Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München 21°
Anzeige
Anzeige

Liebe Lieblingsfrau: Die Singlekolumne 10. Mai 2017

Ich schenk dir alles, was ich bin

Von Michalis Pantelouris  Foto: Stephanie Pfaender

Unser Kolumnist wollte ein Geschenk kaufen. Kein ironisches, sondern ein ernstgemeintes – er hat lange nichts gemacht, was so schwierig war.

Anzeige
 
Liebe zukünftige Lieblingsfrau,

ich habe ein Geschenk gekauft, für eine Frau. Das ist eine ziemliche Aufgabe. Ich nehme an, du lachst jetzt, aber doch, das ist es, für jeden. Und ganz besonders, wenn eine Frau es bekommen soll, bei der man nicht sicher ist, ob sie nicht bleibt. Eine Weile lang. Oder ein Leben. Ich weiß nicht, ob du es bist, für die ich das Geschenk gekauft habe, aber ich habe es ausgesucht, als wüsste ich es ganz sicher.

Ein Geschenk ist der größte Offenbarer, den es gibt, ganz besonders, wenn man verknallt an die Sache herangeht. Ich habe das Gefühl, ich hätte in den letzten zehn oder 15 Jahren eigentlich nur ironische Geschenke gesehen, weil echte, kreative, von Herzen kommende so viel über denjenigen verraten, der sie macht, dass alle Angst davor haben und lieber Witze machen. Es werden viele gute Witze aus Unsicherheit geboren, aber wenig gute Geschenke. Herz braucht Mut.

Es wäre zu einfach, dir etwas zu schenken, von dem ich weiß, dass du es liebst. Und was du liebst hast du wahrscheinlich auch schon. Es muss etwas sein, von dem ich glaube, dass du es lieben wirst. Und ja, das verrät dann eine Menge über mich. Über meinen Geschmack, meine Gedanken, vor allem meine Gedanken über dich, mein Gefühl für dich, meine Ideen – und über den Aufwand, den ich zu treiben bereit bin. Denn es geht am Ende ja nicht um das Ding, das ich dir gebe. Es heißt, der gute Wille zähle, aber das ist es auch nur zum Teil, denn wir alle kennen das Gegenteil von »gut gemeint«. Wenn alles immer so ankäme, wie es gemeint ist, dann gäbe es überwiegend glückliche Beziehungen auf der Welt und im schlimmsten Fall freundschaftliche, einvernehmliche Trennungen. Aber so ist es nicht. Wir alle haben die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass unser guter Wille auch verstanden wird von denen, die wir lieben. Es ist das Privileg des Ironikers, dass er für klug gehalten wird, obwohl er immer nur dumme Dinge sagt und dann so grinst, dass jeder weiß, er meint es ganz anders. Aber eigentlich ist er nur zu feige zu sagen, was er wirklich fühlt und denkt. Liebe ist Wahrheit.

Natürlich kann ich nicht wissen, ob du mein Geschenk verstehst. Den Willen dahinter. Ob du verstehst, dass ich damit sagen will: Ich denke an dich, viel, mehr als du vielleicht ahnst. Ich hoffe, du findest es schön. Du lächelst, wenn du es siehst. Und noch mehr hoffe ich, du bist überrascht und verstehst das Unerwartete dabei so, wie ich es gemeint habe, nämlich als Zeichen, dass du für mich mehr bist als die Summe dessen, was ich von dir weiß. Es ist einfach, sich zu verlieben in das, was du heute bist, viel zu einfach. Was ich meine ist, dass ich Vertrauen habe zu dem, was du morgen sein wirst.

Und jetzt geh mal mit all dem zu einem Verkäufer in einem Einkaufszentrum, dann weißt du, warum ich sage, das ist eine ziemliche Aufgabe.

Ich bin herumgelaufen und habe gesucht, in den großen Kaufhäusern in der Mitte der Stadt bis in die kleinsten Läden hier in meinem Hipsterkiez, und natürlich habe ich es nicht gefunden, das Ding, an das ich mein Herz hängen und dir geben kann. Ich habe etwas gekauft, das schön ist und unerwartet und wertvoll und selten, so wie du es bist, aber es ist eben nur ein Ding. Deshalb schreibe ich dir das hier. Um es dir zu geben, irgendwann, und ganz sicherzugehen, dass du verstehst, was ich meine, wenn ich dir ein Päckchen in die Hand drücke, in dem ein Geschenk verpackt ist und eine Hoffnung versteckt.

Kannst du fühlen, was es ist?
Anzeige
Michalis Pantelouris

Der deutsch-griechische Journalist lebt in Hamburg, und die Hälfte seiner Zeit verbringt er mit sehr jungen Frauen: Seine Töchter sind, seitdem seine Frau sich von ihm getrennt hat, nur noch jede zweite Woche bei ihm. In den anderen Wochen hat er begonnen, sich auch wieder mit etwas älteren Frauen zu beschäftigen – was zwölf Jahre nach dem letzten Date gar nicht so einfach ist, wie es sein sollte. »Es ist genau wie Fahrradfahren«, sagt er, »wahnsinnig wackelig, wenn jemand anderes mit dabei ist.«