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Nackte Zahlen: Sexkolumne 01. Mai 2017

Von den Alten lernen heißt lieben lernen

Von Alena Schröder  Illustration: Eugenia Loli

Laut einer neuen Studie sind 80-Jährige zufriedener mit ihrem Liebesleben als 50-Jährige. Was ist das Sex-Geheimnis der Senioren? 

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Der Generationenkonflikt macht auch vor dem Sex nicht Halt. Nachdem die jüngeren Generationen hinnehmen mussten, dass die Alten nach wie vor mehr Macht und bessere Renten haben, trumpfen unsere älteren Mitbürger nun auch in Liebesdingen auf. Einer Studie des Britischen International Longevity Centers zufolge, an der mehr als 7000 Menschen teilgenommen haben, sind 80-Jährige deutlich zufriedener mit ihrem Sexleben als Menschen in ihren Fünfzigern. Wie kann das sein? Was ist das Geheimnis der bumsfidelen Senioren? Hier ein paar Mutmaßungen:

Menschen über Achtzig haben in der Regel keine pflegebedürftigen Eltern und auch keine Kinder mehr im Haus, können also zu jeder Tages- und Nachtzeit Sex haben, nackt durchs Haus laufen, Liebesschaukeln installieren oder Pornos gucken, ohne dabei andere Familienmitglieder zu traumatisieren. Auch die direkte Konfrontation mit der exzessiven Libido frischverliebter Teenager, die sich bei Eltern in der Mitte des Lebens negativ auf das eigene Liebesleben auswirken könnte, ist mit über achtzig Jahren nicht mehr gegeben. Hinzu kommt, dass Menschen über Achtzig oftmals schlecht hören. Wenn sie in Seniorenwohnheimen Tür an Tür miteinander leben, können sie beim Sex so laut werden, wie sie wollen, ohne dabei schlafende Babys zu wecken oder Nachbarn zu stören.

Die Studie gibt einen weiteren Hinweis auf den Grund für die Zufriedenheit der Alten mit ihrem Sexleben: Sie fühlen sich - anders als die 50-Jährigen - viel weniger verpflichtet, überhaupt Sex zu haben. Kein »Wir sollten mal wieder«-Sex, kein »Sonntags nach dem Tatort«-Sex, kein »Wir haben die Kinder extra bei der Oma geparkt und ein teures Hotelzimmer gebucht«-Sex, kein »Laut Umfragen hat der Durchschnittsdeutsche zwei Mal pro Woche Sex, wir dürfen auf gar keinen Fall unterdurchschnittlich sein«-Sex. Von Achtzigjährigen erwartet niemand mehr irgendetwas, sie sind frei von jedem gesellschaftlichen Druck und können genau das Sexleben haben, das sie zufrieden macht. Auch wenn das bedeutet, nur einmal im Monat oder einmal im Jahr oder überhaupt nie oder einfach nur ganz entspannt mit sich selbst Sex zu haben.

Achtzigjährige sind meist auch über den Umstand hinweg, dass sie alt sind. Während die 50- bis 70-Jährigen noch vergeblich gegen Falten und Altersflecken ankämpfen, für irgendeinen Halbmarathon trainieren und sich verzweifelt einreden, sich eigentlich noch genauso jung und fit zu fühlen wie mit 30, sind 80-Jährige längst in einen friedvollen Zustand der Akzeptanz übergetreten. Sie ziehen ihre Bäuche nicht mehr ein, lassen hängen, was eben hängt. Und machen sich beim Sex keine großen Gedanken mehr darum, welchen optischen Eindruck sie dabei hinterlassen - das ist ohnehin die wichtigste Regel für ein zufriedenstellendes Liebesleben.

Das nahe Lebensende macht Achtzigjährige außerdem risikofreudiger, was etwa die möglichen Nebenwirkungen von potenzsteigernden Mitteln betrifft. Muss sich der Fünfzigjährige noch Sorgen machen, wer seinen Kindern die Ausbildung finanziert, falls er an einem durch Viagra-Abusus herbeigeführten Herzinfarkt sterben sollte, sagt sich der Achtzigjährige: Lieber in Inge sterben als im Pflegeheim! Her mit den blauen Pillen!
 
Von den Alten lernen heißt also: Lieben lernen. Mit diesem Wissen klingt der Satz »Mit Dir will ich alt werden« plötzlich nicht mehr nach kuscheln auf der Gartenbank und gemeinsamen Busreisen in deutsche Weinanbaugebiete - sondern nach sich endlos steigerndem sexuellen Glück. 

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ALENA SCHRÖDER

ist freie Autorin und lebt in Berlin. Sie gelobt, keine »arm, aber sexy«-Kalauer in dieser Kolumne unterzubringen, die sie im Wechsel mit Till Raether schreibt.

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