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bedeckt München
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aus Heft 23/2017 Die Gewissensfrage

Wenn Papa sexistische Witze macht

Von Dr. Dr. Rainer Erlinger  Illustration: Serge Bloch

Sollte man Altherrenwitze des Vaters in der Familien-WhatsApp-Gruppe tolerieren, wenn sie die Frauen stören – die Männer aber nicht? 


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»Mein Vater postet in der WhatsApp-Gruppe unserer Familie manchmal Bilder und Inhalte, die ich als sexistisch empfinde, etwa nach der Art: Frauen gehören in die Küche. Als ich ihn bat, es zu unterlassen, empfahl er mir, die Gruppe zu befragen. Meine drei Brüder empfanden meine Bitte als übertrieben, die Frauen eher nicht, waren aber uneins. Muss ich diese Bilder erdulden?« Julia K. (19), München

   

Was soll die Aufregung?, könnte man fragen, stünde dem nicht eines entgegen: Einer Frau, die das nicht möchte, Nachrichten und Bilder mit sexistischem Inhalt zu senden, ist eine Form von psychischer Gewalt. Daran ändert die Tatsache nichts, dass es vermutlich als Witz gedacht ist, und noch weniger, dass es innerhalb einer Familie gegenüber der erwachsenen Tochter geschieht. Im Gegenteil, in der Konstellation Vater/Tochter haben solche Witze etwas besonders Unschönes und sogar Ekliges.

Ist das humorlos? Tatsächlich kann man Fragen zu diesem Thema glücklicherweise heute entspannter sehen als vor fünfzig Jahren und, wenn sich alle einig sind, es auch humorvoll behandeln. So stellt sich das Ganze anders dar, wenn Gleichberechtigung in Ihrer Familie vollkommen selbstverständlich ist oder etwa Ihr Vater selbst Hausmann. Ansonsten entscheiden die Frage, was ein Witz ist und was eine Beleidigung, nicht diejenigen, die den Witz machen, sondern diejenigen, auf deren Kosten er geht. Und damit sich Ihr Vater auf die Kunstfreiheit berufen könnte, müsste ein Witz über Frauen in der Küche angesichts dessen über Jahrzehnte ertrampelter Plattheit schon sehr ausgefeilt sein.

Dass das alles nicht lustig ist, zeigt die Verteilung der Meinungen in Ihrer Familie. Auch wenn den Postings das Anzügliche fehlt, kann man sie in die Rubrik »Altherrenwitze« einordnen und hoffen, dass diese Haltung in der Gesellschaft durch Generationenwechsel abnimmt oder verschwindet. Umso erschreckender ist es deshalb, wenn die Trennlinien der Zustimmung nicht entlang des Alters, sondern eher nach Geschlechtern erfolgen und alle Ihre Brüder, also junge Männer, die Botschaft »Frauen gehören in die Küche« offenbar auch dann, wenn eine Frau sich dagegen verwahrt, als witzig oder normal ansehen. Da scheint mehr im Argen zu liegen.

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Dr. Dr. Rainer Erlinger

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