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Männer 17. März 2017

Gemeinsam einsam

Der Vater unseres Autors ist seit vier Jahren dement. Das verändert beide. 


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Seit vier Jahren versinkt der Vater unseres Autors immer mehr in seine eigene Welt. Demenz sei ein stückweises Sterben, schreibt Andreas Wenderoth, nach und nach verliere sein Vater »seine Fähigkeiten, seine Vorlieben, seine Gedanken, seine Identität«. Seine Familie ist ihm fremd geworden, als sie ihn nach einem Anfall ins Krankenhaus fährt, versucht er davonzulaufen und droht dem Sohn, der sich in den Weg stellt, mit der Faust.  

Es ist nicht die einzige Situation, in der sich der Sohn hilflos fühlt. Der Vater lebt inzwischen im Heim, möchte aber lieber nach Hause – doch weiß nicht, wo das ist. In seinem Zimmer hängen Bilder, eines von seiner Heimatstadt Dresden, ein paar Tierbilder sowie ein Foto, auf dem er seine Frau küsst. Der Sohn rätselt, ob die Bilder dem Vater gefallen oder ihn eher traurig machen.

Gespräche mit dem Vater gestalten sich nämlich immer schwieriger, weil der Vater oft nicht mit ihm reden will. Neulich hat er ihm deshalb einfach Fragen gestellt, um ihn zum Antworten zu zwingen. Sein Vater hat daraufhin 20 Minuten lang auf alles mit »Ja« geantwortet. 
 
Die Krankheit seines Vaters konfrontiert den Sohn mit der eigenen Endlichkeit, er beginnt wieder, philosophische Bücher zu lesen, »in der Hoffnung, sie mögen etwas Ruhe und Klarheit bringen in jenes dunkle Feld, das man ja oft mit Nichtachtung straft«. Etwas Trost findet er bei Montaigne, der schrieb, der Tod sei weniger zu fürchten als das Nichts. »Er betrifft euch weder tot noch lebend: Lebend nicht, weil ihr seid; tot nicht, weil ihr nicht mehr seid.«
 
Die Geschichte einer langen Krankheit, die den Vater getroffen - und den Sohn verändert hat.
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