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Kunst 03. März 2017

Hohe Kunst

Foto: dpa

Brandschutz versus Kunstfreiheit, Lokalpopulismus versus Weltoffenheit: Wer die documenta 14 aufstellen möchte, kämpft mit Extremen. Peter-Matthias Gaede hat die Vorbereitungen begleitet und hat dabei auch das Problem des Besucherschweißes kennengelernt.

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Wenn am 10. Juni in Kassel die 14. documenta eröffnet wird, dann neigt sie sich anderswo schon dem Ende zu. Denn erstmals wird die weltweit wichtigste Schau für Gegenwartskunst nicht nur rund um das Museum Friedericianum stattfinden, sondern ab 8. April auch in Athen.

Eine Entscheidung, die der künstlerische Leiter der documenta, der Pole Adam Szymczyk, getroffen hat und die Verlustängste hervorgebracht hat – beim kunstaffinen Bürgertum Kassels, das in Sorge war, die Veranstaltung fortan dauerhaft teilen zu müssen, bei Sponsoren und der Geschäftswelt der 200 000-Einwohner-Stadt.

Es werden nicht die Olympischen Spiele der Kunst, versichert Katerina Tselou, Szymzyks Assistentin in der griechischen Hauptstadt. Und will damit sagen, eine Wanderausstellung werde aus der documenta trotzdem nicht.

Der
norwegisch-griechische Architekt Andreas Angelidakis sagt, es sei wichtig, mit der documenta hier in Athen anzufangen, dem Geburtsort der Demokratie, zugleich der »Verkörperung ihres tiefsten Punktes«. Denn Kassel sei »vielleicht, was sich Europa wünscht. Athen aber ist, was Europa ist«.

Seit die documenta 1955 vom Kasseler Künstler Arnold Bode initiiert wurde, hat das »Museum der 100 Tage«, wie sich die Ausstellung auch nennt, die Zeichen der Zeit in Gegenwartskunst übersetzt. Christo platzierte einen phallusförmigen Riesenballon, Beuys setzte auf Stadtverwaldung (statt Stadtverwaltung) und pflanzte Eichen in Kassel und der chinesische Künstler Ai Wei Wei musste damit leben, dass sein gezimmerter Turm aus Holztüren im Vorfeld der documenta 12 bei einem Sturm zusammenbrach.

Doch wie entsteht dieses Welttheater der Künstler und Kuratoren eigentlich? Welchen Zwängen, Widrigkeiten und Grabenkämpfen ist es ausgesetzt? Wie kommt ein scheuer, ätherischer Zeitgenosse wie Szymczyk mit Brandschutzbestimmungen, wahlkämpfenden Lokalpolitikern und komplizierten Künstlern auf der ganzen Welt zurecht?

Peter-Matthias Gaede ist für das SZ-Magazin 16 Mal nach Kassel, Berlin und Athen gereist zu rund 50 Terminen, Interviews und Veranstaltungen rund um die Vorbereitung der documenta 14. Mehr als ein Jahr hat er recherchiert.
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Er erfuhr auch vom vielleicht kuriosesten Problem, dem die Ausstellungsmacher ausgesetzt sind: dem Besucherschweiß. Denn was passiert mit Räumen und
Kunstwerken wie dem Filz-Wams von Joseph Beuys, wenn statt 100 Menschen pro Tag 10.000 Menschen, die womöglich auch noch transpirieren, durch das Museum stapfen?

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