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Musik 17. März 2017

Anarchist und Papa

Von Max Fellmann 

Johnny Rotten war als Sänger der Punk-Band Sex Pistols der Albtraum britischer Eltern. Und doch zugleich ein liebevoller Vater. Ein Gespräch über gefährliche Nonnen, Udo Jürgens und die Schwierigkeit, seinen Kindern immer die Wahrheit zu sagen.



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Er sang die berühmtesten Zeilen der Punk-Geschichte:
God save the queen / 
The fascist regime.
Oder:
I am an antichrist / And I am an anarchist /

Don't know what I want / But I know how to get it. 

Als Sänger der Sex 
Pistols wurde John Lydon zu einer markantesten Figuren des späten 20. Jahrhunderts. Damals nannte er sich Johnny Rotten, er war eine Provokation auf Beinen, eine Sirene mit bunten Haaren, ein wandelnder Mittelfinger im Gesicht der britischen Gesellschaft.

Doch es gab auch einen anderen John Lydon: den Mann, der sich rührend um die Kinder seiner Stieftochter kümmerte. Lydons Stieftochter, das war die Sängerin Ari Up, auch sie ein wildes Wesen, Sängerin einer Punkband, Rastafari, die ihr Leben als Experimentierfeld verstand. Sie hatte Zwillinge, „aber Mutter zu sein hat sie völlig überfordert“, sagt Lydon in einem sehr offenen Gespräch mit dem SZ-Magazin. „Deshalb haben die beiden ab dem Jahr 2000 bei uns in Los Angeles gelebt.“ Lydon und seine Frau Nora Forster nahmen die Jungen auf, schickten sie auf die Schule, kümmerten sich um sie, so gut es ging. Plötzlich saß Lydon in Elternsprechstunden, diskutierte mit Lehrern den Lesestoff und versuchte, den Teenagern im Haus Werte zu vermitteln. Dabei ging es dem einstigen Provokateur vor allem um die Werte seiner eigenen Kindheit: „Alte Working-Class-Schule: Arbeite für dein Geld, behaupte dich in der Welt, lass dich nicht unterbuttern, sei stolz.“

Werte, die Lydon auf die harte Tour lernen musste: Als er sieben war, fiel er durch eine Meningitis für mehrere Monate ins Koma, fast hätte er nicht überlebt. Als er wieder erwachte, hatte er sein Gedächtnis verloren, musste vieles neu üben – und erkannte seine Eltern nicht mehr. Diesen Moment bezeichnet Lydon heute als die Urerfahrung seines Lebens: „Da sind zwei Menschen, die ich zwar nicht kenne, aber sie sind nett zu mir – und tatsächlich meinen sie es gut.“ Das hat für ihn zu lebenslangen Problemen geführt: „Ich gehe einfach nie davon aus, dass Menschen lügen“, sagt er dem SZ-Magazin. „Tun sie dann aber, natürlich. Und es bricht mir jedes Mal das Herz.“

Die Hilflosigkeit des Kindes ohne Erinnerung sei bis heute in allen Songs zu hören, die er je gesungen hat, glaubt Lydon. Aber er hat auch gute Erinnerungen an damals, nicht zuletzt an seinen Vater, den trinkfreudigen Iren, der mit gut gelaunter Schimpferei einen ganzen Pub unterhalten konnte.

Wie Lydon mit dem frühen Tod seiner Mutter umging, wie er seine Frau Nora kennenlernte, wie er mit seiner Stieftochter zurecht kam, warum er Nonnen für gefährliche Lügner hält und was das alles mit Udo Jürgens zu tun hat, erfahren Sie hier im kompletten Interview mit SZ Plus.
 


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