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Nackte Zahlen: Sexkolumne 19. Juni 2017

Gibt es lesbische Liebe nur, weil Hetero-Männer sie erregend finden?

Von Till Raether  Illustration: Eugenia Loli

Soweit die abwegige These einer neuen Studie. Welche sexuellen und wissenschaftlichen Phänomene haben wir noch heterosexuellen Männern zu verdanken?

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Ein Wissenschaftler der Universität von Nikosia hat eine sehr steile neue These, weshalb es gleichgeschlechtliche Anziehung zwischen Frauen gibt, und wie diese sexuelle Orientierung evolutionär entstanden ist. Menelaos Apostolou hat 1.509 heterosexuelle Männer und Frauen befragt und dabei herausgefunden, dass 15 Prozent aller Männer in Langzeitbeziehungen und 30 Prozent aller Männer in kurzen Beziehungen es gern hätten, dass ihre Partnerin Sex mit einer anderen Frau hat. Hieraus schließt Apostolou, dass eine lesbische oder bisexuelle Orientierung für Frauen ein evolutionärer Vorteil ist, da sie dadurch für heterosexuelle Männer attraktiver werden. The Advocate, eine amerikanische LGBTQ-Zeitschrift, fasst es vereinfacht zusammen: »Studie behauptet: Gleichgeschlechtliche weibliche Anziehung existiert, weil Männer das scharf finden«.

So ziemlich alles spricht gegen Apostolous Studienergebnis: Müsste man, um die evolutionären Gründe für lesbische Anziehung zu erforschen, nicht mit Lesben sprechen, statt mit Heteros?, fragt The Advocate. Liegt dieser hohe Prozentsatz nicht einfach daran, dass Männer eine eher pornographische Vorstellung von lesbischem Sex haben?, fragt die Psychologin Diana Fleischmann von der Universität Portsmouth. Warum sollten lesbische Frauen einen evolutionären Vorteil daraus ziehen, Sexfantasie von heterosexuellen Männern zu sein?, würden wir bei Gelegenheit gern noch wissen.

In der Zwischenzeit malen wir uns schaudernd aus, was der zypriotische Kollege vermutlich sonst noch so an gleichermaßen abwegigen Forschungsprojekten in der Mache hat. Zum Beispiel:

- Schwule existieren, weil heterosexuelle Männer im Fußballstadion »Go West« von den Village People in der Version von Pet Shop Boys mit dem Text »Olé, jetzt kommt der BVB« o.ä. singen möchten;

- der Urknall hat stattgefunden, damit heterosexuelle Männer über die Nerdwitze in The Big Bang Theory lachen können;

- der Himmel ist blau, weil heterosexuelle Männer wegen eines rosafarbenen Himmels niemals ihre Höhlen verlassen hätten;

- der Urkontinent Pangäa hat sich vor etwa 150 Millionen Jahren in verschiedene Erdteile aufgeteilt, damit heterosexuelle Männer Flugmeilen sammeln können;

- Tiere können nicht sprechen, weil sie nichts mitzuteilen haben, was heterosexuelle Männer nicht bereits wissen;

- die Schwerkraft existiert, damit heterosexuelle Männer sich breitbeinig hinsetzen können;

- Transsexualität existiert, damit heterosexuelle Männer sagen können: »Lass uns mal einen ›Amazon Prime‹-Account einrichten, da laufen so tolle Serien, zum Beispiel ›Transparent‹«, dabei wollen sie einfach nur kein Porto für ihr Drohnen-Zubehör bezahlen.
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Till Raether

ist freier Journalist und Buchautor in Hamburg. Zu Beginn seiner Laufbahn schrieb er in einer großen Publikumszeitschrift einen Artikel über Sexualfantasien unter dem Pseudonym »Dirk Meinerstedt«. Für diesen Kalauer leistet er jetzt hier Abbitte. Diese Kolumne schreibt er im Wechsel mit Alena Schröder.

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