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Vorgeknöpft: die Modekolumne 02. Februar 2017

Des Kaisers Altkleidersammlung

Von Silke Wichert  Foto: Reuters

Bartstoppeln, schlecht sitzende Anzüge, gestreifte Button-Down-Hemden: Mit Trumps Beraterstab hat sich der Stil im Weißen Haus auch modisch geändert. Jedenfalls, soweit »modisch« da noch zutrifft.

Foto: Die Trump-Berater Kellyanne Conway und Steve Bannon


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Gerade schwer vorstellbar, aber auch Barack Obama sorgte damals nach seinem ersten Tag im Amt für ein bisschen Aufregung im Weißen Haus: weil er OHNE Sakko, also nur in Hemd und Krawatte, im Oval Office fotografiert worden war. Undenkbar zu Bush-Zeiten, in denen Jacke und Krawatte zu jeder Zeit Pflicht waren.

Damals gab es allerdings für alles noch eine Erklärung. In diesem Fall hatte Obama, der bekanntlich aus Hawaii stammt, das Thermostat höher stellen lassen, es war also einfach wärmer in den Räumen als vorher. Meldungen über die aktuelle Temperatur sind gerade nicht bekannt oder zwischen zwei, drei anderen Sachen irgendwie untergegangen. Anzunehmen ist aber, dass auch diese Art Obama-Care umgehend zurückgefahren wurde, weshalb die meisten Personen im Oval Office jetzt wieder etwas drüber tragen.

Wirklich formeller geht es deshalb natürlich nicht zu, vor allem nicht was Trumps Chefberater Steve Bannon angeht. Der ehemalige Breitbart-News-Chef trägt betont schlecht sitzende, weitgeschnittene Anzüge zu gestreiften Button-Down Hemden. Noch lieber lümmelt er in weiten Khaki-Hosen auf den stoffbezogenen Stühlen, die zumindest mehr auf einer Linie sind mit den mäßig frisierten Haaren und gelegentlichen Bartstoppeln. Privat trägt Bannon dazu gern den All-American-Field-Look inklusive gewachster Outdoorjacke, ein Gesamtbild, das der amerikanische Talkmaster Stephen Colbert einmal ziemlich treffend mit »wie Robert Redford aus dem Flußmatsch gezogen« beschrieb.

Bekanntlich kann man auch mit Kleidung nicht nicht kommunizieren – was genau möchte der Chefstratege uns also damit sagen? Eine einfache Erklärung wäre die Anbiederung an seinen neuen Chef Donald Trump, der zwar Anzüge von Brioni trägt, aber es selbst damit schafft, ein jämmerliches Bild abzugeben. Zu groß, zu zerknittert, dazu die lange, viel zu breite Krawatte. Bannon, der als Banker früher durchaus gepflegt unterwegs war, unterbietet diese Latte jetzt locker – aber ausgerechnet ihn zum getreuen Staatsdiener zu stilisieren, wäre so abwegig wie zu kurz gegriffen.

Vielmehr transportiert dieser aggressive Nicht-Look eine abgefuckte Haltung gegenüber Autoritäten wie er sie eben auch sonst an den Tag legt. Während andere in diesem Aufzug nicht einmal vor die McDrive-Kamera treten würden, spaziert er damit schnurstracks ins Weiße Haus, und kommt damit durch. Aus »Yes we can« wird »Because we can«, eine breithosenbeinige »ich kann mir alles erlauben«-Attitüde.

Im Kern sind sich Bannon und Trumps andere wichtige Beraterin, Kellyanne Conway, da vollkommen einig. Nur in den Äußerlichkeiten unterscheiden sie sich erheblich. Während der Mann »low« geht, schaltet die Frau auf »high«: Conway trug zur Amtseinführung bekanntlich einen 3600-Dollar-Mantel von Gucci. Sicherlich die schlechteste PR, die das Modehaus seit langem bekommen hat, vermutlich werden gerade sämtliche Verkäuferinnen auf die strategische Abwehr von Kaufanfragen aus dem amerikanischen Präsidentenstab geschult. Conway reagierte auf die öffentliche Kritik an ihrem Luxusoutfit mit der Aussage, »es täte ihr leid, die Schwarze-Stretchhosen-Trägerinnen mit ein bisschen Farbe verärgert zu haben.« Das nennt man dann wohl alternative Entschuldigung.
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Silke Wichert

hat mehrere Jahre das Moderessort des SZ-Magazins geleitet. Manche Leute sagen deshalb gern vorweg, dass sie sich wirklich! überhaupt! nicht! für Mode interessieren. Um dann, nur mal so interessehalber, hinterher zu schieben: Was trägt man denn gerade so? Auch dafür schreibt sie jetzt diese Kolumne.

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