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Liebe Lieblingsfrau: Die Singlekolumne 22. Februar 2017

Lieb dich selbst und lass mich mitmachen

Von Michalis Pantelouris  Foto: Stephanie Pfaender

Wer sagt eigentlich, dass Singles verzweifelt danach gieren, geliebt zu werden? Unser Autor hat dazu eine ganz andere Meinung.



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Liebe zukünftige Lieblingsfrau,

liebst du dich? Ich war neulich bei einem Essen, da war das plötzlich Thema, und der Satz, den lauter augenscheinlich glücklich liierte Menschen den wenigen anwesenden Singles reingerieben haben, war sinngemäß: »Lieb dich selbst, und wenn du mit dir selbst im Reinen bist und gerade niemanden suchst, dann passiert es«. Ich will nicht sagen, dass der Satz falsch ist. Das ist mir einigermaßen egal. Ich glaube, man sollte wahrscheinlich versuchen, sich selbst zu lieben, egal ob man gerade Single ist oder heiß verliebt oder seit 1956 verheiratet, das schadet überhaupt nie, das ist wie Gemüse essen. Man sollte auch Gemüse essen, wenn man gesund ist. Alle sollten Gemüse essen. Aber weil ich das hier schreibe, kriegst du doch keinen Hunger auf Gemüse, oder? Jedenfalls liebe ich mich nicht, weil mir jemand sagt, ich sollte das tun. Wahrscheinlich hätte ich antworten sollen: »Nö, ich hasse mich lieber dafür, dass ich gleich die Rothaarige dahinten abschleppe und mit ihr Sachen mache, von denen du träumst, seit du 16 bist«, aber auf sowas kommt man ja immer nicht im richtigen Moment, und wenn man es machen würde, würde man sich hinterher dafür tatsächlich lieben, insofern beißt sich das sowieso. Stattdessen habe ich wahrscheinlich nur genickt und gesagt: »Hmmm, hmm, ja, du hast bestimmt recht«, und mich dann dafür gehasst, dass ich keine Energie für solche Diskussionen hab. Die Rothaarige war übrigens wirklich süß. Mit Sommersprossen. Ein bisschen wie gemalt.
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Es ist ja nicht alles falsch an meinem Leben. Im Gegenteil, es ist ganz viel großartig. Ich habe zwei tolle Töchter, deren Beziehung zu mir noch enger ist als je zuvor. Ich habe die besten Freunde der Welt. Ich habe abwechselnd eine Woche wunderbares Familienleben und dann eine Woche die Freiheit, jeden Unsinn zu machen, den ich will. Und ich will. Jede Menge. Manchmal denke ich, eine Scheidung ist das Tollste, was es gibt, weil man danach alles hat, Familie und Singleleben und die Sicherheit, dass eine Scheidung für immer ist und nie kaputtgehen kann. Man muss nicht einmal besonders dran arbeiten, damit eine Scheidung funktioniert, ich glaube, Scheidungstherapeuten sind wahnsinnig arm. Nein, das ist es nicht.

Ich glaube, was Menschen nicht verstehen, die Singles sagen, sie sollen sich selbst lieben, ist, dass Singles nicht verzweifelt danach gieren, geliebt zu werden. Wir werden geliebt. Ich fühle mich geliebt. Ich bin vielleicht nicht der selbstbewussteste Mensch der Welt, aber ich bin auch nicht total unsicher. Ich hasse mich manchmal, und ich empfinde mich selbst als merkwürdig oder als Außenseiter oder finde mich hässlich und die guten Antworten fallen mir oft erst ein, wenn es zu spät ist und ich zuhause im Bett liege. Dann kommt meine Schlagfertigkeit aus dem Schrank, wo sie sich versteckt hatte, so lange die Diskussion lief.

Aber wahrscheinlich bin ich schon okay. Du würdest gar keinen schlechten Fang machen mit mir, glaube ich. Was ich sagen will ist: Ich brauche dich nicht. Ich wünsch mir dich nur. Du sollst keinen Mangel ausgleichen. Ich will keinen Baum in einer Wüste pflanzen, ich will in die Toskana. Ich weiß auch, dass du mich nicht brauchst. Du bist ja die geworden, die du bist, ohne mich. Und das ist toll. Aber es wäre das schönste auf der Welt, wenn du mich willst. Einfach so.

Also, liebst du dich? Ich hoffe, du tust es. Wenigstens manchmal. Und manchmal könntest du es ja auch mir überlassen. Ich kann das machen für dich. Ich kann es eh nicht lassen.
Michalis Pantelouris

Der deutsch-griechische Journalist lebt in Hamburg, und die Hälfte seiner Zeit verbringt er mit sehr jungen Frauen: Seine Töchter sind, seitdem seine Frau sich von ihm getrennt hat, nur noch jede zweite Woche bei ihm. In den anderen Wochen hat er begonnen, sich auch wieder mit etwas älteren Frauen zu beschäftigen – was zwölf Jahre nach dem letzten Date gar nicht so einfach ist, wie es sein sollte. »Es ist genau wie Fahrradfahren«, sagt er, »wahnsinnig wackelig, wenn jemand anderes mit dabei ist.«