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aus Heft 18/2017 Reise

Wandern in Schweden

Von Christoph Cadenbach (Text & Foto) 

Auf dem Bohusleden, einem schwedischen Wanderweg, fühlen sich vier Tage wie zwei Wochen an.

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Es sind nur ein paar Kilometer, bis uns der Wald verschluckt hat. Einnehmend wie ein gutes Buch, in diesem Fall: ein Aussteigerroman. Vielleicht liegt es an der Luft, die konstant nach Kiefernnadeln duftet. Vielleicht am Moos, das wie ein schwerer Teppich die Geräusche dämpft. Unsere Hände sind so schweißnass und erdverschmiert, dass unsere Mobiltelefone tief vergraben im Rucksack bleiben.

Einmal im Jahr gehe ich mit Freunden wandern. Immer in Schweden, immer auf dem Bohusleden, einem 360 Kilometer langen Wanderweg, auf dem man von Göteborg bis an die norwegische Grenze laufen kann. Jedes Jahr sind wir vier Tage unterwegs, ein langes Wochenende, an dem wir kein einziges Bier, sondern ausschließlich Seewasser trinken. Vier Tage, die sich anfühlen, als wären wir zwei Wochen weit weg gewesen. Das ist das Schönste daran.
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Praktisch ist die schnelle Anreise: Am Morgen um acht Uhr sind wir in Berlin losgeflogen, haben von Göteborg einen Überlandbus in Richtung Norden genommen und sind gegen zwölf Uhr von der Haltestelle aus direkt in den Wald abgebogen. Der Bohusleden führt die meiste Zeit durch menschenleere Wälder an Hunderten Seen vorbei, trifft aber alle paar Kilometer wieder auf ein Dorf. Und einige dieser Dörfer sind ans Bus- oder Bahnnetz angeschlossen.

Beim Bohusleden geht es nicht darum, Kilometer zu machen, möglichst schnell möglichst weit zu kommen, zumindest haben wir das so entschieden. Es türmen sich auch keine Berge vor uns auf, die wir ersteigen und abhaken könnten. Nicht einmal der Weg ist unser Ziel, vielmehr geht es um die Umstände, in die er uns zwingt. Es gibt keine bewirtschafteten Hütten, dafür dürfen wir überall unsere Zelte aufbauen. Unsere Zeit verbringen wir vor allem damit, geeignete Plätze zu finden, direkt an einem See und trotzdem geschützt, Trinkwasser zu schöpfen, Feuerholz zu sammeln und ein paar Pilze, damit der Reis, den wir uns in Deutschland grammgenau portioniert haben, nicht allzu fad schmeckt.

Auf dem Rückweg im Überlandbus träumen wir dann von einem Filmabend im Bett mit Laptop auf den Oberschenkeln und einem Chicken Curry vom Vietnamesen gegenüber, an dem wir uns eigentlich längst satt gegessen hatten.

ANREISE
Busfahrplan unter vasttrafik.se. Karten zum Bohusleden unter bohusleden.se

BESTE ZEIT
Anfang September – noch warm, aber wenige Mücken.
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