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Liebe Lieblingsfrau: Die Singlekolumne 08. März 2017

Immer dann, wenn alles gut ist, geht die Arbeit erst los

Von Michalis Pantelouris  Foto: Stephanie Pfaender

Verlassenwerden ist einfacher, wenn man weiß, dass man allein die Schuld hat, findet unser Kolumnist. Er weiß, wovon er spricht – es ist ihm nämlich schon wieder passiert.

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Liebe zukünftige Lieblingsfrau,

heute Morgen hat die Frau, die ich in den vergangenen Wochen oft gesehen habe, mit mir Schluss gemacht. Falls man das so sagen kann. Wir waren ja nicht zusammen, also nicht richtig, schon gar nicht ausgesprochen. Ich war langsam und übervorsichtig und wirkte wahrscheinlich total unverbindlich, und sie weiß sehr genau, was sie will. Unverbindlich gehört nicht dazu. Bevor ich weiter keine Ansagen mache, macht sie lieber eine.

Oh, Mann, es ist nicht so leicht, sich fallen zu lassen. Egal, wie lange man sich Zeit lässt und wie lange man drüber nachdenkt, am Ende kommt die Anforderung doch immer plötzlich. Eben hat man sich das alles noch so schön ausgemalt, und dann ist es da, und es ist wunderschön und macht gleichzeitig Angst. Und es ist viel. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass da eine tolle Frau war, eine wirklich tolle Frau, und jetzt ist sie nicht mehr da, und ich bin traurig und erleichtert zugleich. Verlassenwerden ist viel einfacher, wenn man genau weiß, dass man allein die Schuld hat, weil man dämlich ist. Verlassenwerden ist ein großes Wort hier, eine Ecke zu groß. Dämlichsein ist trotzdem keine Freude. Aber es ist einfacher, vor allem deshalb, weil ich nicht alles gegeben habe. Und bei einigen wenigen Dingen im Leben ist weniger als alles nichts.
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Es ist merkwürdig, wie viele Menschen einem sagen: »Du findest schon wieder eine.« Es klingt so nach »irgendeine«. Sie meinen das nicht, aber für mich klingt es sogar wie: »Du findest schon noch irgendeine, die dich nimmt.« Ja, wahrscheinlich, aber irgendeine Frau ist nicht, was mir fehlt.

Ich mache mir Gedanken, was dich unterscheidet von anderen Frauen, denn es muss dich etwas unterscheiden, weil ich sicher bin, dass ich den Mut finde, wenn du da bist. Und klar, man kann den Mut eine Weile lang ersetzen, wenn man Hals über Kopf verliebt ist. Das ist nämlich kein Mut, sondern blind durch die Nacht tanzende Freude, und ich habe nichts dagegen, im Gegenteil, aber ich bin alt genug zu wissen, dass man nicht ewig nur so verliebt ist. Ich habe einen Freund, der über Wein schreibt, und am meisten liebe ich es, wenn er einen probiert und dann Dinge sagt wie: »Den kann man sehr gut noch zehn Jahre liegen lassen, dann wird er noch komplexer.« Er weiß, was in zehn Jahren sein wird, und es beruhigt mich, dass jemand irgendetwas über die Zukunft weiß.

Und ein bisschen ist es so, wenn man nicht mehr 20 ist und sich verliebt: Ich weiß, dass es komplexer wird. Und das ist gut so. Aber es ist eben auch, wofür man den Mut braucht. Ich möchte glauben, dass es eines Tages an der Tür klingelt, und wenn ich öffne, stehst du da, und alles ist gut. Aber du musst wissen, dass ich selbst weiß, dass immer dann, wenn alles gut ist, die Arbeit erst losgeht. Und ich werde bereit sein.

Aber vorher tanzen wir noch einmal durch die Nacht.
Michalis Pantelouris

Der deutsch-griechische Journalist lebt in Hamburg, und die Hälfte seiner Zeit verbringt er mit sehr jungen Frauen: Seine Töchter sind, seitdem seine Frau sich von ihm getrennt hat, nur noch jede zweite Woche bei ihm. In den anderen Wochen hat er begonnen, sich auch wieder mit etwas älteren Frauen zu beschäftigen – was zwölf Jahre nach dem letzten Date gar nicht so einfach ist, wie es sein sollte. »Es ist genau wie Fahrradfahren«, sagt er, »wahnsinnig wackelig, wenn jemand anderes mit dabei ist.«