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Vorgeknöpft: die Modekolumne 19. Januar 2017

Dunkle Geheimnisse

Von Silke Wichert  Foto: Gettyimages/ Randy Shropshire

Brad Pitt ganz in schwarz – man könnte meinen, der neue Look sei eine Art Beziehungstrauerflor. Flankiert von zwei weiteren Stars im gleichen Look, sagt die Farbwahl allerdings etwas ganz anderes.

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Seit der Hashtagisierung durch Instagram kann man ja kein Foto mehr angucken, ohne den sofortigen Drang zu verspüren, es mit möglichst vielen Schlagwörtern zu bewerfen. Zugegebenermaßen bietet es sich bei diesem Gruppenbild, aufgenommen vor ein paar Tagen in Malibu, wirklich an. Erwartbare Label wären #brad #welcomeback #happy #bromance #rockon und natürlich: #black #meninblack #middleagedmeninblack.

Spontaner Gedanke: Die Farbwahl macht keinen guten Teint, zumindest nicht bei Brad Pitt und Sting, dafür sehr wohl bei Chris Cornell, Frontmann der Band Soundgarden. Andererseits ist zu viel Gesichtsbräune konnotativ ja gerade schwierig besetzt, blass passt auch besser zum Trennungsmartyrium von Angelina Jolie, was uns zur naheliegenden Frage führt, ob Brad Pitt hier eigentlich so etwas wie Trauerflor trägt.

Die Experten von der Herzschmerz-Presse wären sich da vermutlich schnell einig (»was sonst?!«), aber so eindimensional ist Schwarz natürlich längst nicht. Womöglich hält es Brad Pitt also viel eher mit Yohji Yamamoto, der einmal erklärte: »Schwarz ist gleichzeitig bescheiden und arrogant. Schwarz ist lässig und unkompliziert, aber auch geheimnisvoll. Vor allem jedoch signalisiert Schwarz Folgendes: Ich belästige dich nicht – also belästige du mich auch nicht.« 

Mit diesem Subtext hätten wir dann also einen frisch geschiedenen Schauspieler, der seit der Golden Globes Verleihung vorvergangene Woche wieder in der Öffentlichkeit unterwegs ist, und mit süffisantem Lächeln mehr oder weniger sagt: »F*** off - ich ziehe jetzt wieder mit meinen Jungs um die Häuser, wie in alten Zeiten.« Vor allem mit Cornell natürlich, mit dem Pitt seit Jahren so ein Bromance-Ding laufen hat, aber wenn der in Malibu gerade ein Wohltätigkeitskonzert mit Sting spielt, dann eben auch mit dem.
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Zum Ausgehen ist Schwarz bekanntlich immer eine gute Wahl, weil es die Farbe der Nacht ist, dankbar Bierflecken schluckt und bisweilen auch gleich die überflüssigen Pfunde mit wegmogelt. Außerdem will man beim letzten Absacker in irgendeiner Bar voller Death-Metal-Fans vielleicht doch nicht mit dem Gucci-Tiger-Pulli einlaufen.

Im Übrigen zeugt Schwarz - vielmehr: Schwarz auf Schwarz - immer von einer gewissen Reife, im engeren wie im übertragenen Sinne, weshalb man das aufwendige, modische Zusammenstellen seines Looks demonstrativ hinter sich gelassen hat, und nun quasi im Style-Nirvana residiert. Da sieht dann auch das Gruppenbild mit den Jungs gleich viel harmonischer aus.

Das sagt die Vogue: »Three is a trend!«
Das sagt der Streber-Twitterer: »Schwarz ist gar keine Farbe, sondern eine Nichtfarbe!«
Passender Sting-Song: »We work the black seam«

Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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