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Nackte Zahlen: Sexkolumne 06. Februar 2017

Das Geheimnis der Sex-Bierdose

Von Till Raether  Illustration: Joe Webb

In der trüben Welt der Masturbationshilfen entdeckt unser Autor einen Gegenstand, der unsere Zeit symbolisiert wie kaum ein zweiter.

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Jede Epoche der Menschheitsgeschichte hat ihr Symbol: Die Blütezeit der ägyptischen Königsgeschlechter hat ihre Pyramiden, die Renaissance hat ihren David von Michelangelo, die beginnende Neuzeit ihre Druckerpresse. Auch unsere Epoche hat nun endlich das passende Symbol, um sie in all ihrer Großartigkeit, ihren Widersprüchen, Hoffnungen und Ängsten, in ihren Leistungen und ihrem Denken zu symbolisieren: die Masturbations-Bierdose.

Seit langem ist die US-Firma »Fleshlight« führend in der Herstellung taschenlampen-, also »Flashlight«-förmiger Masturbationshilfen für Männer (und führend auch im Herstellen schauerlicher Wortspiele mit »flesh«, also Fleisch). Die Frage, wozu Männer, die zu diesem Zweck von der Natur mit zwo Händen ausgestattet wurden, röhrenförmige Masturbationshilfen benötigen, sei dahingestellt; jedenfalls funktioniert ein »Fleshlight« im Allgemeinen so, dass eine der Vulva nachempfundene Öffnung in einer Röhre dem Besitzer erlaubt, mit dieser Röhre Sex zu haben.

Offenbar kennen die Entwickler von »Fleshlight« den sehr alten Stammtisch-Witz, wonach eine Traumfrau die wäre, die sich nach dem Sex in einen Kasten Bier und zwei Skatbrüder verwandelt. Sie haben ihn gewissermaßen kondensiert und perfektioniert: Kasten, Skat, weg damit - fertig war »Sex In a Can«, so die korrekte Produktbezeichnung (42,25 Dollar bei Amazon USA). Es gibt die Dosen in verschiedenen fiktiven Bierdesigns, etwa als »Lady Lager« oder »Sukit Draft«. Sie sehen sehr echt aus. Was, berichtet AOL.Money, einem amerikanischen Angestellten zum Verhängnis wurde: Er hatte eine Dose »Sukit Draft« im Büro stehen, offenbar, um bei der Arbeit stets eine Masturbationshilfe in Reichweite zu haben, wurde dann aber für Bier am Arbeitsplatz abgemahnt. Prost! beziehungsweise Fuck!
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Womit auch klar wäre, dass diese »Fleshlight«-Variante nicht zur Tarnung dient, sondern offenbar zur Luststeigerung der Kunden: Wer sich nicht entscheiden kann, ob er Masturbation oder Bier mehr liebt, kann nun beides miteinander vereinen.

Unbestätigten Gerüchten zufolge arbeiten die Fachleute von »Fleshlight« bereits an neuen Produkten, die dem gleichen Prinzip folgen:

Long Solo
Die E-Gitarre mit entsprechender Masturbationsvorrichtung an der Rückseite. Traditionell sowieso vorm Unterleib getragen, erlaubt »Long Solo« dem Lead-Gitarristen nun, den symbolischen Sex, den er beim Solo schon immer mit seiner Gitarre hatte, endlich wirklich auszuleben. Die Entwicklung eines Bassisten-Modells wurde gestoppt, da es sich in der Testphase als zu komplex für die Probanden erwies.

I LOVE this book

Für die intellektuelle Zielgruppe, die kaum noch Worte findet, um die sprachliche Raffinesse und den thematischen Wagemut ihres Lieblingsautors zu preisen. Sie kann sich mit diesem praktischen Naturlatex-Buchüberzug mit Masturbator-Auslassung endlich ganz in Ruhe am neuen Werk ihres Idols abarbeiten. Sonderformate für Vinyl-Liebhaber in Vorbereitung.

(i)Phone-Sex
Mit dieser stoßsicheren Masturbationshülle kann jedes der immer sexier werdenden neuen iPhone-Modelle permanent freihändig in der Körpermitte getragen werden. Vorsicht vor schneller Akku-Entladung durch Überbeanspruchung der Vibrationsfunktion. Bei Dauereinsatz wird durch Handystrahlung automatisch das Feature Empfängnisverhütung aktiviert.

Baby I can *** my car
Für zärtliche Fahrzeughalter empfiehlt sich das praktische Nachrüstset, das jeden Einfüllstutzen zum autoerotischen Multitasker macht. Benutzung bei Elektro-Fahrzeugen auf eigene Gefahr.
Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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