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aus Heft 05/2017 Das Beste aus aller Welt

Der einzig wahre Donald J. Hacke

Von Axel Hacke  Illustration: Dirk Schmidt

Erinnern Sie sich noch an Axel Hacke, diesen Loser? Er ist gescheitert – stattdessen schreibt jetzt Donald J. Hacke diese Kolumne. Und das ist großartig. Wirklich großartig.

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Sehr verehrte Damen und Herren,
wir, die Leser von Das Beste aus aller Welt, haben uns heute versammelt, um diese Kolumne neu aufzubauen, um ihr Versprechen an alle Menschen dieses Landes neu einzulösen. Zusammen werden wir ihren Kurs neu bestimmen. Wir werden uns Herausforderungen gegenübersehen. Wir werden harte Zeiten zu überstehen haben. Aber wir werden den Job erledigen.
Ich danke Axel Hacke für seine große Hilfe in der Übergangszeit. Es war großartig. Danke. Aber er ist entlassen. Totaler Verlierer. Überschätzt. Komplett gescheitert. Ich würde ihn einsperren lassen, wenn er mir nicht leid täte.

Seit langer Zeit hatte sich eine kleine Gruppe dieses Textes hier bemächtigt, diese Menschen haben gefeiert, die Leser haben nichts davon gehabt. Andere Kolumnen in anderen Ländern sind erblüht, diese hier ist verkommen. Ihre Sätze sind verrostet, ihre grammatische Infrastruktur ist eingestürzt, ihre Begriffe wurden irreparabel zerstört. Es sind Fremdwörter benutzt worden. Hier standen groß­artige Wörter aus anderen Sprachen, aber in den anderen Sprachen sah man keines unserer Wörter. Wir stehen einer sprachlichen Ruinen­landschaft gegenüber. Man hat uns Berge von Satzzeichen gestohlen, niemand weiß, wo sie sind. Ganze Absätze waren erlogen, frei erfunden. Fake News. Traurig. Riesiges Desaster.

Von heute an wird sich das ändern. Ich werde mit meiner ganzen Kraft dafür arbeiten, mit jedem meiner tiefen und langen, außer­ordentlich sauerstoffreichen Atemzüge, mit meiner ganzen Frisur, mit jedem meiner schönen Körperteile, mit meinen riesigen herrlichen Händen. Die Leser sitzen jetzt zu Millionen und Abermillionen an ihren Frühstückstischen, um dies zu lesen, noch nie haben so viele Leute irgendwas gelesen, in vielen Küchen ist kein Platz mehr, weil so viele dabei sein wollen, Leute müssen im Flur frühstücken. Es gibt in den Supermärkten nichts mehr zu essen, weil so viele frühstücken wollen. Es gibt U-Bahn-Züge, in denen sich kein Platz mehr findet, weil alle diesen Text hier studieren. Im ganzen Land kann man keine Computerbildschirme mehr kaufen, weil so viele Menschen sehen wollen, wie dies hier vor ihnen erscheint. Nirgends ist noch Platz für irgendwas.

Wirklich, sie tun das. Es ist wahr.

Eine neue Vision wird diese Seite beherrschen, in jedem Punkt, in jedem Komma. Jeder Satz, jede Redewendung, jede Silbe hier muss den Lesern dieser Kolumne zugute­kommen. Wenn jemand hier Wörter aus anderen Sprachen lesen will, muss er ­dafür bezahlen, 35 Prozent. Verspreche ich. Niemand kann schönere Sätze als ich bauen. Kürzere Sätze. Längere Sätze. Hohe Sätze. Flache Sätze, all diese ganzen Sätze, wirklich großartige Sätze. Ich kann das. Mache ich.

Und es ist Zeit, sich an die alte Wahrheit zu erinnern: Jeder Buchstabe, jedes Wort, jedes Ausrufezeichen hier, egal in welcher Farbe es gedruckt worden ist, besteht aus den gleichen Punkten und Strichen und sonstigen Elementen und dem ganzen gleichen Dingsda. Es ist wahr, so ist es. Ich habe diesen Gedanken selbst gedacht, wie ich alle meine Gedanken selbst denke, die kurzen und die langen Gedanken, aber vor allem die kurzen. Und die langen eben. Es ist großartig. Manchmal verstehe ich sie selbst nicht, meine Gedanken, weil sie so großartig sind. Wirklich großartig.

Nun kommt die Stunde des Handelns. Wir werden keine Formulierung und keinen Satz und keine Redewendung mehr akzeptieren, in denen nur gedacht und nicht gehandelt wird. Nur noch aktiv alles. Subjekt, Prädikat, Objekt. Nichts mehr von dem anderen Kram. ­Diese Kolumne wird stark sein. Diese Kolumne wird wohlhabend sein. Diese Kolumne wird stolz sein. Diese Kolumne wird sicher sein. Und diese Kolumne wird so groß sein, dass man sie vom Weltall aus sehen kann. Mit bloßem Auge. Es ist wahr, das wird man. Ich werde wahrscheinlich persönlich zum Mond fliegen, um das zu tun. Es wird absolut fantastisch, echt fantastisch, total fantastisch. Wirklich. Fantastisch.

Ich danke Ihnen, ich schütze Sie, Ihr Donald J. Hacke

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Axel Hacke

Nachdem ihm seine Kolumne entzogen wurde, bleibt Axel Hacke nur noch dieser Ort, um Witze wie den folgenden zu verbreiten: Der Kolumnist klagt dem Arzt sein Leid. »Herr Doktor, keiner beachtet mich.« – »Der Nächste, bitte.«

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