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Vorgeknöpft: die Modekolumne 10. Februar 2017

Feder führend

Von Maria Hunstig  Foto: Gettyimages/Chris Jackson; AFP

Die Daunenjacke – einst amerikanisches Angler-Outfit, heute Glamour-Uniform zwischen Cambridge und Kitzbühel. Doch warum stehen ausgerechnet die Royals so auf die »leichte Daune«?

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Bei ihrem neusten königlichen Körpereinsatz entschieden sich die britischen Royals für ein augenscheinlich bodenständiges Outfit. Zur Trainingseinheit der von ihnen unterstützen Wohltätigkeitsorganisation »Heads Together« erschienen Prinz Harry, Prinz William und seine Gattin Kate nicht nur in Turnschuhen; Kate und Harry zeigten auch obenrum Profil – in sportlichen Daunenjacken.

Klar, zu ihrem Auftritt gehörte auch ein kleiner Sprint, aber hätte man den in einer original englischen Wachs- oder Steppjacke, etwa vom Hoflieferanten Barbour, nicht viel hoheitlicher über die Bühne bringen können?

Im Gegensatz zu dem britischen Klassiker hat die Daunenjacke schließlich eine weniger blaublütige Historie. Eddie Bauer, Namensgeber des amerikanischen Outdoor-Bekleidungskonzerns, erfand die Daunenjacke 1936, nachdem er bei einem Angelausflug nahe Seattle in einer Wolljacke beinah erfroren wäre. Vier Jahre später meldete er das erste Patent auf die rautenförmigen Steppnähte seiner »Skyliner Jacket« an, die die Gänsefedern vor dem Absinken im Jacken-Inneren bewahren und somit für eine gleichmäßige Verteilung der Wärmeisolierung sorgen.

Während es Bauer damals ums nackte Überleben ging, wurden Daunenjacken später auch aus Stylegründen getragen. Anfang der 80er Jahre machten die konsumorientierten Paninari Mailand unsicher – ohne politisches Interesse, aber mit striktem Dresscode, bestehend aus Jeans, Burlington-Socken, Karohemden, Cowboystiefeln und den typischen, bunt-glänzenden Moncler-Daunenjacken. In den 90er Jahren trugen vor allem Hip-Hop- und R'n'B-Stars zum kommerziellen Erfolg sportlicher, logo-beladener Daunenjacken von Marken wie Helly Hansen, Tommy Hilfiger oder Kappa bei.

Ähnlich kastenförmige Modelle feiern auch derzeit ein Revival – losgetreten von Rapper Drake, der 2015 mit glänzend-roter Moncler-Jacke durch sein Video zu »Hotline Bling« tanzte, und damit die Verkäufe des Modells zeitweise verdoppelte. Wenige Monate später griff Über-Designer Demna Gvasalia den Look auf. Für die Winterkollektion 2016 seines Revoluzzer-Labels Vetements arbeitete er mit dem kanadischen Daunenexperten und Polar-Ausstatter Canada Goose zusammen und schickte in der gleichen Saison als Teil seiner Debütshow für das Traditionshaus Balenciaga eine knallrote Riesen-Daunenjacke über den Laufsteg – als Bruch zum kristallbesetzen Luxusrolli.

Doch Herzogin Kates Variante der roten Daunenjacke ist weder besonders avantgardistisch (Gvasalia) noch lässig (Drake), sondern versprüht eher eine gewisse Spießigkeit. Was wie die ganz normale Allwetter-Uniform junger Mütter auf dem Spielplatz wirkt, ist ein Modell des Premium-Skiausstatters Perfect Moment, Kostenpunkt 430 Euro. Ähnliche Varianten der körpernah geschnittenen »leichten Daune« von namhaften Luxusherstellern haben über die letzten Jahre Einzug in die Upper Class zwischen Cambridge und Kitzbühel gehalten. Die Gründe liegen auf der Hand: Sieht sportlicher aus als ein Trenchcoat, hält wärmer als die klassisch wattierte Steppjacke und ist viel leichter als die Wachsjacke – Technik statt Tradition, das ist Luxus im Jahr 2017.

Außerdem: Seit dem 1482 erlassenen »Act of Swans« stehen englische Schwäne im Königreich unter dem besonderen Schutz des britischen Monarchen und sind nach wie vor Eigentum des Hause Windsors. Daunenfedern haben also doch etwas sehr Herrschaftliches.

Wird getragen von: Michelin-Männchen, Mailänder Paninari in den 80ern, Rappern in den 90ern, Aktivmüttern und der Schickeria
Wird getragen mit: Moonboots mit Strassapplikation
Das fragt der britische Landadel: Sind die denn auch regenfest?
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Maria Hunstig

ist Redakteurin beim Modefachmagazin Sportswear International. Sie hat schon Leute in Würde eine Warnweste tragen sehen und ist deshalb überzeugt, dass Stil vor allem eine Frage der Haltung und des Kontexts ist. Diesem geht sie regelmäßig in dieser Kolumne auf den Grund.

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