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Literatur 09. März 2017

»Ich habe alle Facetten der menschlichen Existenz gesehen«

Foto: Charlotte Murphy

Heute ist sie Bestsellerautorin, doch lange musste Jojo Moyes sich durch's Leben kämpfen. Im Interview spricht sie über die Lektionen aus ihrer harten Kindheit und über die Wut, die jetzt in ihr erwacht ist.

Die Autorin Jojo Moyes, 47.
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Jojo Moyes muss sich eigentlich keine Sorgen mehr machen. Ihr gerade auf Deutsch erschienener Roman Im Schatten das Licht (Rowohlt Polaris) steht mal wieder auf Platz eins der Bestsellerliste. So geht das mit jedem Buch, das hierzulande von der 47-Jährigen Engländerin erscheint. Allein Ein ganzes halbes Jahr, Moyes' weltweiter Durchbruch, verkaufte sich in Deutschland mehr als zwei Millionen Mal.

Die Bücher von Jojo Moyes werden gerne als »intelligente Frauenliteratur« bezeichnet, wer auch immer damit beleidigt werden soll. Was stimmt: Moyes schreibt vor allem über Frauen, und die sind fast immer intelligent. Aber nicht nur das: Moyes' Heldinnen sind auch zweifelnder und ambivalenter als es die meisten Kritiker wohl erwarten würden von vermeintlicher »Frauenliteratur«, also von massenkompatiblen Büchern, die vor allem von Frauen gekauft werden.

Im Interview mit dem SZ-Magazin sagt Jojo Moyes, das liege daran, dass sie »eine große Sympathie für die gescheiterten, gebrochenen Biografien« entwickelt habe in den diversen Aushilfsjobs - als Putzfrau, Kellnerin oder Mitarbeiterin einer Taxizentrale -, die sie nach der Schule absolvieren musste. »Ich habe alle Facetten der menschlichen Existenz gesehen«, so Moyes.

Jojo Moyes musste sich hocharbeiten, durchkämpfen, nennt sie es. Sie stammt aus London, aus Hackney, aber das war damals noch nicht der noble Stadtteil, der es heute ist, sondern ein echter Problembezirk. Moyes, Einzelkind, Künstlertochter, sagt: »Ich war ein schmächtiges Mädchen in einer groben Umgebung. Ich musste schon in der Grundschule lernen, mich zu schützen, Körpersprache zu lesen, die Straßenseite zu wechseln.« Dann ließen sich auch noch ihre Eltern scheiden. »Die Unsicherheit war in meinem Leben ein großer Antrieb«, erinnert sich Moyes, »ich wollte einen sicheren Ort schaffen.« Moyes kaufte sich damals heimlich ein Pferd, das sie mitten in der Stadt hielt, und ritt durch die urbane Schroffheit, die sie umgab, so begann ihre Flucht. »Für ein Buch wäre das zu kitschig«, sagt sie heute.

Über Umwege wurde Moyes Journalistin und schließlich, nach vielen Rückschlägen, Bestsellerautorin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf einem Bauernhof in Essex. Nicht nur in ihren Büchern hat Moyes für ein Happy End gesorgt: sie hat sich längst auch selbst die heile Welt ermöglicht, nach der sie sich in ihrer Kindheit und Jugend so gesehnt hat. »Das Größte, was ich erreicht habe, ist, dass meine Kinder an einem Ort groß werden, an dem sie meine Ängste nicht verstehen können«, sagt Moyes.

Im großen Interview mit dem SZ-Magazin erklärt Jojo Moyes auch, warum sie diese Idylle nun von der Weltpolitik bedroht sieht, warum die Wahl von Donald Trump nicht nur sie, sondern auch ihre Kinder erschüttert hat - und ob es eine zweite Fortsetzung ihres Bestsellers Ein ganzes halbes Jahr geben wird.

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