor Jahren eingreifen müssen.“

Hopp ist der zurückhaltendere von beiden, Tönnies der lautere, auch lustigere: „Seien wir doch ehrlich“, sagt er, „im alten Parkstadion war es eiskalt, nur das Bier, das war warm.“ Auf die Frage, ob er jeden Samstag die Sportschau sehe, meint er: „Klar! Rosamunde-Pilcher-Filme sind einfach nicht mein Ding. Leider kann ich nicht den ganzen Tag Fußball schauen, ich habe ja noch eine kleine Firma nebenbei.“

Am Ende des Gesprächs geht es noch um persönlichere Themen: Wie stehen Sie eigentlich zu Franz Beckenbauer? Vermissen Sie Pep Guardiola? Wo und mit schauen Sie eigentlich Fußball? Und wer ist Ihr heimlicher Lieblingsspieler? So viel sei verraten: Sie spielen weder bei Hoffenheim noch bei Schalke.

Lesen Sie das Interview jetzt mit SZ Plus:
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