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aus Heft 18/2017 Reise

Lange verschnaufen

Von Florian Zinnecker  Illustration: Laura Junger

Warum es sich lohnt, nach der Ankunft im Hotel nicht sofort wieder aufzubrechen.

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Wenn es eine DIN-Norm gäbe für die Ankunft im Hotel am Urlaubsort, sie ginge so: Zimmertür auf, Schlüsselkarte in den Stromschlitz, Tasche fallen lassen, Vorhang zur Seite, Blick aus dem Fenster, suchender Blick nach dem Bad, suchender Blick nach dem Bad-Lichtschalter, dann rückwärts aufs Bett fallen, ein paar Augenblicke herumliegen und nichts denken, und dann: Sofort wieder los. Ans Meer, hinein in die überfüllten Altstadtgässchen, auf die Jagd nach Mittag- oder Abendessen, an die Rezeption, um irgendeine wichtige Frage zu stellen, an die Bar, egal, nur schnell raus. Wie langweilig. Wie entsetzlich vernünftig. Dabei gibt es kein schöneres Gefühl, als jetzt zu beschließen: Ich bleibe noch.

Klar, der Grund der Reise ist immer draußen, das Zimmer sind nur die vier Wände um das Bett herum. Ohnehin wird die Dauer des Aufenthalts nicht in Tagen gemessen, sondern in Übernachtungen, und irgendwann kommt das Zimmermädchen mit Staubsauger und irritierter Miene. Morgens mal nicht aufzubrechen, sondern zu bleiben ist die reine Verschwendung, aber: Diese Verschwendung schadet niemandem, natürlich wird man irgendwann rausgehen, aber später. Oder morgen. Wer sich tagsüber im Hotelzimmer aufhält und nicht entweder extrem frisch verliebt (und dann nicht allein) ist oder an einem Magen-Darm-Infekt leidet, steht im Verdacht, etwas grundsätzlich nicht verstanden zu haben. Mag das Zimmer teuer sein oder billig, das Gefühl, dem Sog nach draußen für unbestimmte Zeit zu widerstehen, erst mal ein bisschen fernzusehen, zu lesen, ein Schläfchen zu halten oder auch nur Löcher in die Luft zu schauen - dieses Gefühl ist unbezahlbar.
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Wenn die Sonne scheint, kann man die Kraft der Konvention körperlich spüren, die Beine wollen laufen, die Augen sehen, alles will erleben.

Vielleicht später. Es ist eine sehr sanfte Form der Rebellion, sie tut niemandem weh, sie interessiert nicht einmal jemanden (außer dem Zimmermädchen). Fünf Minuten
schaffe ich bisher, dann knicke ich ein. Irgendwann werde ich stark genug sein, um das mehrere Tage am Stück durchzuhalten. Es ist der gesündeste, verträglichste Abenteuerurlaub, den man sich vorstellen kann.

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Das Hotel, in dem der Autor seine Sesshaftigkeit geübt hat, ist das 25hours Hotel Altes Hafenamt in Hamburg, DZ ab 160 Euro.
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